Nach Bottas-Sieg: Mercedes hat ein Luxusproblem

Von Mathias Brunner
Formel 1
Bottas und Hamilton: Gratulation oder Armdrücken?

Bottas und Hamilton: Gratulation oder Armdrücken?

​Bei Mercedes-Benz beginnt sich abzuzeichnen: Valtteri Bottas und Lewis Hamilton nehmen sich gegenseitig wichtige WM-Punkte weg. Der lachende Dritte heisst Sebastian Vettel im Ferrari.

Bei einer seiner Medienrunden in Sotschi wurde Mercedes-Star Lewis Hamilton darauf angesprochen, ob ihm nicht die Erinnerung an die Saison 2007 Angst mache. Hintergrund: Damals liess McLaren-Chef Ron Dennis Hamilton und seinem damaligen Stallgefährten Lewis Hamilton so lange freie Fahrt, bis Kimi Räikkönen beim dramatischen WM-Finale von Brasilien Dankeschön sagte und Weltmeister wurde. Es war die knappste aller Entscheidungen – Kimi mit 110 Punkten, Lewis und Fernando mit 109, so etwas hatte die Formel 1 noch nie gesehen.

Die Frage an Hamilton ist berechtigt, denn nun beginnt bei Mercedes eine ähnliche Situation. Lewis flüchtet in einen Witz: «Ich weiss nicht mehr, was 2007 war.»

Klar ist das ein wenig geschummelt. Denn Hamilton weiss sehr genau, was damals passiert ist. Und wenn Bottas in der Form von Sotschi weiterfährt, hat Mercedes ein Luxusproblem: Zwei Fahrer, die Rennen gewinnen, zwei Fahrer, sie sich Punkte wegnehmen – während Vettel zuverlässig vor Kimi Räikkönen ins Ziel kommt.

Das Ergebnis in der WM: Bei Ferrari ist alles klar, Vettel führt die Meisterschaft mit 86 Punkten an, Kimi kommt auf 49 Zähler und ist derzeit mit Respektabstand WM-Vierter. Lewis Hamilton ist WM-Zweiter, liegt mit 73 Punkten aber nur noch zehn Punkte vor Valtteri Bottas.

Wann muss Mercedes zur Not mit einer Stallorder eingreifen, um das Tafelsilber zu schützen? Niki Lauda, Aufsichtsrats-Chef des Rennstalls: «Ich möchte noch einmal betonen, dass es bei uns keine Stallorder gibt. Es kann aber Rennsituationen geben, in denen einer der beiden Mercedes aus irgendeinem Grund langsamer ist. Dann ist es logisch, dass er den anderen Silberpfeil ziehen lässt.»

Lewis Hamilton sagte zum gleichen Thema: «Für Mercedes steht der Gewinn der Markenwertung im Zentrum. Wir werden alles tun, um aus jedem Rennen maximale Punkte zu schöpfen. Erst dann wird an die Fahrerwertung gedacht.»

Hamilton weiss gleichzeitig: Wir haben es in der Formel oft erlebt, dass ein erster GP-Triumph einen Piloten noch schneller macht. Weil er nun mit Sicherheit weiss – ich bin ein Siegfahrer. Diese zusätzliche Selbstsicherheit hat oft dazu geführt, dass auf Sieg 1 in enger Folge gleich der zweite Volltreffer folgte.

Anders gesagt: Lewis Hamilton muss in Spanien eine starke Reaktion zeigen. Nicht nur um zu verhindern, dass Sebastian Vettel in der WM enteilt. Sondern auch, um sich bei Mercedes nicht nur als Weltmeister, sondern auch als Hausmeister zu positionieren.

Teamchef Toto Wolff freut sich derweil mit seinem langjährigen Schützling Valtteri Bottas: «Das war ein phantastischer erster Sieg für Valtteri. Ein absolut fabelhafter Tag für ihn. Valtteri kontrollierte das Rennen perfekt: Er hatte einen grossartigen Start sowie einen perfekten Re-Start nach der Safety Car-Phase. Danach fuhr er einen makellosen ersten Stint, in dem er auf den ultraweichen Reifen einen Vorsprung herausfuhr.»

«Dann wurde es eng: Wir stoppten und hatten nicht ganz die Pace auf den superweichen Reifen. Valtteri kam in Verkehr und brauchte Nerven aus Stahl, um in den Schlussrunden den Druck eines viermaligen Weltmeisters auszuhalten.»

«Trotz all der Freude über Valtteris ersten Sieg ist dieses Ergebnis auch eine Erinnerung daran, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Lewis musste schon sehr früh auf die Temperaturen achten. Deshalb konnte er das Potenzial des Undercuts bei den Stopps nicht ausnutzen. Danach ging es darum, das Rennen kontrolliert zu Ende zu fahren und die Punkte mitzunehmen. Aber eines steht fest: Wir haben ihm an diesem Wochenende nicht das nötige Auto gegeben, um seinen Teil des Jobs zu erledigen. Das müssen wir bis Barcelona aussortieren.»

Ferrari hat die Wintertests im Februar und März dominiert, und wir alle glaubten damals – Mercedes zeigt einfach nicht, was sie wirklich draufhaben.

Heute wissen wir: Der Ferrari ist wirklich so gut, und zwar auf jeder Art von Rennstrecke.

Das macht das heikle Fahrer-Management bei Mercedes noch komplizierter.

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