Toto Wolff über Mercedes 2018: Am liebsten ohne Halo

Von Mathias Brunner
Formel 1
Toto Wolff

Toto Wolff

​Der Österreicher Toto Wolff (46) kann auf vier makellose Jahre zurückblicken: vier Fahrer-WM-Titel, vier Siege im Konstrukteurs-Pokal. Der Wiener weiss aber: Erfolg währt in der Formel 1 nicht ewig.

Seit die Formel 1 in die neue Turbo-Ära geschritten ist, kann Mercedes-Benz eine reine Bilanz vorweisen: Vier WM-Titel in Serie, bei den Piloten (Lewis Hamilton 2014, 2015 und 2017, dazu Nico Rosberg 2016) und auch vier Siege hintereinander im begehrten Konstrukteurs-Pokal.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat den 2017er Silberpfeil als Diva bezeichnet und sagt über die Saison 2018: «Wir wollten die guten Charaktereigenschaften der Diva gerne behalten, aber ihre Launen loswerden. Viele Teams haben Mühe damit zu verstehen, warum ein Auto an bestimmten Tagen funktioniert und an anderen Tagen nicht. Wir selber haben hart daran gearbeitet, das besser zu durcschauen.»

Toto Wolff sagte auch: «Wir glauben fest an unser Konzept. In den letzten Jahren gab es diesen Unterschied beim Radstand nicht, und doch haben wir uns besonders schwer getan in Singapur. Wir müssen einfach besser verstehen, wieso wir hier unter Wert geschlagen werden. Dafür sind die den Gegnern in Monza und Silverstone um die Ohren gepfiffen. Es geht jeweils um den besten Kompromiss.»

Dieser Kompromiss heisst Mercedes W09. Toto Wolff über den neuen Silberpfeil: «Unsere Diva war hin und wieder schwer zu verstehen. Das war der Bereich, an dem wir am härtesten gearbeitet haben. Wir wollen noch mehr Speed, vor allem aber soll das Auto fahrbarer werden.»

«Klar haben wir uns Lösungen anderer Teams angeschaut, aber du musst auch deinem Designkonzept treu bleiben. Du kannst nicht einfach Teile anderer Autos an dein eigenes packen. Die Verbesserungen bei uns liegen im Detail. Am sichtbarsten ist, dass der Wagen noch kompakter geworden ist.»

Was die Saison 2018 angeht, meint Wolff: «Vor dem Beginn der letzten Saison hätte ich gesagt – unser härtester Gegner wird Red Bull Racing. Dann wurde es Ferrari. Will heissen: Vorhersagen sind immer schwierig. Ich bin auch sehr gespannt auf die Arbeit von McLaren mit Renault.

Aufreger für viele Fans: der Kopfschutz Halo. Toto Wolff meint: «Ich bin vom Halo nicht beeindruckt, wenn ich die Wahl hätte, dann käme das Ding weg. Klar ist die Sicherheit der Fahrer wichtig, aber ich finde die Ästhetik sehr gewöhnungsbedürftig.»

Wie steht es um die Zukunft von Lewis Hamilton bei Mercedes? Toro Wolff meint: «Er ist für mich der personifizierte Hunger. Ich erlebe ihn als extrem motivierten Sportler, auch in diesem Winter. Ich sehe bei ihm kein Anzeichen von Müdigkeit. Von daher glaube ich, dass wir ihn noch einige Jahre in der Formel 1 erleben werden. Und ich hoffe natürlich bei uns.»

«Wir sind derzeit daran, alles zusammenzusetzen, aber ich sehe uns auf gutem Weg. Wir setzen uns nicht mit einer Frist unter Druck, wir wollen das in Ruhe machen. Wir sind nun sechs Jahre zusammen und ich schätze, einige wenige Wochen brauchen wir noch, bis wir etwas Gutes verkünden dürfen.»

Wie sieht Wolff die Konkurrenz von Ferrari, Honda und Renault? «Was derzeit passiert – je länger ein Reglement stabil bleibt, so eher gleichen sich die Motoren an. Ich gehe davon aus, dass 2018 Ferrari und Renault mit uns auf Augenhöhe antreten. Honda muss vielleicht noch ein wenig auholen.»

