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TourenwagenKolumne

Serie «Vergessene Flugplatzrennen» – Folge 5: Diepholz

Flugplatzrennen gehörten bis zur Jahrtausendwende fast 50 Jahre lang zu den populärsten Motorsport-Events in Deutschland und Österreich. Wir erinnern an einige der so beliebten Veranstaltungen.

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Crash mit Wassertonne: Armin Hahne im Escort RS
Crash mit Wassertonne: Armin Hahne im Escort RS
Foto: Förster
Crash mit Wassertonne: Armin Hahne im Escort RS
© Förster

Als im Juli 1968 mein Reportereinsatz bei der Premiere-Veranstaltung auf dem Bundeswehrflugplatz in Diepholz anstand, musste ich erst mal auf der Landkarte nachsehen, wie ich da am besten hinkomme. Mein erster Eindruck nach Ankunft: Um Himmels willen, was für eine trostlose Gegend, was für unlustige, wortkarge und verschlossene Menschen.

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Wenn ich heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, an Diepholz, seine Flugplatzrennen und die dazugehörige handelnde Organisations-Mannschaft denke, muss ich fast wehmütig sagen: Was für ein Jammer, dass es diese wunderbare Veranstaltung nicht mehr gibt.

So kann man sich täuschen. Die vermeintlich übellaunigen, unfreundlichen Menschen im flachen Land des Nordens haben sich schnell als liebenswürdige und treue Zeitgenossen entpuppt. In den drei Jahrzehnten, in denen ich bis zur letzten Durchführung des Rennens im August 1998 regelmäßig als schreibender Journalist und Streckensprecher in Personalunion nach Diepholz gekommen bin, habe ich keinen Kollegen getroffen, dem es dort nicht gefallen hätte.

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Das gilt auch für die Teilnehmer, die stets gerne zum großen PS-Happening des AMC Diepholz gereist sind. Und für die Zuschauer war das Flugplatzrennen sowieso eine besondere Attraktion, weil ihnen an den Renn-Wochenenden stets automobilsportliche Leckerbissen geboten wurden. Egal ob DRM, Super Cup, Race of Champions, DTM oder was immer sonst noch – es gab kein Diepholz-Rennen ohne attraktives Haupt-Ereignis.

Welcher Veranstalter hierzulande kann schon voller Stolz darauf verweisen, dass in den 31 Jahren ihres Flugplatzrennens insgesamt 37 Formel-1-Piloten an den Start gerollt sind. Von Niki Lauda über Clay Regazzoni bis Keke Rosberg, von Alan Jones über Ronnie Peterson bis Michael Schumacher oder von Stefan Bellof über Hans Joachim Stuck und Jochen Mass waren sie alle irgendwann mal da.

Dass so viele prominente F1-Piloten in Diepholz überhaupt an den Start gehen konnten, war in erster Linie dem intensiven Engagement des Stoßdämpfer-Produzenten Bilstein und dessen Sportleiter Hugo Emde zu verdanken. So arrangiert der rührige Bilstein-Pate auf dem Flugplatzkurs im Norden mit identischen Chevrolet Camaro die Premiere eines «Race of Champions», das in der Folge mit BMW M1, Ford Escort XR3 und Fiesta XR2 wiederholt wurde. Hierbei traten dank guter internationaler Emde-Verbindungen auch die meisten der erwähnten Formel-1-Stars an.

Aber es hat auch oft genug ordentlich gekracht auf dem 2,6 km langen Kurs. Da waren zum Beispiel die allseits gefürchteten Strecken- und Schikanen-Begrenzungen mit den gefürchteten, mit Wasser gefüllten alten Ölfässern. Wer einmal beim Aufprall die Wucht der Zerstörung am eigenen Auto wie etwa Armin Hahne erlebt hatte, konnte gern auf weitere Begegnungen dieser Art verzichten.

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Und ein stattlicher Autofriedhof in der Ostkurve war bei Regenwetter auch immer garantiert. Da parkte Ronnie Peterson seinen BMW 320 erst Zentimeter vor den Zuschauern auf einer Kühltasche und rasselten auch mal vier oder fünf Autos in- und übereinander. Oder BMW-Turbo-Chauffeur Peter Hennige landete da, wo es bereits mehrere Markenkollegen nach deftigen Abflügen verschlagen hatte.

Zu den großen Schreckmomenten gehörte auch, dass Harald Grohs im lichterloh brennenden Sportwagen saß, der Österreicher «Fritz Glatz» alias Pierre Chauvet im Formel-3-Rennwagen sogar über die Leitplanken flog oder Franz Konrad nach einem monumentalen Dreher bei Start und Ziel den betagten Streckensprecher-Transit nur um Zentimeter verfehlte. In den 31 Diepholz-Jahren gab es sicher viele erwähnenswerte Momente und Ereignisse. Aus dem üppigen Angebot möchte ich nur einige herausgreifen, die mir in besonders guter in Erinnerung geblieben sind.

