Formel 1

Marc Surer über Robert Kubica: So geht es weiter

Von - 26.11.2017 14:49

​Marc Surer (66) weiss aus schmerzhafter Erfahrung, wie schwierig es ist, sich nach schweren Verletzungen ins Cockpit zurück zu kämpfen. Was der Schweizer über das Comeback von Robert Kubica sagt.

Marc, ich habe selten erlebt, dass in einem Fahrerlager über einen Fahrer so viel geredet wird, der gar nicht da ist. Ausgenommen Michael Schumacher. Wie stehst du grundsätzlich zur Rückkehr von Robert Kubica als Grand-Prix-Stammfahrer?

Ich kann nur ein Beispiel aus meinem Leben nennen. Nach meinem eigenen schweren Rallyeunfall brauchte ich recht lange, mich wieder ins Leben zurück zu kämpfen. Danach war mir klar: Ich bin nicht mehr hundertprozentig fit. Ich trete aber gegen die fittesten Piloten der Welt an. Ich machte dann nochmals Testfahrten mit Arrows und war auch schnell genug, um mich für Rennen qualifizieren zu können. Aber ich sagte mir – ich habe einen Nachteil, das will ich nicht.

Johnny Herbert und du, ihr habt euch zwei Mal bei Unfällen schwere Beinverletzungen zugezogen. Ihr seid beide ins Formel-1-Auto zurückgekehrt, obschon ihr zugegeben habt – die Beweglichkeit war nach den Unfällen nicht mehr die gleiche. Wo ist da der Unterschied zu einem Kubica?

Ich sehe keinen Unterschied. Bei mir war das Problem, mit dem Fuss rechtzeitig vom Gas auf die Bremse zu wechseln, damals hatten wir im Fussraum ja noch drei Pedale. Bei Kubica ist es eher die Frage, wie flink er am Lenkrad eine Korrektur ausführen kann. Aber das ist genau das, was ich zuvor gemeint habe. Du weisst, du musst gegen die schnellsten Piloten der Welt antreten und top-fit sind die obendrein.

Was muss hier die Rolle der FIA sein?

Die FIA muss Williams Glauben schenken. Wenn die Briten von Robert überzeugt sind, dann muss die FIA das akzeptieren. Ich höre, dass Kubica im Sommer den Test bestanden hat, schnell genug aus seinem Wagen zu steigen. Wie das dann mit dem Halo geht, ist eine andere Frage. Vielleicht muss die FIA hier sogar einen besonderen Test einführen, denn solch einen Fall hatten wir noch nie.

Was hörst du von den aktuellen Piloten? Wieso haben sie bei der Rückkehr von Kubica Bedenken?

Ohne jetzt Namen zu nennen – ja, ich höre auch Bedenken. Die Fahrer können hier am meisten Druck ausüben. Wenn die sich geschlossen hinstellen und sagen: "Wir wollen Kubica nicht, uns ist unwohl neben ihm." Dann müsste die FIA darauf reagieren. Ich teile die Bedenken der Fahrer insofern: Es ist das Eine, alleine auf einem Kurs zu testen. Und es ist etwas Anderes, im Pulk zu fahren und blitzschnell auf Situationen reagieren zu müssen. Ich habe seine Einsätze im Rallye-Sport verfolgt, und es gab kaum eine Rallye ohne Unfall. Diese hohe Fehlerquote führe ich darauf zurück, dass immer früher oder später eine Situation entsteht, bei welcher du nicht mehr rechtzeitig reagieren kannst. Servolenkung hin oder her. Diese vielen Unfälle haben mich nachdenklich gemacht.

Glaubst du, Liberty Media zieht hinter den Kulissen die Strippen? Ein Comeback wäre doch genau nach dem Geschmack der US-Amerikaner.

Nein, bei aller Liebe für die Show kann ich mir das nicht vorstellen. Ich glaube eher, dass Williams neben dem unbestrittenen Talent von Kubica auch gerne das Geld seines Sponsors Lotos hätte.

Wie geht es deiner Meinung nach jetzt weiter?

Williams ist sicher nicht entgangen, welche Zweifel an Kubica kursieren. Die werden sich sehr genau überlegen, was sie machen. Und dabei ist Paddy Lowe genau der richtige Mann, weil er eine Entscheidung als Logiker und Pragmatiker treffen wird, nicht als Romantiker.

Aus dem Bauch heraus: Wird Kubica in Australien 2018 am Start stehen?

Ja! Aber ich würde mich nicht wundern, wenn es im Laufe der Saison zu einer Veränderung kommen würde. Letztlich hat Williams ja auch nichts zu verlieren. Sollte nach einigen Rennen klar werden, dass es eben doch nicht geht, wird niemand Williams einen Strick daraus drehen. Sie werden immer das Team sein, das Kubica diese zweite Chance schenkte. Die Rückkehr von Robert Kubica wird für Williams und alle Sponsoren eine tolle Sache sein und für die Formel 1 eine Riesenstory. Egal wie es ausgeht.

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