Robert Kubica (Williams): Was Abu Dhabi-Test bedeutet

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Robert Kubica hat an zwei Testtagen in Abu Dhabi Zeit bekommen, die Williams-Truppe zu überzeugen. Wir sagen, was die Zeiten auf dem Yas Marina Circuit wert sind und wie es für den Krakauer nun weitergeht.

Kein Fahrer stand bei den Abu Dhabi-Testfahrten so unter Beobachtung wie Robert Kubica. Der Test des 32jährigen Polen für Williams soll darüber entscheiden, ob wir den WM-Vierten von 2008 im kommenden März am Start des Grossen Preises von Australien in Melbourne sehen werden.

Das Knifflige für die Fans: Wie sind die Rundenzeiten des früheren BMW-Sauber- und Renault-Piloten einzuordnen? Ein Blick auf die Stoppuhr sagt: Kein Williams-Fahrer ist bei den Tests schneller gefahren – Kubica hat Stammfahrer Lance Stroll hinter sich gelassen (auf der gleichen Reifenmischung) und dem jungen Russen Sergey Sirotkin eine halbe Sekunde abgenommen. Aber Sirotkin fuhr bei seiner persönlichen Bestzeit von 1:39,947 min auf der weichen Pirelli-Mischung, Kubica verwendete die neuen Hypersoft-Reifen (pink markiert) und fuhr 1:39,485 min. Der Abstand in Rundenzeit zwischen dem Reifentyp von Sirotkin und jenem von Kubica beträgt mehr als eine halbe Sekunde. Doch nur Williams weiss, wie viel Kraftstoff im Auto war, als die jeweiligen Bestzeiten gefahren wurden.

Dieser direkte Vergleich ist also schwierig. Dafür hilft uns etwas Anderes: Der Abstand des besten Williams zum schnellsten Ferrari. Vielleicht bringt uns das einen Schritt weiter.

Hier sieht es so aus: Im Abschlusstraining zum Grossen Preis von Abu Dhabi erzielte Vettel die drittschnellste Zeit, mit 1:36,777 min. Felipe Massa errang Startplatz 10, der Brasilianer fuhr eine Zeit von 1:38,550 min. Unterschied also 1,773 Sekunden.

Am zweiten Testtag von Abu Dhabi fuhr Vettel eine 1:37,551-min-Runde, das ist die schnellste Zeit des ganzen Tests. Robert Kubica kam mit dem gleichen Reifentyp auf 1:39,485 min. Abstand also 1,934 Sekunden.

Anders gesagt: Ohne den 2017er Williams so gut zu kennen wie Massa, ist Kubica mehr oder weniger auf ähnlichem Niveau gefahren.

Vielleicht sind es weniger die Rundenzeiten, welche uns Hinweise schenken, sondern die Aussagen von Team-Mitgliedern.

Immer wieder war davon die Rede, Kubica könne keinen 2017er Renner so fahren wie seine Kollegen. Ricardo Penteado, Operationsleiter des Renault-Rennstalls, wischte das im Sommer nach den Renault-Probefahrten von Kubica vom Tisch. Der Brasilianer verriet damals im brasilianischen Portal Globo: «Die Frage über die Fähigkeiten von Robert könnt ihr gleich vergessen – Kubica hat kein Problem, einen 2017er Hybrid-Renner zu bewegen. Das Wichtigste von allem ist – Kubica hatte nie Sprit nur für eine schnelle Runde. Ebenfalls herausragend für mich ist die schiere Anzahl Runden, die er gedreht hat. Du musst bei 40 Grad auf dem Hungaroring erst mal zwei GP-Distanzen zeigen und dann ohne einen Muckser aussteigen.»

Auch Gerüchte, wonach Kubica bei der Bedienung des Lenkrads eingeschränkt sei, zerstreut der brasilianische Ingenieur: «Er hatte damit keine Schwierigkeiten. Wir haben über Funk sehr viele Änderungen am Lenkrad verlangt, und er hat alles im Handumdrehen erledigt.»

