Sagenhaft: MV Agusta von Hailwood/Agostini um über eine Million versteigert
Es war schon vor der Auktion klar, dass die MV Agusta, die einst von Mike Hailwood und Giacomo Agostini gefahren wurde, kein Schnäppchen wird. Die Verkaufssumme sorgt für Aufsehen.
Mit 18 Fahrer-Titeln ist MV Agusta ex aequo mit Yamaha die zweiterfolgreichste Marke in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Nur Honda (21) kann auf mehr WM-Titeln verweisen. Vom Ende der 1950er- bis zu Mitte der 1970er-Jahre waren Fahrer wie John Surtees, Gary Hocking, Mike Hailwood, Giacomo Agostini und Phil Read auf den Motorrädern des italienischen Herstellers aus Verghera in der Lombardei nahezu unschlagbar.
Auch in der Weltmeisterschaft der Hubraumklassen 125 ccm, 250 ccm und 350 ccm trugen Cecil Sandford, Carlo Ubbiali, Tarquinio Provini bei, dass MV Agusta Kultstatus erhielt. Nach der Eroberung des Weltmarktes durch die japanischen Motorradhersteller verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage bei MV Agusta dramatisch. Als man als Erzeuger von Viertakt-Motorrädern mitansehen musste, dass die Zweitakter unaufhaltsam auf dem Vormarsch waren, zog man sich werksseitig aus der Weltmeisterschaft zurück.
Als der Bestand des MV-Rennsportgeschäfts Ende der 1980er-Jahre verkauft wurde, war unter anderen John Surtees einer der Hauptabnehmer. Die nun bei Bonhams angebotene Werks-500er wurde vom derzeitigen Besitzer direkt vom Briten erworben und entspricht den Spezifikationen, die das MV Agusta-Werksteam Mitte der 1960er Jahre verwendete. Im Laufe der Saison 1965 muss diese Maschine entweder von Mike Hailwood oder Giacomo Agostini oder möglicherweise von beiden Fahrern gefahren worden sein.
John Surtees bestätigt in Brief die Originalität der MV Agusta 500
In einem Brief aus dem Jahr 2005 an den nunmehrigen Verkäufer schreibt John Surtees: «Diese Maschine gehört zu dem Typ, der bis 1965 vom MV Agusta-Team in der Königsklasse des Grand-Prix-Rennsports eingesetzt wurde. Sie ist eine Weiterentwicklung desselben Maschinentyps, den ich bis September 1960 gefahren bin. Diese spezielle Maschine war die einzige, die das Werk als komplette Maschine behielt, nachdem man auf den Einsatz der neuen, kleineren 3-Zylinder-Maschinen umgestiegen war.»
Das Motorrad verblieb in der Werksrennabteilung, bis beschlossen wurde, den gesamten Bestand des ehemaligen Rennteams zu verkaufen, mit Ausnahme einiger Maschinen, die für das MV Agusta Museum restauriert wurden.
«Nach Erhalt der Maschine wurde sie komplett zerlegt, überprüft, gereinigt und wieder zusammengebaut. Der Sitzbezug wurde erneuert und zwei Nachbau-Stoßdämpfer am Heck montiert. Ansonsten ist die Maschine vollständig original. Sie ist mit einer Schwinge in Kastenprofil ausgestattet, die zu den allerletzten Weiterentwicklungen gehörte, die MV Agusta an dieser Maschine vorgenommen hat. Alle Details wie Naben, Speichen und Felgen sowie der Rest des Motorrads sind original, und es ist die einzige Maschine, die vollständig erhalten geblieben ist.»
Die einmalige Gelegenheit, einer dieser ikonischen Motorräder der goldenen Ära des Rennsports – sowohl der Rahmen, als auch der Motor haben die Nummer 1109 – zu erwerben, wollten sich einige Sammler nicht entgegen lassen. Nach einem Bietergefecht erfolgte der Zuschlag bei einer sagenhaften Summe inkl. Aufschlaggebühr von 967.000 britischen Pfund, was in etwa 1,1155 Millionen Euro entspricht. Dass damit die Lager-, Transport- sowie Zollgebühren noch nicht abgedeckt sind, dürfte den glücklichen Käufer vor keine finanziellen Herausforderungen stellen.
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