Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top 6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
jetzt stehe ich vor der Aufgabe, euch von meinem Abenteuer-Ausflug in die Türkei zu berichten. Doch wo soll ich beginnen..? Am Anfang vielleicht? Das scheint mir eine gute Idee zu sein. Istanbul – Zentrum für Kultur, Handel, Finanzen, Medien und....Verkehr. Aha. Das Verkehrsaufkommen der 12-Millionen-Einwohnerstadt ist - gelinde ausgedrückt - chaotisch. Doch ich hatte auch Glück: Ich musste nur über eine der zwei Brücken, die die europäische mit der asiatischen Kontinentalplatte verbinden. Eine Erfahrung für sich: Erst stauten wir uns über dieses berühmte Bauwerk, dann staunten wir über die Bewegung desselben. Schon beachtlich welchen Pendelhub solch eine Brücke aushalten kann. Nur nicht zu lange darüber nachdenken...!
Aber da war ja noch etwas, über das ich eigentlich berichten wollte. Eine Rallye. Der erste Tag verlief gut für uns. André und ich fanden auf Anhieb einen guten Rhythmus, trafen nur wenige der Felsbrocken, die die WRC-Fahrer ausgegraben hatten und lagen am Ende der ersten Etappe mit 7,4 Sekunden an der Spitze. Die Strecken waren überraschend schnell. Deutlich schneller als ich erwartet hatte. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag teilweise sogar über der Geschwindigkeit der Rallye Finnland.
Werbung
Werbung
Die Samstagsprüfungen waren durch den Wechsel von Asphalt auf sehr groben Schotter gekennzeichnet: Sehr alter, "zugefahrener" Asphalt der richtig schön in der Sonne glänzt. Also spiegelglatt, wenn er nass ist. Hier war es sehr wichtig die Kanten des Schotterreifens auf den Asphaltstücken nicht rund zu fahren, sonst ist man auf diesem Asphalt hoffnungslos verloren. Die Schotterstrecken hingegen waren das genaue Gegenteil: Der Veranstalter hatte sie mit noch gröberem Bahnschotter aufgefüllt. Soll heißen: honigmelonengrosse und sehr scharfkantige Felsstücke, die von den vor uns fahrenden WRC auch noch aufgewühlt worden sind. Äusserste Vorsicht war geboten. Wer Übertragungen von der diesjährigen Rallye Dakar gesehen hat, weiß ungefähr wie es dort auf den türkischen Strecken aussah. Vermutlich hätte man mit einem Buggy oder einem Race Touareg auch sehr gute Zeiten fahren können…
Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top 6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
Weiterlesen
Unser Glück war, dass wir im ersten Durchgang nur einen schleichenden Plattfuss hatten, wohingegen Kevin Abbring sich bereits zwei richtige Platten eingefangen hatte, was uns einen wichtigen Vorsprung und somit auch einen Vorteil bescherte: Wir mussten nicht attackieren und konnten an den fiesen Stellen ein wenig Zeit liegen lassen. Am Ende des Tages hatten wir beruhigende 4 Minuten Vorsprung auf den Zweitplazierten Broccoli.
Die Sonntagsprüfungen waren durch den Regen, der über Nacht gefallen war, sehr tief und matschig. Alles voller rotem Schotter, der - sobald Regen fällt - extrem weich wird. Bei mir kamen Erinnerungen an die Türkei Rallye vor vier Jahren hoch, als die Teilnehmer teilweise auf der Strecke einfach stecken blieben. Auch in diesem Jahr galt es steile Berghänge zu bezwingen und genau deshalb machte sich ein sehr mulmiges Gefühl in mir breit. Schließlich waren wir das erste zweiradgetriebene Auto, das auf die Strecken musste. Als wir dann an der ersten Prüfung standen, kam die Erlösung: Ein FIA-Auto kam trotz Allradantrieb nicht durch, sodass die ersten beiden Prüfungen neutralisiert wurden. Die dritte WP, von der Charakteristik her eher wie der erste Tag, wurde aber regulär gefahren. Im zweiten Durchgang hatten Wind und Sonne den Strecken soviel Wasser entzogen, dass alle drei Prüfungen gestartet werden konnten. Wie unberechenbar die Stecken dennoch waren, zeigt, dass alle top WRC-Fahrer denselben Baum touchiert hatten. Nachdem sich Dani Sordo an der Stelle festgefahren hatte, fuhren dem Armen auch noch alle weiteren Autos in seinen havarierten WRC.
Werbung
Werbung
Aber damit nicht genug – auch unser Swift hatte noch eine kleine Überraschung parat: Die Servolenkung quittierte den Dienst! So wurden die letzten, eigentlich läppischen, 40 Kilometer noch zu einer durchaus ernstzunehmenden Herausforderung, trotz der 4 Minuten Vorsprung. Mit der Achsgeometrie sowie des aggressiven Differentials, das in den Fronttrieblern verbaut ist, war das eine recht schweißtreibende Angelegenheit und ich war sehr froh als ich endlich das Etappenziel erreichte. Den wartenden Gratulanten konnte ich dann leider nur noch halbherzig die Hand drücken. Mehr Kraft war meinen Armen nicht mehr zu entnehmen. Ich hoffe, sie haben es mir nicht übel genommen...! Dakar 2011 wir kommen, die Probe haben wir hinter uns!
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.