DTM 2021: Nur noch eine weitere GT3-Serie?

Von Andreas Reiners
Die DTM ist in die neue Saison gestartet

Die DTM ist in die neue Saison gestartet

Die DTM ist am vergangenen Wochenende in Monza in eine neue Ära gestartet, hat die ersten beiden Rennen mit GT3-Reglement ausgetragen. Fest steht: Es gibt noch Luft nach oben.

Das Echo im Vorfeld war gespalten. Zweifelnd bis negativ. Skeptisch. Der Tenor: Die DTM hat sich zwar mal wieder als Überlebenskünstler bewiesen und den Ausstieg ihrer Hersteller weggesteckt, doch zu welchem Preis?

Alleinstellungsmerkmale gibt es im Grunde keine mehr, was es aber satt und genug gibt, sind GT3-Serien. Ist die DTM also nur noch eine weitere GT-Serie, die kein Mensch braucht?

DTM-Chef Gerhard Berger hat deshalb seit Wochen unermüdlich getrommelt für seine «neue» DTM mit dem weit verbreiteten GT3-Reglement, neuen Autos, sechs Marken und alten DTM-Recken, GT-Spezialisten und neuen Gesichtern.

Ihm war aber auch immer klar: Das ehrlichste, das direkteste, das wichtigste Urteil werden ihm die Fans liefern. Bleiben sie am Ball und der Serie treu und kehren vielleicht sogar zurück, hat er alles richtig gemacht.

Tacheles auf der Strecke

An diesem Wochenende wurde nach dem monatelangen Vorgeplänkel endlich Tacheles geredet, und zwar auf der Strecke. Die DTM präsentierte sich in ihrem neuen Gewand. Klar war im Vorfeld auch: Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Monza wird es möglicherweise schwierig mit Überholen, so ohne die bisherigen Überhilfen Push-to-Pass und DRS.

Doch GT3, neue Ära, viele Marken oder Alleinstellungsmerkmale hin oder her: Der Erfolg einer Serie steht und fällt mit dem Racing. Mit der Action auf der Strecke, mit der Unterhaltung.

Bedeutet im Fall der DTM seit dieser Saison auch: Viel hängt von der «Balance of Performance» ab, mit der die unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte angeglichen werden sollen, um Spannung zu garantieren. Und da war klar, dass es zu Startschwierigkeiten kommen würde, die man mit einkalkulieren musste.

Festzuhalten bleibt: Die beiden Rennen boten trotz der latenten Langeweile an der Spitze durchaus intensive Duelle, harte Zweikämpfe, auch eine Prise wildes Chaos, Abwechslung, und schöne Geschichten wie Liam Lawson, der jüngste Rennsieger in der Geschichte der Serie, der AF Corse und Ferrari einen umjubelten Heimsieg bescherte. Oder Kelvin van der Linde, der am Sonntag gewann. Passenderweise an seinem 25. Geburtstag.

Luft nach oben

Gute Ansätze also. Unter dem Strich ist deshalb aber auch klar: Es gibt noch Luft nach oben, wenn man sich von anderen Serien absetzen will. Was nach einem ersten Rennwochenende aber auch nicht ungewöhnlich ist.

Was freilich fehlte, war das unmittelbare Feedback, der Zuspruch an der Strecke, die Fans. Es wird sich in den kommenden Wochen zeigen, wie die neue DTM bei den Zuschauern ankommt.

Eine erste Rückmeldung gab es von den TV-Zuschauern. Samstag und Sonntag sahen in Sat.1 500.000 und 490.000 Fans zu. Zum Vergleich: 2020 waren im Schnitt 581.000 Zuschauer live dabei. Ein holpriger Start. Schaut man sich erste Rückmeldungen und Meinungsbeiträge in den sozialen Medien an, ist wie immer alles dabei: Von Abgesängen bis hin zu Lobliedern.

Was sagen die Fahrer? «Das war ein großartiger Start, es war großartiges Racing», sagte van der Linde: «Es gab viele negative Kommentare vor dem Wochenende, wir konnten einige von ihnen verstummen lassen.»

Nico Müller, der Vizemeister der vergangenen beiden Jahre, hat sogar den direkten Vergleich zwischen alter und neuer DTM.

«Wir haben gezeigt, dass diese Serie ihren Namen und ihre Werte weiterhin verdient», sagte Müller, der auch Vorteile des neuen Reglements sieht: «Was die DTM noch aufregender macht: Dass du Rennautos mit so unterschiedlichen Stärken und Schwächen hast. Heißt: Je nachdem, welches Auto du vor dir hast auf der Strecke, hast du eine neue Herausforderung. Man muss seinen Fahrstil ändern. Und die Performances werden sich von Wochenende zu Wochenende ändern, man muss seine Möglichkeiten maximieren.»

Womit wir bei der Schwäche der neuen DTM wären, mit der sie aber leben muss. Die Frage ist, wie gut sie das hinbekommt. Denn Diskussionen um eine «BoP» gibt es immer, sie haben Tradition. Mehrfach musste die BoP während des Wochenendes angepasst werden, Diskussionen gab es auch. Nicht ungewöhnlich.

Zoff um die BoP

Ungewöhnlich ist es eher, dass die DTM die Einstufungen nicht kommuniziert, was immer Raum für Interpretationen und Spekulationen lässt. Unnötige Diskussionen sollen so im Keim erstickt werden, fachen sie aber eher zusätzlich an.

Die Piloten halten sich aus der Politik hinter den Kulissen am liebsten raus. «Als Fahrer bleiben wir bei diesen Diskussionen gerne außen vor. Das betrifft die Leute hinter den Kulissen», sagte van der Linde, lobte dann aber, dass nach dem Samstag Änderungen vorgenommen wurden. «Fünf Hersteller unter den ersten Sechs im Qualifying – Kompliment, dass sie so offen sind. An anderen Plätzen gibt es diesen offenen Ansatz nicht. Das wollen wir erreichen. Einen offenen und ehrlichen Ansatz zwischen Teams, Herstellern und der DTM. Es ist im Interesser aller, eine gute Show zu haben.»

«Am Ende sprechen wir von Nuancen, und es hat funktioniert. Dieser von Kelvin erwähnte Ansatz ist der richtige, und ich hoffe, dass es so weitergeht», sagte Müller. Wie auch immer: Am Ende entscheidet vor allem der Fan, ob die neue DTM funktioniert.


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