Formel 1

History: «British Racing Green» – ruhe in Frieden

Von - 27.12.2018 18:40

SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Die klassischen Rennfarben werden nur noch von Ferrari und Mercedes getragen, «British Racing Green» ist verblüht.

 In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal schreibt Daniel Wildknecht aus Olten: «Ich will jetzt nicht wie ein Ewiggestriger klingen, aber die Landesfarben von früher hatten schon was für sich. Heute haben wir ja nur noch Ferrari im klassischen Rot und die Mercedes-Silberpfeile. Immerhin fährt McLaren wieder in Papaya-Orange. Dafür ist wohl das «british racing green» für immer verloren. Könnt Ihr erklären, welche Farben für welche Länder galten, und wer eigentlich damals auf die Idee des Briten-Grüns gekommen ist?

Spezifische Farben für bestimmten Nationen, da müssen wir bis zum Gordon Bennett Cup zurückblättern, der von 1900 bis 1905 ausgetragen wurde – ein jährlich ausgetragenes Rennen für Länder-Teams. Die Siegernation sollte das jeweils im Jahr darauffolgende Rennen austragen.

Nationen wie Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, die USA und einige mehr durften jeweils drei Fahrzeug an den Start bringen. Viele Autos waren zunächst grau. Die Fans beklagten sich, dass die Fahrzeuge nicht richtig zuzuordnen seien. Also wählten die Nationen verschiedene Farben.

Was heute kaum jemand noch weiss: Zunächst wählte die USA die Farbe rot! Nach jahrelangem Protest der Italiener wurde gewechselt, Italien erhielt Rot, die USA stellten um auf Weiss mit blauen Streifen. Deutsche Renner traten jahrelang in Weiss an, später in Silber.

Für die Briten war Grün die naheliegende Wahl. 1902 hatte sich Selwyn Edge (Napier) den Cup geholt. Weil aber ein Autorennen in England nicht erlaubt wurde, wichen die Organisatoren auf das rennfreundlichere Irland aus. Die grüne Insel, daher grüne Rennwagen, so einfach ist das.

Oder doch nicht?

Der englische Rennhistorik-Experte David Venables vertieft das Thema: «Die meisten Fans identifizieren «British Racing Green» mit dem Lotus von Jim Clark oder den Le-Mans-Siegerautos von Bentley und Jaguar. Die Wahrheit aber ist – eine ganz bestimmte Schattierung gibt es nicht.»

Die Grundfarbe geht vielmehr auf Charles Jarrott zurück – und das erste Rennauto im Renngrün war mitnichten ein britisches, sondern ein französisches! Charles Jarrott wurde vom französischen Automobil-Hersteller Panhard als Rennfahrer verpflichtet. Als Jarrott ins Pariser Werk kam, musste ihm mitgeteilt warden, dass er Startnummer 13 erhalten hatte. Die 13 galt schon damals nicht unbedingt als Glücksbringer. Um den Briten etwas zu besänftigen, lackierten die Franzosen den Rennwagen in Grün, einer Farbe, die in Frankreich Glück bringen soll (in anderen Ländern steht sie als Farbe der Hoffnung).

Jarrott wurde Zehnter, ein Unfall, bei dem sein Mechaniker aus dem Wagen geschleudert wurde, endete glimpflich. Vielleicht hatte das Grün ja doch etwas bewirkt.

Beim gleichen Rennen ein Jahr später trat der englische Hersteller Napier mit olive-grünen Rennwagen an. Einigen Quellen zufolge war Jarrott der Impulsgeber dafür, aber damals wurden viele Napier-Autos in dieser Farbe ausgeliefert. S.F. Edge gewann, damit sicherten sich die Briten – gemäss Reglement der Bennett-Trophy – das Recht, das Rennen im folgenden Jahr auszutragen.

Da Motorsport in England untersagt war, wichen die Briten auf Irland aus. Grossbritannien wurde dabei erneut von Napier repräsentiert, dieses Mal mit drei Smaragd-grünen Rennwagen. Viele sahen das auch als Knicks vor dem traditionellen Grün der Irländer. Bei der 1903er Ausgabe wurde den verschiedenen Landesvertretern erstmals Farben zugeordnet, obschon das nicht im Reglement verankert war – grün den Briten, weiss den Deutschen (ein Mercedes, mit dem Belgier Camille Jenatzy siegte), blau den Franzosen. 

Damit war der Weg vorgegeben: Autohersteller aus England brachten ihre Renner künftig (nicht immer, aber immer öfter) in Grün zu den Veranstaltungen – Sunbeam, Bentley, Vauxhall, Aston Martin, Jaguar, Lotus. Eine entsprechende Vorschrift gab es aber nicht.

In jüngerer Vergangenheit haben einige Briten die unterschiedlichen Schattierungen von «British Racing Green» bewahrt: Bentley (mit dem Le-Mans-Sieg 2003), Jaguar (von 2000 bis 2004 erfolglos in der Formel 1) sowie Caterham (zuvor Team Lotus), der englische GP-Rennstall von AirAsia-Flugunternehmer Tony Fernandes aus Malaysia. Ende 2014 war Caterham pleite und Renngrün verschwand aus der Formel 1.

Klassische Rennfarben

Italien: Rot
Grossbritannien: Grün
Deutschland: Weiss, später Silber
Belgien: Gelb
Frankreich: Blau
Niederlande: Orange
USA: Weiss, dann Weiss mit blauen Streifen, später auch Blau mit weissen Streifen
Schweiz: Rot mit weisser Motorhaube
Irland: Grün-Orange
Spanien: Rot mit gelber Motorhaube
Schweden: Blau-Gelb
Südafrika: Gold mit grüner Motorhaube
Brasilien: Hellgelb mit grünen Felgen
Japan: Weiss mit roter Sonne
Argentinien: Blau mit gelber Motorhaube
Australien: Grün mit goldener Motorhaube

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Jim Clark mit seinem Lotus 25 in Monaco 1963 © LAT Jim Clark mit seinem Lotus 25 in Monaco 1963 Mit diesem Auto gewann Bentley bei den 24 Stunden von Le Mans 1929 © LAT Mit diesem Auto gewann Bentley bei den 24 Stunden von Le Mans 1929 Tony Brooks mit seinem Vanwall in Spa-Francorchamps 1958 © LAT Tony Brooks mit seinem Vanwall in Spa-Francorchamps 1958 Bentley gewann 2003 erneut in Le Mans © LAT Bentley gewann 2003 erneut in Le Mans So trat Jaguar 2001 in der Formel 1 auf © LAT So trat Jaguar 2001 in der Formel 1 auf Caterham 2014: Das letzte GP-Auto in Grün © LAT Caterham 2014: Das letzte GP-Auto in Grün
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