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Das «Offene Rohr» und die Folgen

Als die ONS (heute DMSB) 1985 im Zuge der allgemeinen Katalysator-Einführung diese auch für den Rennsport beschloss und in diesem Zusammenhang den zulässigen Lärmpegel der DTM-Autos deutlich absenkte, waren Fahrer und Veranstalter der DTM-Rennen alles andere als erfreut. Die Autos wurden merklich leiser und das Publikum gleichzeitig sauer, weil der typische Racing-Sound vermisst wurde. Als die DTM 1985 in Diepholz gastierte, entschied Rennleiter Peter Rumpfkeil, «dass bei mit offenem Rohr gefahren wird». Seine Begründung: «Flüster-Autos kann und will ich meinem Publikum nicht zumuten, die Leute kommen doch auch wegen der Akustik zu uns unserem Rennen.» Also knatterten Sierra XR4 TI, BMW, Volvo & Co wie eh und je mit offenem Rohr und kernigem Sound über den Diepholzer Flugplatz. Die Quittung für den aufmüpfigen Alleingang bekam der AMC Diepholz als Veranstalter prompt. Die ONS entzog für 1986 dem Rennen alle Meisterschafts-Prädikate und Peter Rumpfkeil die Rennleiter-Lizenz.

Der längste Tisch

Das DTM-Wochenende 1995 in Diepholz war unglaublich heiß, dazu ein gigantischer Zuschauerandrang, Riesenstimmung, sogar die Eintrittskarten gingen aus. Im Fahrerlager geschah am Vorabend etwas, das so heute völlig undenkbar wäre. Alfa, Mercedes und Opel ließen viele Tische zu einer schier endlos langen Kolonne zusammenrücken und feierten gemeinsam ein Grillfest. Es war der längste Tisch, den die DTM jemals gesehen hat. Trennungslinien zwischen den Herstellern gab es nicht, jeder verkostete bei jedem dessen Spezialitäten. Alfa-Rotwein war genauso gefragt wie Mercedes-Steaks oder Opel-Grillwürste. Das alles zog sich bei gelöster Stimmung und kräftigem Lärmpegel bis zum Einbruch der Dunkelheit hin. Weinselig raunte mir Norbert Haug, ob des Experiments bester Dinge, irgendwann ins Ohr: «Tagsüber auf der Piste raufen und abends zusammen saufen, so muss es sein.»

Zuschauer-Ansturm und Ticket-Fiasko

Die DTM-Rennen in Diepholz bescherten dem Veranstalter ab 1990 einen regelrechten Zuschauer-Ansturm. 1995 schließlich brachen alle Dämme und der Zuschauerstrom schwoll derart an, dass am Sonntag die Eintrittskarten ausgingen. Am Ende eines heißen und sonnigen Renn-Wochenendes zählte man schließlich die Rekordzahl von rund 85.000 Rennbesuchern. Ein einmaliger Rekord für ein Flugplatzrennen hierzulande eine beeindruckende Kulisse.

Für die 31 Jahre auf dem Diepholzer Flugplatz stand der Name Rumpfkeil als Garant für gute Organisation mit Herz und Hingabe. Peter und seine Frau Margarethe sowie der erweitere Familienverbund bis hin zu Sohn Timo waren immer das Herzstück aller Diepholz-Rennen.

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Da gab es den berühmt-berüchtigten Wohnwagen im Infield, der Dreh- und Angelpunkt aller wichtigen Aktivitäten war und in dem Margarethe samt Helferstab resolut Regie führte. Höchst erstaunlich, was hier so alles auf kleinstem Raum passierte: Arbeitendes Personal wurde im rechtsseitigen Areal mit selbst geschmierten Wurstbroten, Kaffee und Tee verköstigt. Linker Hand fand die Barauszahlung der Start- und Preisgelder durchs hochgeklappte Fenster statt. Und wenn über Sportstrafen und Proteste verhandelt werden musste, wurde die Bewirtungsabteilung kurzzeitig für den Einzug der Sportkommissare geräumt …

Am 23. August 1998 haben die Fans Abschied vom Flugplatz Diepholz genommen. Der Aufwand für Auf- und Abbau der Strecke und die Sicherheit waren einfach nicht mehr bezahlbar. Trotz bestem Zuschauer-Aufkommen passte die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht mehr. Dabei überlebte Diepholz noch mit am längsten – von einstmals rund 30 für Rennveranstaltungen genutzten Flugplätzen in Deutschland ist heute kaum noch einer für reine Renn-Veranstaltungen mehr übrig.

Es war das absehbare Ende eines Rennformats, das niemand mehr verantworten wollte und konnte. Die neu erbaute Motorsport-Arena in Oschersleben wurde danach bis heute zur neuen, dauerhaften Heimat für die Renn-Veranstaltungen des AMC Diepholz. Zwar auch wieder mit allen großen Motorsport-Events und Titel-Prädikaten, aber der Location an sich fehlt leider jene Portion Charme, die Diepholz so beliebt gemacht hat.

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Der deutsche Motorsport musste sich nicht nur von Diepholz, sondern inzwischen auch von Peter Rumpfkeil Abschied nehmen. Der Rennleiter und Regisseur des Flugplatzrennens starb im Mai 2021. Am 6. Juli 2026 wäre er 85 Jahre alt geworden.

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