Williams-Technikchef Paddy Lowe sagte nun am Yas Marina Circuit: «Wir sehen kein Problem, was seine körperlichen Fähigkeiten angeht, ein solches Auto zu fahren. Robert hat grossartige Arbeit geleistet, wir sind sehr zufrieden. Mit der Anzahl Runden und auch mit der Arbeit an sich. Sein Echo ist sehr gut. Da spürst du eben seine reiche Erfahrung.»

Wie geht es nun weiter?

Williams wird im Rennwagenwerk von Grove in aller Ruhe die Daten analysieren. Anhand von Abstimmung, Reifentypen und Spritlast wissen die Briten sehr genau, welcher Fahrer wir schnell gewesen ist.

Paddy Lowe lässt sich nicht in die Karten blicken: «Wir werden hier nicht über Speed diskutieren. Das ist ein sehr komplexes Thema. Ein Blick auf die Zeitenliste kann sehr irreführend sein. Wir müssen das selber in Ruhe analysieren.»

Aber es werden auch andere Faktoren berücksichtigt: Die Fähigkeit, ein Auto abzustimmen. Und was die Geldgeber des jeweiligen Piloten zu investieren bereit sind.

Paddy Lowe hat bereits angekündigt, dass in dieser Woche keine Entscheidung mehr fallen wird.

Nach bestem Wissen und Gewissen steht Robert Kubica weiter auf Pole-Position für den Platz bei Williams.

Der Kanada-GP-Sieger von 2008 resümiert: «Ich erkenne von Tag zu Tag enorme Verbesserungen. Ich habe sehr viel in dieses Comeback investiert. Und ich habe gute Chancen, mein Ziel zu erreichen.»

Das Ziel heisst: Am Montag, 26. Februar, im Williams sitzen, wenn in Barcelona der erste Wintertest beginnt.

Und am Freitag, 23. März, mit diesem 2018er Williams auf den Albert Park Circuit von Melbourne hinausfahren – im Wissen, dass zwei Tage danach wieder ein Grand-Prix-Fahrer zu sein.

Abu Dhabi, Testtag 2

1. Sebastian Vettel (D) Ferrari SF70H, 1:37,551 (118 Runden) HS
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W08, 1:38,490 (141) HS
3. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB13-Renault, 1:38,736 (132) HS
4. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM10-Mercedes, 1:38,818 (52) SS
5. Esteban Ocon (F), Force India VJM10-Mercedes, 1:39,148 (72) SS
6. Carlos Sainz (E), Renault RS17, 1:39,444 (109) HS
7. Robert Kubica (PL), Williams FW40-Mercedes, 1:39,485 (28) HS
8. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL32-Honda, 1:39,762 (105) HS
9. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-17-Ferrari, 1:39,810 (124) HS
10. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW40-Mercedes, 1:39,947 (86) S
11. Charles Leclerc (MC), Sauber C36-Ferrari, 1:40,666 (148) HS
12. Lando Norris (GB), McLaren MCL32-Honda, 1:41,714 (118) *
13. Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR12-Renault, 1:43,345 (61) SS
14. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR12-Renault, 1:44,827 (63) S

Abu Dhabi, Testtag 1

1. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF70H, 1:37,768 (99 Runden) HS
2. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB13-Renault, 1:38,068 (109) HS
3. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W08, 1:38,551 (136) HS
4. Romain Grosjean (F), Haas VF-17-Ferrari, 1:39,270 (136) HS
5. Lance Stroll (CDN), Williams FW40-Mercedes, 1:39,580 (29) HS
6. Fernando Alonso (E), McLaren MCL32-Honda, 1:39,762 (115) HS
7. Nico Hülkenberg (D), Renault RS17, 1:39,803 (84) HS
8. Nikita Mazepin (RU), Force India VJM10-Mercedes, 1:39,959 (90) HS
9. Robert Kubica (PL), Williams FW40-Mercedes, 1:41,296 (100) S
10. Sean Gelael (IND), Toro Rosso STR12-Renault, 1:41,428 (117) HS
11. Marcus Ericsson (S), Sauber C36-Ferrari, 1:41,661 (97) HS
12. Oliver Turvey (GB), McLaren MCL32-Honda, 1:41,914 (105) *

Reifentypen: HS = Hypersoft, SS = Supersoft, S = Soft

* Arbeit für Pirelli mit unmarkierten Reifen

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