Für Sitzenbleiber Marini gilt: Verletzungen gehören dazu und geben Energie
Verglichen mit anderen MotoGP-Piloten muss Luca Marini nur selten aus dem Kiesbett geborgen werden. Dennoch hat der Italiener einen realistischen Blick auf die Verletzungen und die Rehabilitation.
Nicht erst 2026, als Honda-Werksfahrer Joan Mir die höchste Sturzquote aller MotoGP-Piloten bei den GP-Rennen aufweist – die Hälfte aller Versuche endete neben der Strecke –, hält sich die Vermutung, dass die Honda RC213V als unberechenbar und sturzanfällig gilt. Das wurde auch genährt durch Markenkollege Johann Zarco, der die Sturzstatistik 2025 auf Platz 1 liegend abschloss.
Das Gegenteil beweist dagegen konsequent Honda-Werksfahrer Luca Marini. Rossis Halbbruder gilt als sehr sattelfest. Zum Vergleich: Während der Italiener seit dem Beginn 2023, also vor rund dreieinhalb Jahren, in über 70 Events insgesamt 29 Mal von der Piste abkam, erwischte es Dauerbrenner Marc Marquez im gleichen Zeitraum 78-mal – im Schnitt stürzt der Champion mindestens einmal bei einem Event, Marini nicht einmal bei jedem Zweiten.
2026: Sechs Stürze, keine Verletzungen
In der laufenden Saison sticht der Honda-Pilot mit der Nummer 10 allerdings nicht mehr so heraus. Seit dem Auftakt in Buriram purzelte Marini sechsmal vom Arbeitsgerät und damit so oft wie Fabio Quartararo oder Toprak Razgatlioglu und sogar öfter als Alex Rins. Zum Vergleich: Joan Mir und Jorge Martin teilen sich die Spitze mit je 16 Stürzen.
Wenig überraschender Effekt des Sitzenbleibens ist die geringe Verletzungsgefahr. Dass auch Marini nicht unfehlbar ist, zeigte sich im vergangenen Jahr ausgerechnet bei einem Abstecher ins Fahrerlager der Langstrecken-WM. Bei einem Test zum 8-Stunden-Klassiker in Suzuka stürzte Luca Marini so schwer, dass die MotoGP für drei Events ohne den Honda-Werksfahrer auskommen musste.
2026 blieb Marini bislang von ernsthaften Blessuren verschont. Die Pausen inklusive der gut dreiwöchigen Phase zwischen dem Sachsenring und Silverstone mussten nicht mit Reha-Maßnahmen umgeplant werden. Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com machte Marini aber auch klar, dass es nicht darum geht, partout Risiko zu vermeiden. Die Aussagen des Familienvaters zeugen von einer gesunden Einstellung.
Verletzungen als Auslöser von Motivation
Luca Marini: «Jede Verletzung, ganz gleich, ob sie eher leicht oder gravierend ist, löst zugleich immer auch größte Motivationsschübe aus. Denn nach einem Unfall mit Verletzungen geht es immer sofort um die Frage: Wie kann ich schnellstmöglich in bestmöglicher Verfassung zurückkommen? Und auch – wie kann ich die Phase der Reha und Physio nutzen, um vielleicht sogar stärker zurückzukommen, mich weiter zu verbessern.»
Der 29-Jährige weiter: «Ich kann sagen, dass es nicht stimmt, dass eine Verletzung einen mental nach unten zieht. In so einem Fall geht es darum, sich darauf einzustellen und das Beste mit der Zeit zu machen. Statt normalem Training geht es dann viel mehr um das Arbeiten mit einer Physio. Der Rhythmus ist dann ein anderer, man konzentriert sich nur noch auf die Arbeit mit dem Körper.»
Rebound-Effekt
Bemerkenswert die Aussagen Marinis: «Verletzungen können auch den Effekt haben, dass sie einen mental stärken. Bei mir gab es dann immer einen Rebound-Effekt, der positive Energie freisetzt. Wobei natürlich jeder Mensch anders mit sowas umgeht – aber für mich ist es in jedem Fall so.»
In einer Woche geht es für Luca Marini von WM-Rang 10 als bestem Honda-Piloten in den Aragon-GP. Nach drei Jahren wird Marini HRC nach dieser Saison verlassen – es gilt als sicher, dass die Nummer 10 mit dem Start der 850er-Ära auf einer KTM RC16 klebt.
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