Spinnen die Briten? Lewis Hamilton wird ignoriert

Von Mathias Brunner
Formel 1
Gordon Murray inmitten seiner Kreationen

Gordon Murray inmitten seiner Kreationen

​«Die spinnen, die Briten», sagte Comics-Ikone Asterix jeweils. Und in Sachen «New Years Honours List» trifft das durchaus zu – auch fünf WM-Titel reichen offenbar nicht, um Lewis Hamilton zu würdigen.

In Grossbritannien wird Ende Dezember die so genannte «New Years Honours List» veröffentlicht, das ist die Liste jener Menschen, die im darauffolgenden Jahr geehrt werden. Viele Briten waren ganz sicher: Nach seinem fünften WM-Titel würde Lewis Hamilton in seiner Heimat Grossbritannien gewiss zum Ritter geschlagen. Aber daraus wird nichts.

Der 72jährige Südafrikaner Gordon Murray wird mit einem CBE (Commander of the British Empire) ausgezeichnet, für seine Verdienste in der motorisierten Welt. Murray kam Ende der 60er Jahre nach England, wurde blutjung zum Chefdesigner jenes Brabham-Rennstalls, den Bernie Ecclestone eben gekauft hatte. Mit Brabham und Nelson Piquet wurde Murray 1981 und 1983 Weltmeister, zuvor baute er eines der faszinierendsten GP-Autos, den Staubsauger-Brabham BT46B von 1978, der nach einem einzigen Einsatz verboten wurde. Später wechselte Murray zu McLaren, wo es drei WM-Titel in Folge zu feiern gab (1988 bis 1990). Danach entwarf Gordon den McLaren-Sportwagen, der 1995 sogar die 24 Stunden von Le Mans gewann. 2005 gründete Gordon Murray eine eigene Firma (Gordon Murray Design).

Die so genannte «New Years Honours List» ist am 28. Dezember 2018 veröffentlicht worden, 1148 Menschen werden für die vielfältigsten Verdienste gewürdigt, die Liste ist mehr als 100 Seiten lang, aber von Lewis Hamilton ist weit uns breit nichts zu sehen.

Viele Fans in Grossbritannien sind baff. «Was bitteschön muss ein Rennfahrer denn für sein Land noch alles leisten, um zum Ritter geschlagen zu werden?» fragen sie in den sozialen Netzwerken. «Ist Hamilton eines Ritters unwürdig?»

So bleibt es für Lewis Hamilton bislang beim MBE (Member of the British Empire), den er nach seinem ersten WM-Titel 2008 erhielt. Die Fans sollten sich nicht wundern, dass Racer verschmäht werden: Die im März 2017 verstorbene Zwei- und Vierrad-Legende John Surtees hat nie den Ritterschlag erhalten, und auch Ron Dennis nicht, der McLaren zum zweiterfolgreichsten Formel-1-Rennstall gemacht hat.

Mit Spannung warten viele Briten auf die Tage vor dem Jahreswechsel – wenn das Königshaus jeweils verkündet, wer mit Auszeichnungen rechnen darf. Die Liste ist jedes Jahr Gegenstand hitziger Diskussionen. Königin Elizabeth II. ehrt Persönlichkeiten mit Verdienstorden, jeweils zu Neujahr und zur Geburtstagsfeier im Juni. Der «Most Excellent Order of the British Empire» wurde erstmals 1917 von König Georg V. gestiftet. Der jüngste der britischen Ritterorden wird in fünf Stufen vergeben: vom niedrigsten (Member of the British Empire, MBE), über den «Officer of the British Empire» (OBE) und den «Commander of the British Empire» (CBE) bis zum «Knight Commander» (oder «Dame Commander») sowie dem «Knight Grand Cross» (oder «Dame Grand Cross»). Nur die beiden letzten Kategorien kommen der Erhebung in den Adelsstand gleich und die Träger dürfen sich fortan «Sir» oder «Dame» nennen.

Mit 39 Jahren wurde 2013 Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner einer der jüngsten Vertreter aus der Formel 1, welche für den «Order of the British Empire» (OBE) nominiert wurden. Unter Horner war Red Bull Racing vier Mal in Folge als Team und auch mit dem Star-Piloten Sebastian Vettel Weltmeister geworden. Wie die meisten Ehrenzeichen des Königreichs wird der OBE gemäss einer Nominierung durch den Premierminister vergeben, obschon jedermann einen Vorschlag an die Regierung einreichen kann, wer geehrt werden soll.

Zum Sir wurden in den vergangenen Jahren unter anderen ernannt – Jack Brabham, Frank Williams und Patrick Head, Jackie Stewart und Stirling Moss; zum «Commander of the British Empire» (CBE) Colin Chapman, Nigel Mansell, John Cooper, Robin Herd, David Richard und Ron Dennis; zum OBE Adrian Newey, Ross Brawn, Jim Clark, Graham Hill, John Surtees, Damon Hill, Alain Prost (einer der seltenen Ausländer), Keith Duckworth, Professor Sid Watkins, Malcolm Wilson und Murray Walker; zum MBE (Member of the British Empire) schliesslich Lewis Hamilton, Jenson Button, David Coulthard, Derek Bell oder John Watson.

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