Nach Ungarn-Quali: Toto Wolff über die Hamilton-Pole

Von Mathias Brunner
Formel 1
Toto Wolff und Lewis Hamilton

Toto Wolff und Lewis Hamilton

​Nach dem Abschlusstraining zum Grossen Preis von Ungarn: Das verrückte Wetter würfelte die üblicher Hackordnung ein wenig durcheinander. Die Verhältnisse spielten Mercedes in die Hände.

Als in Ungarn vor dem Abschlusstraining der Regen zu fallen begann, meinte Teamchef Toto Wolff: «Der Teamchef in mir machte sich sogleich Sorgen, weil eine regennasse Bahn immer schwer einzuschätzen ist. Aber der Fan in mir freute sich, weil er ahnte, dass ein wirklich tolles Qualifying auf uns zukommt. So bizarr es auch klingen mag, hat ein Rennwagen eine bestimmte DNA. Unser Auto ist ganz offensichtlich britisch, denn es mag eher kühle Witterung, und es liegt sehr gut in schnellen Kurven. Das gegnerische Auto in Rot mag es eher heiss, und es kommt auf engen Rennstrecken wie Monaco oder Singapur besser zurecht als wir. Wir tun uns auf diesem Pistentyp eher schwer, da gehört auch der Hungaroring dazu.»

Ex-Formel-1-Pilot Anthony Davidson: «Der Regen ist für mich der Retter von Mercedes gewesen, weil sie auf normalheisser Bahn so viele Probleme mit den Reifen haben. Die Pirelli werden am Silberpfeil einfach zu heiss, und das freie Training gab keinen Anlass zu glauben, dass sie das in den Griff bekommen. Ich freute mich wie ein Kind aufs Qualifying, denn kein einziger Fahrer hatte in den ersten drei freien Trainings nur eine Runde auf nasser Bahn gefahren. Eine bessere Ausgangslage gibt es nicht.»

Die Quali verlief bizarr: Der Hungaroring lag exakt zwischen zwei Gewitterzellen, es blitzte und donnerte, aber der grosse Regen kam im ersten Segment nicht. Brillant dann die Ferrari-Strategie, Sebastian Vettel gleich auf Intermediate-Reifen rauszuschicken, das war die Grundlage zur Bestzeit im zweiten Quali-Segment. Alle anderen Fahrer, die mit Trockenreifen ihr Glück versucht hatte, mussten gleich wieder reinkommen. Mehr Regen bedeutete auch: Regenreifen waren zu Beginn des dritten Qualifikationsteils die beste Wahl.

Sky-GP-Experte Martin Brundle: «Bei solchen Verhältnissen ist der kraftvollste Motor, wie ihn Ferrari derzeit hat, kein Vorteil mehr.»

Es drehte sich alles ums Timing: Wer ist mit den wohlaufgewärmten Reifen bei den am wenigsten misslichen Verhältnissen auf der Bahn? Das waren am Ende die beiden Silberpfeile, mit Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas. Der Regen hat die Überlegenheit von Sebastian Vettel weggewaschen.

Lewis Hamilton kurz nach seiner 77. Pole: «Fabelhaft für das Team. Keiner hätte das erwartet, denn Ferrari war das ganze Wochenende über schneller. Wir wollten so nahe wie möglich bleiben, aber der Regen hat ganz andere Möglichkeiten eröffnet. Es war mega-tückisch da draussen, zunächst mit Mischverhältnissen, dann wurde die Bahn immer schlimmer. Du guckst immer nach einer möglichst wenig nassen Linie. Ich habe nie Ballett gemacht, aber ich war die ganze Zeit auf Zehenspitzen. Wir sind jetzt in einer tollen Ausgangslage fürs Rennen.»

Es ist die 77. Pole-Position von Lewis Hamilton in der Formel 1, seine fünfte in diesem Jahr nach England, Frankreich, Spanien und Australien, seine sechste in Ungarn nach 2007, 2008, 2012, 2013 sowie 2015.

Valtteri Bottas meinte: «Ich dachte, ich hätte die Pole schon im Sack, dann hat Lewis noch einen draufgesetzt. Für ihn war das Timing perfekt, für uns als Team ist es ideal gelaufen.»

Kimi Räikkönen als Drittschnellster sagte: «Das war nicht ideal, aber der Wagen war auch auf nasser Bahn gut zu fahren. Wir wechselten zu spät die Reifen, zudem lag ich hinter einem Haas-Renner und konnte in der Gischt nicht sehen. Morgen ist ein anderer Tag.»

Anthony Davidson: «Lewis hat alles richtig gemacht, das Timing war perfekt. Wer zu lange auf der Bahn war, verlor zusehens Haftung. Richtig war, einen neuen Satz Regenreifen zu holen und es nochmals zu versuchen.»

GP-Sieger Johnny Herbert: «Auf trockener Bahn hatte Mercedes gegen Ferrari kein Brot. Auf nasser Bahn haben sich ihre Chance eiskalt genutzt.»

Mercedes-Teamchef Toto Wolff: «Wir waren heute die Glücklichen bei diesem Wetter. Keiner weiss, wie es sonst gelaufen wäre. Auf Regenreifen hatten wir das beste Auto. Aber für Sonntag bleibt die Sorge – wir verlieren auch hier auf den Geraden fast eine halbe Sekunde. Der Ferrari ist das beste Paket, und das ist er nicht nur wegen des guten Motors. Wir müssen zurückschlagen.»

Was passiert im Rennen? Toto Wolff: «Wenn es trocken ist, dann müssen wir am Start vorne bleiben. Das ist nicht einfach, weil die Ferrari toll starten und die Anfahrt zur ersten Kurve lang ist. Wenn wir es schaffen vorne zu bleiben, dann wird es spannend.»

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