Der König des Bergs heißt wieder Romain Dumas

Von Gerhard Kuntschik
Bergrennen

In erster Linie wollten Sportchef Sven Smeets und Romain Dumas beim legendären Gipfelsturm von Pikes Peak die Begeisterung für E-Fahrzeuge wecken. Am Ende wurde der Rekord von Rallye-König Sébastien Loeb unterboten.

Sportchef Sven Smeets mit seiner Truppe und Pilot Romain Dumas im VW-Prototypen I.D. R Pikes Peak wollten beim legendären Gipfelsturm vorderhand die Begeisterung für E-Fahrzeuge wecken. Am Ende wurde der aktuelle Pikes-Peak-Rekord von Sébastien Loeb unterboten.

In Colorado gibt es einen König. Keinen politischen, doch als solcher wird derjenige bezeichnet, der das traditionelle Bergrennen auf den Pikes Peak gewinnt – seit 96 Auflagen, seit 1916, das zweitälteste Autorennen der USA nach dem Indy 500 (seit 1911). Die reinen Zahlen sind schon beeindruckend: Eine 20 Kilometer lange Bergstrecke mit 156 Kurven, Start in 2800 Meter Höhe, Ziel auf dem Gipfelplateau in 4300.

Der aktuelle Rekord wurde 2013 von Rallye-König Sébastien Loeb im Spezial-Peugeot aufgestellt. Diesen zu schlagen, war offiziell nicht das vorrangige Ziel der Mission von Volkswagen Motorsport. «Wir wollen eine Bestleistung für E-Fahrzeuge wecken», war die Aufgabe, die Sportchef Sven Smeets mit seiner Truppe und Pilot Romain Dumas im VW-Prototypen I.D. R Pikes Peak erbringen wollten. Der stand bei 8:57,118 Min. (seit 2016). «Na ja. Insgeheim haben wir schon – ideale, also trockene Bedingungen vorausgesetzt – ein wenig mit der Unterbietung von Loebs Rekord spekuliert», sollte nachher Technik-Konsulent Willi Rampf zugeben.

Mit Dumas hatte VW einen Routinier geholt, der schon 2014, 2016 und 2017 siegte, den Berg und seine Tücken also kannte. Er hatte bei seinem Lauf, als Erster der Automobile nach den 20 Motorradpiloten, auch Glück: «Im zweiten Abschnitt war es kurz feucht, Romain ging etwas vom Gas und fuhr gebremst weiter», berichtete Rampf nach Rücksprache. Dumas wurde nach 7:57,148 Minuten abgewinkt, 16 Sekunden unter Loebs Marke, 154 km/h betrug der Schnitt. «Gebremst», wohlgemerkt. Was wäre da bei Vollgas über die gesamte Distanz noch möglich gewesen?

Es war auch so Wahnsinn. Dumas: «Mit diesem Ergebnis haben wir unsere hohen Erwartungen noch übertroffen. Seit den Testfahrten in dieser Woche wussten wir, dass es möglich ist, den Allzeit-Rekord zu knacken. Dazu musste alles perfekt funktionieren – von der Technik bis zum Fahrer. Und das Wetter musste auch mitspielen. Dass alles so perfekt ineinandergreift, ist ein unglaubliches Gefühl, und der neue Rekord auf dem Pikes Peak ist das Tüpfelchen auf dem i. Der I.D. R Pikes Peak ist das beeindruckendste Auto, das ich je im Wettbewerb gefahren bin.»

Erleichtert und begeistert war auch der Belgier Smeets: «Das ist ein großartiger Tag für Volkswagen und einer, auf den wir sehr stolz sind. Der I.D. R Pikes Peak ist das innovativste und komplexeste Auto, das je von Volkswagen Motorsport entwickelt wurde. Für das Pikes-Peak-Projekt musste sich jeder Mitarbeiter permanent neu erfinden und mit extremer Hingabe und Leistungsbereitschaft agieren. Nur so war es möglich, immer wieder neue Herausforderungen zu meistern und neue Lösungen zu erarbeiten. Das alles in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen und einen neuen Allzeit-Rekord aufzustellen ist eigentlich unmöglich. Unserer Mannschaft ist das durch leidenschaftlichen Einsatz in allen Bereichen gelungen. Danke an alle, die so intensiv daran mitgearbeitet und großartigen Teamgeist bewiesen haben.»

Was VW Motorsport in Colorado präsentierte, verdient in der Tat Applaus: «Am 2. September 2017 präsentierten wir das Projekt dem Vorstand, der es absegnete. Wir hatten also neun Monate zur Umsetzung», erklärte Smeets. Im November ereilte den früheren BMW- und Sauber-Techniker Willi Rampf der Anruf, der ihn aus der Pension holte: «Das Projekt war so herausfordernd. Und ich konnte bei null beginnen. Da muss man zusagen.» Nach dem Aero-Spezialisten wurde Ende Januar Langstrecken- und Pikes-Peak-Experte Dumas verpflichtet, im April das Auto präsentiert. «Zum Testen hatten wir zwei Monate Zeit. Aber erst seit Kurzem hier vor Ort», sagte Smeets. 40 Mitarbeiter werkten für den Gipfelsturm, in Colorado waren 36 vor Ort. Hilfe kam auch von Spezialisten bei Porsche.

«Das Hauptkriterium war das Gewicht. Aber auch die richtige Temperatur der Batterien, die zwischen 30 und 70 Grad liegen soll, war eine Aufgabe», bestätigte Technik-Chef Francois-Xavier Demaison. 1100 Kilo bringt der 5,2 Meter lange I.D. R Pikes Peak samt Herrn Dumas auf die Waage. Die Leistung der zwei E-Motoren (für jede Achse einer) beträgt 500 kW (680 PS), 650 Newtonmeter sind abrufbar – das ergibt den Sprint auf 100 km/h in 2,25 Sekunden und 240 km/h Topspeed. Und ein eigenes Schnellladesystem kann die Vollladung in 20 Minuten schaffen – das war der Anspruch, weil das die Unterbrechungszeit nach einer Fahrzeugbergung bis zum Neustart ist. Normal wären es zweieinhalb Stunden. Während des Gipfelsturms werden beim Bremsen 20 Prozent der Gesamtenergie zurückgewonnen.

Das Projekt Pikes Peak war die erste Zusammenarbeit von VW Motorsport und der für Sportfahrzeuge zuständigen R-Abteilung, die seit einem Jahr der frühere Porsche-, Sauber- und Ford-Mann Jost Capito leitet. Der bestätigt: «Auch in der Serie sind I.D.-R-Modelle geplant.»

Vorerst aber wurde eine Rechnung beglichen. Den VW hatte schon 1987 mit einem Bimotor-Golf nach dem Pikes-Peak-Triumph gegriffen, doch Werkfahrer Jochi Kleint scheiterte 400 Meter vor dem Ziel an einem Bagatelldefekt.

Bei der Live-Übertragung aus den USA in die Autostadt Wolfsburg jubelten Sonntag nicht nur die VW-Vorstände, sondern auch Kleint.

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