Wie geht es mit Mercedes über 2020 hinaus weiter? Toto Wolff: «Wir haben mit der Formel-1-Führung gute Gespräche. Es geht darum, wie wir und auch sie die Zukunft des Sports sehen. Da gibt es viel zu besprechen – Ablauf der Wochenenden, Aufteilung der Preisgelder und vieles mehr. Wir stehen noch immer am Anfang, aber die ersten Gespräche sind sehr gut verlaufen.»

Zurück zum neuen Silberpfeil. Toto Wolff über die Aufgabe, als Klassenbester weiterzumachen: «Das ist eine gewaltige Aufgabe. Wenn wir die rohen Zahlen anschauenn, dann hatten wir das schnellste Auto. Wir mussten es aber schaffen, auf jenen Pisten besser zu werden, wo wir nicht so gut gewesen sind. Einfach ist das nicht. Haben wir das geschafft? Ehrlich gesagt, weiss ich es nicht. Wir werden bei den Wintertests in Barcelona mehr erfahren, aber wenn ich die Wettervorhersage anschaue, dann haben wir einige tückische Tage vor uns.»

Denn die spanischen Meteorologen haben fallweise Regen vorhergesagt ...

Der Druck auf Mercedes ist höher denn je. Toto Wolff findet: «Im Rennstall fühlt es sich nicht an, als hätten wir vier Titel in Serie gewonnen. Eher als wären wir noch alles schuldig. Um das Team mache ich mir in Sachen Ehrgeiz also keine Sorgen. Aber wenn wir das Ganze aus der Sicht der Formel 1 betrachten, dann muss die Frage erlaubt sein – ist Dominanz gut für den GP-Sport? Nein, wahrscheinlich nicht, wie wir damals beim Durchmarsch von Ferrari gesehen haben. Als Fan will ich verschiedene Teams sehen, die um den Titel kämpfen, am liebsten mit einer Entscheidung beim Finale. Als Teamchef will ich natürlich so schnell als möglich den nächsten Titel einfahren. Da hört meine Liebe für das Wohlbefinden der Formel 1 dann auf.»

Was sagt das Bauchgefühl von Toto Wolff? Der Wiener lacht: «Das mit dem Gefühl ist immer so eine Sache in der Formel 1. Da musst du dich eher auf Zahlen verlassen. Wir kennen die Bereiche, in welchen wir besser werden mussten und glauben, das Richtige getan zu haben. Der Wagen sieht ungefähr so aus wie der letztjährige, der Radstand ist gleich geblieben, weil wir an dieses Konzept glauben. Klar haben wir versucht, die Aerodynamik zu optimieren, da werden wir schon weitere Entwicklungen sehen. Aber in einem stabilen Reglement wird das Rad nicht neu erfunden.»

«Unser Ziel bleibt: Mercedes soll diese neue Turbo-Ära prägen. Aber ich bliebe mit beiden Füssen auf der Erde. Wir nehmen die Konkurrenz sehr ernst. Daher kann es durchaus auch passieren, dass wir eine WM mal verlieren werden. Dass jemand kommt und uns zum Äussersten fordert, das ist die grösste Herausforderung. Im Grunde ist das ein Szenario, das ich sehr begrüsse, denn so etwas hält uns alle auf Zehenspitzen. Am Ende wollen wir natürlich die Nase vorn haben.»

Nicht alles, was Liberty Media macht, findet die Zustimmen von Toto Wolff: «Wieso wir keine Grid-Girls mehr haben, verstehe ich überhaupt nicht. Ich fand das immer schön und überhaupt nicht abwertend für Frauen. Wie man das stilvoll machen kann, haben wir ja minderstens in Österreich gesehen, mit Damen in feschem Dirndl. Ich kann auch nichts anfangen mit der Startzeit zehn Minuten nach der vollen Stunde. Ich begreife nicht, was das bringen soll. Generell eine Stunde später zu starten als früher, also eher 15.00 als 14.00 Uhr, das finde ich gut, das zieht die Formel 1 ein wenig von der Mittagszeit weg.»

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