Carlos Checa beeindruckt von Ducati-Star Nicolò Bulega: «Es ist unfassbar»
Als ehemaliger MotoGP-Pilot und Superbike-Weltmeister von 2011 weiß Carlos Checa wovon er spricht. Der Spanier über Ducati-Aushängeschild Nicolò Bulega, der 2027 in die Königsklasse wechseln wird.
Der Spanier Carlos Checa, inzwischen 53 Jahre alt, hat 194 Rennen in der Königsklasse bestritten und zwei in der 500er-Ära gewonnen, hinzu kommen 17 Podestplätze plus weitere sieben in der modernen MotoGP mit Viertaktmotoren. 2008 wechselte der Katalane in die Superbike-WM, in der er zusätzliche 24 Siege, 49 Podestplätze und als Krönung den Titel 2011 eroberte.
Immer wieder lässt sich Carlos als Gast bei der Superbike-WM blicken, ansonsten arbeitet er als Berater für die Rennstrecke in Barcelona und ist bei fünf Grands Prix für DAZN als TV-Experte im Einsatz. Der Katalane hat nach wie vor viel Herzblut für den Motorsport und verfolgt beide Weltmeisterschaften intensiv. Den anstehenden Wechsel von Nicolò Bulega in die MotoGP beobachtet er aufmerksam, der Italiener wird 2027 und 2028 im Ducati-VR46-Team von Valentino Rossi an der Seite von Fermin Aledguer fahren.
«Ducati bringt sich in der Superbike-WM stark ein, ihr neues Motorrad ist eine Sekunde schneller als das aus dem letzten Jahr», erklärte Checa im Vieraugengespräch mit SPEEDWEEK.com. «Die Änderungen machen eine Sekunde aus, so etwas können die anderen nicht auf die Schnelle kompensieren. Bulega ist der Pilot mit der meisten Erfahrung, dem besten Team und außerdem perfekt an dieses Motorrad angepasst. Aber auch mit diesen Voraussetzungen ist es unfassbar schwierig, so viele Rennen in Folge zu gewinnen (bislang 22 – der Autor). Das zeigt, dass er mit großer Sicherheitsmarge fährt.»
Wir erleben die Ära von BulegaCarlos Checa
«Für die Meisterschaft ist das nicht gut, wir brauchen Herausforderer und mehr Kämpfe», betonte Checa. «Momentan ist Iker Lecuona der Einzige, der ihm nahekommen kann. Aber manchmal ist das so: Johnny Rea hat jahrelang auf der Kawasaki dominiert, jetzt erleben wir die Zeit von Bulega. Wenn er nächstes Jahr nicht mehr in der Superbike-WM ist, macht er Platz für jemanden anders – vielleicht für Iker. Vielleicht sorgen aber auch zukünftige Regeln für mehr Balance.»
Bei MotoGP-Tests mit der neuen 850-ccm-Maschine hat Bulega zuletzt in Misano herausragende Leistungen gezeigt und Testfahrer der anderen Hersteller wie Dani Pedrosa (KTM), Augusto Fernandez (Yamaha) oder Lorenzo Savadori (Aprilia) bei 62 Grad Celsius Asphalttemperatur um 1 bis 2 sec deklassiert.
Neben Yamaha-Pilot Toprak Razgatlioglu und den Aufsteigern aus der Moto2 wird Bulega einer von wenigen im MotoGP-Feld 2027 sein, der über umfassende Erfahrung mit den Reifen des zukünftigen Einheitsausrüsters Pirelli verfügt. Dem Superbike-Seriensieger hören die Techniker aus Mailand auch immer besonders genau zu.
Bis zum Saisonende wird Bulega voraussichtlich sieben Tage mit der 850er-Ducati und auf Pirelli-Reifen getestet haben. Wenn am Dienstag nach dem Finale in Valencia, am 1. Dezember, die nächstjährigen Werksfahrer Marc Márquez und Pedro Acosta auf dem Circuito Ricardo Tormo mit der 850er ausrücken, wird Bulega über mehr Erfahrung als jeder andere mit dieser Maschine verfügen, und ist für Ducati damit besonders wertvoll. Die Edelmarke wird auf bergeweise Daten seines Rennfahrers zurückgreifen können, während aktuelle MotoGP-Stammpiloten abseits offizieller IRTA-Tests nicht mit der Rennmaschine fahren dürfen.
«Ducati hat für nächstes Jahr den besten Plan», hob Checa hervor. «Bulega ist schnell und mental sehr gewachsen. Er kann mit seiner jetzigen Position umgehen und den Ingenieuren die bestmöglichen Rückmeldungen geben, damit diese die beste Richtung einschlagen können. Beim Superbike-Rennen in Aragon war er lediglich 1 sec langsamer als Marc Márquez im Qualifying – auf einer langen Strecke, mit einem Bike mit zusätzlichen 11 kg und Stahlbremsen. Er ist sicher auf dem für die MotoGP nötigen Level. Hätte Ducati nicht die Spritmengenlimitierung, wäre er mit dem Superbike noch schneller.»
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