Marcel Schrötter (MV Agusta): «Dann begann das Chaos»
Schaut man nach dem Meeting der Supersport-WM 2024 in Assen auf die Gesamtwertung, dann hat Marcel Schrötter sein Ziel erreicht. Aber der MV Agusta-Pilot weiß, dass er im Nassen Defizite und eine große Chance vertan hat.
Bei den Meetings auf Phillip Island und in Barcelona stand Marcel Schrötter als einzige Supersport-Pilot in jedem Rennen auf dem Podium und kam als WM-Zweiter nach Assen zum dritten Saisonevent. Der Bayer war vom frühen Termin nicht begeistert und sollte mit seinen Befürchtungen recht behalten: Das Wetter war kalt, regnerisch und die Bedingungen auf der Rennstrecke änderten sich ständig.
Die Superpole verlief mit Startplatz 4 noch solide, doch im verregneten ersten Rennen kam der MV Agusta-Pilot nur als Zwölfter ins Ziel. Der zweite Lauf am Sonntag verlief ähnlich, nur setzte der Regen dieses Mal erst in der Startaufstellung ein.
"Ich war voll und ganz auf ein Trockenrennen eingestellt", knurrte der 31-Jährige. "Aber dann fingen die ersten Regentropfen an zu fallen, als wir in der Startaufstellung waren, und selbst in der Aufwärmrunde war es im ersten Sektor nicht so schlimm. Beim Start tröpfelte es ein bisschen mehr. Doch als wir an der ersten Kurve ankamen, war es dort bereits komplett nass. Von da an begann das Chaos und ich fand mich in meiner Situation wieder; mit Slicks im Nassen ist es einfach schrecklich für mich."
Einige Piloten kamen bereits nach der ersten Runde zum Reifenwechsel an die Box, Schrötter zögerte.
"Da es in der ersten Runden nur im ersten Sektor nass war und der Rest der Strecke noch in Ordnung war, wollte ich nicht gleich zum Reifenwechsel an die Box kommen. Es hätte auch nur ein kurzer Schauer sein können, und 18 Runden sind ein langes Rennen", erklärte der langjährige Moto2-Pilot. "Am Ende wurde der Regen immer stärker, und die ganze Strecke war nass. Deshalb bin ich nach der zweiten Runde reingekommen, wo auch die meisten anderen ihren Stopp gemacht haben. Trotzdem habe ich vorher zu viel Zeit verloren, was Punkt eins ist, und unser Boxenstopp war einen Tick zu lang. Es gibt diese Mindestzeit, die man einhalten muss, aber als ich wieder losgefahren bin, war der Countdown schon um gut 10 Sekunden abgelaufen. Das sind die beiden Punkte, die im Rennen nicht optimal waren."
Nach Runde 5, als alle Boxenstopps absolviert waren, belegte Schrötter nur Platz 17. Mit konstanten Rundenzeiten machte er Position um Position gut und kreuzte als Neunter die Ziellinie. Weil Lorenzo Baldassarri (Ducati) nachträglich disqualifiziert wurde, rückte der MV Agusta-Pilot auf Platz 8 nach vorn.
"Es war ein weiteres Rennen, das ich mir so nicht gewünscht hatte, denn ich tat mir unglaublich schwer und habe viel Zeit verloren. Abgesehen davon bin ich mit meiner Leistung zufrieden, was das Fahren mit Regenreifen im Nassen angeht. Das war bisher nicht unsere Stärke und wir müssen uns bei solchen Bedingungen noch verbessern", sagte Marcel selbstkritisch. "Das war sehr deutlich zu sehen, als Montella mich überholte und dann schneller war als ich. Aber verglichen mit dem Rest und den Rundenzeiten, die ich um vier Sekunden verbessern konnte, habe ich insgesamt gute Fortschritte gemacht. Das ist auf jeden Fall positiv."
Kurios: Trotz der eher verhaltenen Ergebnisse konnte Schrötter seinen Rückstand auf den WM-Leader auf nur noch zwei Punkte verringern, weil seine direkten Konkurrenten ebenfalls kein optimales Wochenende erwischten. Yari Montella (Ducati) verpasste das erste Rennen wegen technischer Probleme und Stefano Manzi (Yamaha) wurde im zweiten Rennen nur 21. Einzig der neue WM-Leader Adrian Huertas (Ducati) kam mit einem Sieg und einem zweiten Platz sauber durch.
"Assen war dieses Mal ein besonders schwieriges und zugleich verrücktes Wochenende, denn wir fahren mit einem geringeren Rückstand auf den Führenden in der Gesamtwertung als zuvor nach Hause, auch wenn wir einen Platz zurückgerutscht sind. Trotzdem sind wir voll im Kampf um die Meisterschaft dabei", wunderte sich der WM-Vierte. "Wir werden das Wochenende analysieren und müssen daraus lernen. Es hätte auch anders ausgehen können und natürlich wäre ich gerne wieder auf dem Podium gelandet."
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