Überholen in der Formel 1 2017: Ist weniger mehr?

Von Rob La Salle
Formel 1
​Viele Formel-1-Fans finden: Das Überholen mit dem verstellbaren Heckflügel ist viel zu leicht. Dank der neuen Modellgeneration könnte das Überholen erheblich schwieriger werden. Ist das gut für den Sport?

Der frühere Formel-1-Fahrer Stefan Johansson predigt es seit Monaten: «Ich verstehe nicht, wie der Sport 2017 mit dem neuen Reglement attraktiver werden soll. Denn die Autos bauen mehr Abtrieb auf, dann wird es für den Hintermann noch schwieriger, sich im Windschatten anzupirschen. Und die Bremszonen werden auch kürzer.» Gleichzeitig ist der Schwede ein Gegner des verstellbaren Heckflügels DRS (drag reduction system). Der einstige Ferrari-Star findet, die Fahrer hätten es mit dem Überholen zu leicht.

Um genau zu sein, haben Statistiker für die Saison 2016 insgesamt 866 Überholmanöver errechnet, das sind nur vier weniger als in der Rekordsaison 2012.

Im Rahmen der Pirelli-Saisonpräsentation von Turin haben Renndirektor Paul Hembery und Entwicklungsleiter Mario Isola anklingen lassen, dass sich die Rennen verändern werden. Isola meint: «Ich gehe davon aus, dass wir weniger Überholmanöver sehen werden, aber dafür echte.» Hembery glaubt, dass wir tendenziell eher weniger Reifenstopps sehen als früher, weil die 2017er Reifen weniger anfälllig auf thermischen Abbau sind.

Die Fahrer müssen also Mittel und Wege finden, um am Gegner vorbeikommen. Ihn mit einem geschickt getimten Stopp taktisch zu überholen, wird weniger häufig vorkommen.

Hembery meint aber auch: «Weil die Fahrer aufgrund der schnelleren Autos eher am Limit sind als früher, werden wir mehr Fahrfehler erleben. Und das wiederum begünstigt Überholmanöver. Die Rennen werden weniger verwirrend verlaufen und daher für die Fans leichter zu verstehen.»

Stefan Johansson (60) bleibt skeptisch: «Viele Fans beklagen sich, dass wir zu wenig echte Überholmanöver sehen. Aber wenn du Renner hast mit viel Abtrieb, dann dreht sich alles um das Tempo in der Mitte von Kurven und um Schwung. Die Autos fahren wie auf Schienen um die Kurven, und es ist in allen Rennkategorien das Gleiche. Darauf musst du als Pilot auch mit einem etwas seltsamen Fahrstil reagieren. Du musst in mittelschnellen Kurven mit viel Schwung fahren, Zeit kannst du nur in langsamen Ecken gutmachen. Du kannst die grössten Eier der Welt in der Hose haben, aber wenn du in einer schnellen Kurve eine Zehntel findest, dann ist das schon ein halbes Wunder.»

«Früher lief das so: Du hast all deinen Mumm zusammengerafft, um eine Highspeed-Passage noch schneller zu fahren, das war ein echter Ritt auf der Rasierklinge, es war schwierig, das Auto in der Balance zu halten. Aber auf diese Weise hast du dich an einen Gegner heranarbeiten können.»

Beim neuen Formel-1-Grossaktionär Liberty Media wird derzeit in alle Richtungen gedacht, in welcher Form der Sport attraktiver gestaltet werden könnte. Unter der Lupe befindet sich dabei auch die Überholkrücke DRS, für viele Formel-1-Fans ein Firlefanz, der gar nie hätte eingeführt werden dürften.

Ross Brawn ist bei Liberty Media für die Entwicklung der sportlichen Seite der Formel 1 zuständig, also für alles, was mit Regeln und Autos zu tun hat. Der 62jährige Weltmeistermacher von Michael Schumacher weiss: «Der verstellbare Heckflügel geniesst keine allgemeine Popularität. Viele Fans finden: Du musst an Bord nur einen Knopf drücken, um den Wagen vor dir zu überholen. Ist das wirklich, was ein Rennsportanhänger sehen will?»

Mit der üblichen Vorlaufzeit für solche technischen Änderungen könnte DRS 2019 auf dem Müll landen. Ross Brawn will aber zunächst sehen, wie sich die geänderte Aerodynamik der Rennwagen 2017 auf den Sport auswirkt.

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