Nico Rosberg und andere Söhne: Im Namen des Vaters

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Nico Rosberg ist drauf und dran, als zweiter Sohn eines Weltmeisters nach Damon Hill ebenfalls Formel-1-Champion zu werden. Das führt zur Frage: Wer war erfolgreicher – die Vater oder die Söhne?

Einen berühmten Namen zu tragen, ist Segen und Fluch zugleich, das haben viele rennfahrende Söhne erlebt. Max Verstappen ist in der Saison 2015 zum dreizehnten Sohn geworden, dessen Papa schon in der Formel-1-WM angetreten ist. Von den bisherigen zwölf blieben zwei ohne Punkte und acht ohne Sieg. Nur zwei Söhne sind Weltmeister geworden (Damon Hill und Jacques Villeneuve), bei vielen ist der Vergleich ein wenig unfair, dies aus verschiedenen Gründen, wie wir gleich sehen werden. Bislang hat es nur Damon Hill geschafft, als Sohn eines Formel-1-Champions ebenfalls Weltmeister zu werden. Nico Rosberg kann es ihm am kommenden Wochenende gleich tun. Aber wie nun haben sich die Väter und Söhne im Rahmen der Formel-1-WM geschlagen?

Hans Stuck und Hans-Joachim Stuck
Die besten Jahre seiner Karriere waren vorbei, als Silberpfeil-Legende Hans Stuck in der Steinzeit der Formel 1 drei Mal antrat. Insofern ist der Vergleich mit seinem Sohn nicht ganz fair. Der junge Stuck brachte es auf 74 Rennen und zwei Podestränge. Vorteil Sohn.

Jack Brabham sowie David und Gary Brabham
Der 2014 verstorbene Sir Jack Brabham wurde drei Mal Weltmeister. Seine Söhne mühten sich weitgehend vergeblich ab: Gary kam bei zwei Versuchen nicht über die Qualifikation hinaus, David bestritt 24 Rennen, blieb aber ohne Punkte. Vorteil Vater.

Graham Hill und Damon Hill
Die bislang einzige Weltmeister-Weltmeister-Kombination: Graham eroberte die Titel 1962 und 1968, Damon seinen Titel 1996. Papa Graham fuhr länger (von 1958 bis 1975) als Damon (von 1992 bis 1999), dafür war Damon an Siegen erfolgreicher – 22:14. Wir würden daher sagen: Gleichstand.

Wilson Fittipaldi und Christian Fittipaldi
Der Bruder und der Neffe von Emerson Fittipaldi blieben sieg- und podestplatzlos (Emerson hingegen wurde zweimal Weltmeister). Wilson fuhr von 1972 bis 1975, Christian von 1992 bis 1994, sie waren fast gleich lang im Einsatz (35 Rennen für Wilson 40 für Christian), an Punkten hatte Christian die Nase vorne – 12:3. Vorteil Sohn.

Mario Andretti und Michael Andretti
McLaren zeigte 1993, wie man nicht mit einem US-Piloten umgeht: Die Einsätze des jungen Michael kamen einer Vergeudung seines Talents gleich. Weil Junior ständig zwischen Europa und den Staaten hin- und herjetten durfte, weil die Testfahrten beschränkt waren, weil die Autos schwierig zu meistern waren, weil der junge Andretti Ayrton Senna als Stallgefährten hatte, aus all diesen Gründen und einigen mehr kam Michael nicht über sieben Punkte hinaus. Ausgerechnet nach seinem einzigen Podestplatz in Monza wurde er durch Mika Häkkinen ersetzt. Papa Mario eroberte aus 128 Einsätzen zwölf Siege und wurde mit Lotus Weltmeister 1978. Vorteil Vater.

Gilles Villeneuve und Jacques Villeneuve
Was Papa Gilles verwehrt blieb, holte Sohn Jacques nach, den Gewinn des WM-Titels (1997). Der junge Villeneuve konnte bei elf Grands Prix triumphieren, sein Vater bei sechs. Noch heute jedoch geniesst Gilles Villeneuve nicht nur in Kanada und Italien Heldenverehrung – Jaques wird diesen Status nie erreichen. Ginge es nur nach Ergebnissen: Vorteil Sohn.

Keke Rosberg und Nico Rosberg
Nico Rosberg hat inzwischen seinen Vater in allen Kategorien überholt, nur den WM-Titel hat Nico noch nicht, 2014 und 2015 musste er sich jeweils seinem Mercedes-Stallgefährten Lewis Hamilton geschlagen geben. Keke Rosberg wurde 1982 Weltmeister. Wenn Nico in Brasilien oder Abu Dhabi den Titel holt, hat er seinen Vater Keke in allen Belagen überflügelt. Tendenz: Vorteil Sohn.

Satoru Nakajima und Kazuki Nakajima
Weder Vater noch Sohn Nakajima schafften es je aufs Siederpodest, immerhin konnten beide punkten. Papa Satoru wurde zwei Mal Vierter und eroberte mit 16:9 auf mehr Punkte. Vorteil Vater.

Manfred und Markus Winkelhock
Beide hatten nie konkurrenzfähiges Material, doch dafür führt Markus Winkelhock eine skurrile Statistik an: Beim Verhältnis Rennen zu angeführten Rennen kommt er auf eine Erfolgsquote von 100 Prozent – bei seinem einzigen GP, 2007 auf dem Nürburgring, ging er dank eines gewagten Reifenpokers kurz nach dem Start in Führung. Dennoch: Vorteil Vater.

Nelson und Nelsinho Piquet
Der Papa dreifacher Weltmeister, der Sohn in Schimpf und Schande aus der Formel 1 verschwunden. Der so genannte Singapur-Skandal (als der junge Piquet 2008 dazu ermuntert wurde, in eine Mauer zu fahren, um eine Gelbphase zu provizieren, worauf Renault-Stallgefährte Alonso gewann) brach Piquet das Image-Genick. 2015 wurde Piquet Formel-E-Champion. Vorteil Vater.

Jan Magnussen und Kevin Magnussen
Papa Magnussen nahm die Formel 1 nicht so wichtig, heute bereut er das. Nach zwei Jahren mit McLaren und Stewart Grand Prix war Schluss. Sohn Kevin fuhr ironischerweise ebenfalls für McLaren, wurde dann aber auf Eis gelegt, als Fernando Alonso ins Team kam und gleichzeitig Jenson Button behalten wurde. Ende 2015 wurde Magnussen bei McLaren ausgemustert, anfangs 2016 erhielt er bei Renault eine neue Chance. Vorteil Sohn.

Jos Verstappen und Max Verstappen
Papa Jos brachte es 1994 bei Benetton auf zwei Podestränge. Max kann inzwischen schon sechs Podestplätze und den Sieg in Spanien 2016 vorweisen. Vorteil Sohn.

Fazit: Die Söhne haben die Nase vorn, aber knapp ...

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