«Ich rechne mit einem Gewichtsverlust von zwei bis zweieinhalb Kilogramm»
Temperaturen von 35 - 40°C machen die 24h Spa in diesem Jahr zu einer Hitzeschlacht. Mercedes-AMG-Star Maro Engel gibt Einblicke über die Schwerstarbeit im Cockpit bei der Hitze.
Wenn heute um 16:30 Uhr die 78. Ausgabe der CrowdStrike 24 Hours of Spa startet, werden Temperaturen von über 35 Grad erwartet. Mit insgesamt elf Mercedes-AMG GT3 ist Mercedes-AMG Motorsport in den vier Klassen PRO, BRONZE, SILVER und PRO-AM vertreten. Mercedes-AMG Performance-Fahrer Maro Engel, der seit 2008 für die Marke antritt und in Spa-Francorchamps sein elftes 24-Stunden-Rennen bestreitet, kann sich an kaum ein Rennwochenende erinnern, bei dem Mensch und Maschine mit einer derart extremen Hitze konfrontiert waren. Gemeinsam mit dem Mercedes-AMG Team MANN-FILTER stellt er sich der besonderen Herausforderung. In der Rubrik „Drei Fragen an“ erklärt der 40-Jährige kurz vor dem Langstreckenklassiker, wie sich Fahrer und Team auf die außergewöhnlichen Bedingungen vorbereiten und warum die hohen Temperaturen nicht nur Fahrer und Fahrzeug, sondern auch die Rennstrategie maßgeblich beeinflussen.
Wie bereitest du dich auf ein solch außergewöhnliches Rennwochenende vor und wie bewältigst du die Herausforderung?
«Ich habe im Vorfeld mein reguläres Fitnesstraining absolviert, aber bei der Anzahl an Rennen, die ich aktuell fahre, gibt es ehrlicherweise kaum ein besseres Training – auch für solche Bedingungen. Schon vor dem Rennwochenende und auch jetzt während des Events habe ich extrem darauf geachtet, meinen Flüssigkeitshaushalt im Griff zu haben. Also viel zu trinken und ausreichend Elektrolyte zu mir zu nehmen. Wenn man das nicht macht, ist der Flüssigkeitsverlust nach den einzelnen Stints enorm und die Gefahr von muskulärer und körperlicher Ermüdung entsprechend hoch. Bei diesen Außentemperaturen steigen die Temperaturen im Cockpit extrem an. Wir arbeiten mit Kühlwesten und ich mache meine Unterwäsche nass, bevor ich ins Auto steige. So kann die Luft, die ins Cockpit strömt, den Körper noch besser kühlen. Wir haben außerdem einen Physiotherapeuten im Team, der einen herausragenden Job macht. Er achtet auf die Basics und steht nach jedem Stint mit einer Trinkflasche und einem kalten, nassen Handtuch am Auto. Darüber hinaus versuche ich, wann immer möglich, im Schatten zu bleiben oder mich in klimatisierten Räumen aufzuhalten.»
Welche Auswirkungen hat die extreme Hitze auf Fahrer, Fahrzeug und Rennstrategie?
«Ganz so viel Erfahrung haben wir mit einer solchen Hitze beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps noch nicht. Das ist eines der heißesten Rennen hier, an das ich mich erinnern kann. Tatsächlich hatten wir 2006 in der britischen Formel 3 einmal ein Rennwochenende mit rund 40 Grad. Aktuell liegen wir da noch leicht darunter. 2019 war es in Spa im Vorfeld des Rennens ebenfalls extrem heiß, zum Rennen selbst hatte es sich damals allerdings wieder etwas abgekühlt. Aber natürlich kann die Hitze Einfluss auf die Strategie haben. Es ist durchaus möglich, dass wir kurzfristig auf kürzere Einzelstints umstellen, um den Fahrer zu entlasten. Sobald sich Dehydrierung oder ein nachlassendes Konzentrationsvermögen bemerkbar machen, müssen wir reagieren. Auch technisch stellt uns die Hitze vor Herausforderungen. Das Team muss dafür sorgen, dass Motor und Bremsen jederzeit möglichst gut gekühlt werden. Außerdem verändert die enorme Hitze den Charakter der Strecke. Bei diesen Temperaturen sinkt das Gripniveau, sodass der Asphalt deutlich weniger Haftung bietet.»
Welche Auswirkungen hat ein solches Hitze-Wochenende auf die Regeneration und die kommenden Rennen?
«Wenn es mir gelingt, weiterhin konsequent und ausreichend zu trinken, rechne ich mit einem Gewichtsverlust von etwa zwei bis zweieinhalb Kilogramm über das Rennwochenende. Mit Blick auf die kommenden Wochen – und ganz konkret auf das DTM-Wochenende am Norisring – bedeutet das, dass die Regeneration ab Montag oberste Priorität hat. Viel Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, weiterhin ausreichend Flüssigkeit und generell möglichst viel Erholung sind dann entscheidend, um den Körper schnell wieder auf das nächste Rennwochenende vorzubereiten.»
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