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TourenwagenKolumne
Serie „Vergessene Flugplatzrennen“, Folge 2: Achum und Wunstorf
Flugplatzrennen gehörten fast 50 Jahre lang bis vor der Jahrtausend-Wende zu den populärsten Renn-Veranstaltungen Deutschlands. Wir erinnern an einige der über 30 ehemals so beliebten Veranstaltungen.
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Achum 1962: Der spätere VW-Sportchef Rosorius mit seiner Borgward-Isabella Achum 1962: Der spätere VW-Sportchef Rosorius mit seiner Borgward-Isabella Foto: Seufert
Achum 1962: Der spätere VW-Sportchef Rosorius mit seiner Borgward-Isabella © Seufert
Die Veranstaltungen auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Achum bei Bückeburg im Norden der Republik gehören mit zu den ältesten Flugplatzrennen in Deutschland. Zwischen 1960 und 1963 gab sich hier die deutsche Elite des Rundstreckensports mit GT- und Tourenwagen ein Stelldichein.
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Dazu zählten die damaligen Porsche-Stars Herbert Linge und Dieter Glemser ebenso wie die Tourenwagen-Asse Peter Lindner (Jaguar) oder Eberhard Mahle (Volvo). Als Höhepunkt gab es 1963 sogar ein international besetztes Formel Junior-Rennen nach dem 1100 ccm-Motorenreglement mit den Stars Jochen Rindt, Kurt Ahrens und Gerhard Mitter.
Der 3,7 km lange Kurs bestand aus den Start- und Landebahnen sowie den Rollwegen des Infields. Veranstalter war der ADAC Niedersachsen mit seinem nicht ganz unumstrittenen Rennleiter Joachim Tietsch.
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1963 gaben die PS-Stars in Achum das letzte Mal Vollgas, der letzte Tagessieger hieß Kurt Ahrens im 1100 ccm Formel-Junior, Jochen Rindt wurde Vierter.
Danach fand der ADAC Niedersachsen auf dem Bundeswehr-Flugplatz Wunstorf bei Hannover eine neue, dauerhafte Heimat. Mit einer Lebensdauer von 34 Jahren, ab 1964 bis einschließlich 1998, hat sich Wunstorf einen Spitzenplatz in der Rangliste der langlebigsten deutschen Flugplatzrennen gesichert.
Über den Kontrollposten der „Wache Klein Heidorn“ durfte man in das ansonsten streng gesicherte, weitläufige Flugplatz-Areal der Bundeswehr einfahren. Zwar ging’s anfangs wegen einiger Unzulänglichkeiten und Abstimmungsproblemen noch ein bisschen holprig zu, aber im weiteren Verlauf perfektionierte sich das Zusammenspiel zwischen Veranstalter, Bundeswehr und Infield-Besuchern.
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Fortan sahen die Zuschauer auf dem mit fünf Kilometern extrem langen Kurs wichtige Meisterschaftsläufe wie die Rennen der DRM (ab 1972), DTM (ab 1984), Formel 3-DM, STW, Marken-Pokale und gelegentlich auch die Sportwagen der Interserie. Vor allem die ersten Veranstaltungen boten teilweise noch ziemlich chaotische Szenen. So floss bei stärkerem Regen das Wasser schlecht ab und sorgte auf den langen Geraden für tückisches Aquaplaning. Der eine oder andere Start musste deshalb verschoben oder sogar ganz gestrichen werden. Wenn selbst ein so unerschrockener Typ wie Hans Joachim Stuck 1969 nach der Einführungsrunde im BMW 2002 den Start verweigert und die beiden Vollgas-Geraden für unbefahrbar hält, ist die Lage ernst zu nehmen. Das sahen dann auch die übrigen Kollegen so und schlossen sich dem Startverzicht an. Auch das Verhältnis zwischen Rennleiter Joachim Tietsch und den Fahrern galt als nicht ganz störungsfrei. Typisch für die Spannungen war ein Vorfall, der sich Mitte der 60er-Jahre in der Startaufstellung zutrug. Beim Rangieren in die richtige Startposition fuhr ein Teilnehmer rückwärts und dabei Tietsch über den Fuß, worauf dieser als Rennleiter ausfiel.
