Aston Martin macht DTM Dampf: «Geht klar zu langsam»

Von Andreas Reiners
DTM

Mit dem Einstieg von Aston Martin sollte die DTM einen internationaleren Weg gehen, auch was den Namen der Serie betrifft. Dem Neuling geht das aber noch deutlich zu langsam.

Es war klar, dass es ein heikles Thema werden würde, vor allem bei den Fans der DTM. Deutsches Tourenwagen Masters. Seit Jahrzehnten der Inbegriff für Tourenwagen-Sport. Drei Buchstaben, die man kennt. Ein Name, eine Marke.

Deshalb war es im Zuge der Verkündung des Einstiegs von Aston Martin im Oktober 2018 eine eigene Nachricht wert, als DTM-Chef Gerhard Berger in der Pressemitteilung wie folgt zitiert wurde: «Die internationale Ausweitung werden wir in Abstimmung mit Teams und Herstellern weiter vorantreiben, was zur Saison 2020 auch mit einer Anpassung des Seriennamens zum Ausdruck kommen soll.»

Das Ziel ist klar: Die DTM will und muss internationaler werden, weshalb sich das Thema Internationalisierung auch im Namen widerspiegeln soll.

Berger hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass der deutsche Faktor in «DTM» in den Verhandlungen mit Neueinsteigern durchaus ein Hindernis war. Bei vielen Herstellern herrscht noch immer das Vorurteil, die DTM sei so etwas wie ein deutscher Klub, wie es Berger mal beschrieb. Politik, Klüngel, Absprachen und Vetternwirtschaft – Relikte aus der Vergangenheit, die bei der Suche nicht geholfen haben. Das D in DTM als Stolperstein.

Für Neuling Aston Martin beziehungsweise das Einsatzteam R-Motorsport war die Internationalisierung der DTM Bedingung für den Einstieg in die Tourenwagenserie. Dazu gehören diverse Dinge: Unter anderem mehr Rennwochenenden im Ausland, das Class-One-Reglement, die Kooperation mit der japanischen Super GT, aber auch so vermeintlich simple Dinge wie der Serienname. Einiges wurde angeschoben, was Aston Martin aber so nicht reicht.

Nicht viel passiert

Beispiel DTM-Name: Passiert ist seit der Ankündigung der Namensänderung nicht viel. Spricht man die Beteiligten auf mögliche Vorschläge an, wie der Name aussehen könnte, ist vornehme Zurückhaltung angesagt. Diskussionen und Überlegungen gab es genug, konkrete Ergebnisse aber noch keine. Es ist ein schmaler Grat: Vor allem in Deutschland, wo Veränderungen noch kritischer beäugt und aufgenommen werden als vielleicht anderswo, sind Reaktionen schwer absehbar. Jubelstürme wird ein neuer Name wohl kaum auslösen.

Bei R-Motorsport weiß man das, trotzdem sorgt das Thema für wachsende Ungeduld. Und klare Manöverkritik. Nicht nur, was den Namen betrifft, sondern die Internationalisierung generell.

«Die Schritte gehen in die richtige Richtung, die Themen sind weiter fortgeschritten als noch vor ein paar Jahren», sagte R-Motorsport-Teamchef Florian Kamelger SPEEDWEEK.com. «Der Teufel liegt aber im Detail, denn die Details werden zu sehr und zu lange diskutiert, womit der Fortschritt des großen Bildes sehr langsam vorangeht. Die Themen waren Bedingungen für unseren Einstieg. Mir geht es ganz klar zu langsam», sagte er.

Er denkt dabei auch an die Fans: «Wir müssen schneller sein und die Fans mehr abholen und uns nicht damit beschäftigen, wie die Anordnung der einzelnen Buchstaben auszusehen hat.»

Das eigene Profil schärfen

Aston Martin schärft damit weiter fleißig das eigene Profil: Der DTM-Neuling hinkt sportlich der Konkurrenz von Audi und BMW noch hinterher. Abseits des Sportlichen «kämpft» R-Motorsport aber auf Augenhöhe, artikuliert Kritik, auch öffentlich, wenn es sein muss.

Kamelger ist klar, dass man nicht einfach eine Schublade aufmacht und eine perfekte Lösung herauszieht.

Allerdings ist in der heutigen Zeit, in der die Automobilindustrie keine einfache Zeit durchmacht, genau das wichtig: Schnelligkeit, Mut, neue Wege, neue Ansätze. Dass man in der DTM aber schon mal viel redet und wenig macht, ist nicht neu.

Kamelger: «Es braucht Mut, um neue Ansätze gehen zu wollen.» Das gilt natürlich erst Recht für eine Rennserie, die zwar immer schon irgendwie ein Überlebenskünstler war und trotz allem immer noch viele Fans hat, sich darauf aber nicht immer blind verlassen sollte.

Das Problem laut Kamelger: «Die Veränderung im Kleinschritttempo ist für eine Serie wie der DTM nicht gut genug, denn die Serie muss zügig weiter entwickelt und zukunftsfähig gemacht werden. Da wäre für mich Mut zum unternehmerischen Risiko gefragt.»

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