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Während der Stellvertreter einsprang, waberten wilde Gerüchte über den Hintergrund des Fuß-Unfalls durchs Fahrerlager. Tietsch kehrte nicht mehr als Rennleiter zurück und wurde im weiteren Verlauf durch Jockel Klein vom ADAC Niedersachsen ersetzt. Übrigens hieß die Rennsekretärin zu jener Zeit Elke Unger – sie wechselte Jahre später ins neu gegründete Unternehmen VW Motorsport in Hannover als Assistentin von Geschäftsführer Klaus Peter Rosorius. Nachfolger als Rennsekretär wurde zuerst der versierte Rallye-Beifahrer Günther Klapproth und danach bis zum Schluss Werner Struckmeier. Der neue Renn-Direktor konnte sich zwar auf eine breite Akzeptanz verlassen, aber auch er kam in Wunstorf unter die Räder. Bei einem DTM-Regenrennen wurde er von einem außer Kontrolle geratenen Fahrzeug angefahren und verletzt. Das gleiche Schicksal widerfuhr auch Bernd Ringshausen, Chef des gleichnamigen Ford-DTM-Teams bei einem weiteren Regenunfall in der nur mit Strohballen abgesicherten provisorischen Boxengasse. Er wurde von einem außer Kontrolle geratenen DTM-Auto getroffen und erlitt komplizierte Bein-Verletzungen. Aber Wunstorf hatte auch so einiges an Positivem und Kuriosem für die Geschichtsbücher zu bieten. Da war zum Beispiel der unvergessene Glanz-Auftritt von Stefan Bellof 1981 im verregneten Formel 3-Rennen – der Beginn seiner kometenhaften Rennfahrer-Karriere. Oder der erste DTM-Sieg von Keke Rosberg 1992 im Mercedes. Und nicht zu vergessen die Premiere des Ford Fiesta Ladies Cup 1982 mit vielen netten Begleit-Anekdoten. Bei den kuriosen Ereignissen ragt die Darbietung die Formel 3-Piloten Dieter Kern in den 70er-Jahren heraus. Der gute Mann aus dem Westerwald stand auf der Pole-Position, musste seine Startposition aber auf Weisung des Rennleiters nochmal durch leichtes Zurücksetzten korrigieren.
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Anschließend vergaß Kern offenbar, den Rückwärtsgang wieder rauszunehmen und startete nach dem Fall der Flagge wie ein Torpedo furios rückwärts durchs halbe Feld. Kaum zu glauben, aber wahr – er eckte nirgends an und alle schafften es irgendwie, ihm auszuweichen.
Ebenfalls erwähnenswert ist die Super-Show, die Rallye-Champion Sepp Haider bei einem seiner ersten Rundstrecken-Einsätze 1986 in Wunstorf bot. Erst ging er nach dem Start frech in Führung, in dem er vor der ersten Ecke gleich drei Kontrahenten auf einmal ausbremste. Dann drosch den silbergrauen 190er Mercedes der SC Kassel so brutal quer um den norddeutschen Parcours, dass in jeder Kurve der Rauch aufstieg. Die Show war aber schon nach wenigen Runden zu Ende, denn für Haiders besonderen Fahrstil hätten haltbare Slicks erst noch gebacken werden müssen. Kein Wunder, dass der Abschied von diesem Flugplatz nach 34 Jahren dann doch ziemlich schwer fiel. Aber auch hier sorgten, wie bei fast allen Flugplatzrennen, vor allem die hohen Kosten für die neu definierten Sicherheits-Standards für das Ende. „Das war beim besten Willen und selbst bei gutem Zuschauer-Aufkommen nicht mehr bezahlbar“, lautete die bittere Erkenntnis des zuletzt amtierenden Rennleiters Udo Randolph.
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Was bleibt, ist der auf ewig festgeschriebene absolute Rundenrekord von Kris Nissen, der mit 1:30,75 min (200,33 km/h) beim Interserie-Rennen 1988 am Steuer eines Porsche 962 erstmals die Schallmauer von 200 km/h durchbrach. Ab 1999 gehörte der Flugplatz wieder ganz dem strategischen Lufttransport-Geschwader 62 der Bundeswehr mit seinen damals riesigen Transall- und heutigen Airbus A400M-Flugzeugen.
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