Formel 1

Toro Rosso: Suche nach nächstem Vettel und Verstappen

Von - 11.02.2019 13:24

​Sinn und Zweck der Scuderia Toro Rosso: Das Ausbilden junger Formel-1-Fahrer, um sie für Red Bull Racing zu Siegfahrern und WM-Anwärtern reifen zu lassen. Das hat einige Male sehr gut geklappt.

Im Rahmen des Nachwuchs-Programms von Red Bull kommt der Scuderia Toro Rosso eine elementare Rolle zu: Im Rennstall aus Faenza sollen begabte, junge Piloten auf den Einsatz bei Red Bull Racing vorbereitet werden, wo sie eines Tages im Idealfall um Siege und Titel kämpfen. Bei Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Max Verstappen hat das wunderbar geklappt, bei anderen Fahrern weniger.

2018 kam Toro Rosso noch eine andere, wichtige Rolle zu: Der Rennstall war rollendes Labor, wie Teamchef Franz Tost offen zugibt. «Honda hat im vergangenen Jahr sowohl die Standfestigkeit als auch die Leistung der Antriebseinheit merklich verbessert. Die Saison war für Toro Rosso und Honda ein Entwicklungsjahr, man könnte durchaus sagen – wir waren Versuchskaninchen. Gewinnt Red Bull Racing mit Honda, dann ist diese Rechnung voll aufgegangen.»

Der 63jährige Tiroler war sich immer im Klaren darüber, dass Honda auf dem Weg zurück an die Spitze Rückschläge erleiden würde. «Wenn wir wissen, dass wir dadurch die Entwicklung beschleunigen können, dann werden wir auch weiterhin Risiken eingehen – wenn das dabei hilft, dass Red Bull Racing um Siege und letztlich um den Titel mitreden kann, dann müssen wir doch nicht darüber diskutieren, ob wir das machen. Wenn wir die Leistungsfähigkeit auf diese Weise steigern können, dann profitieren auch wir selber.»

WM-Rang 9 in der Saison 2018 ging vorwiegend auf die Experimente mit Honda zurück sowie auf zu wenig konstante Leistungen des Chassis. Franz Tost: «Wir waren mit der Leistungsfähigkeit des STR13 in mittelschnellen und schnellen Passagen nicht zufrieden.»

Der Wagen zeigte einige Male, was im Chassis steckt – Pierre Gasly wurde in Bahrain sensationeller Vierter, dazu Sechster in Ungarn und Siebter in Monaco. Das Potenzial für regelmässige Top-10-Platzierungen war gegeben. Nur konnte das zu wenig oft umgesetzt werden.

Die Scuderia Toro Rosso ging aus dem von Red Bull Ende 2005 erworbenen Minardi-Rennstall hervor, der 1985 in der Formel 1 debütiert hatte. Das Team von Giancarlo Minardi und später Paul Stoddart kam in 340 Rennen auf insgesamt 38 WM-Punkte. 1991 konnte der siebte Platz im Konstrukteurspokal an Land gezogen werden. Minardi war immer der sympathische Underdog im Feld, dem die Herzen der Fans zuflogen. Gemessen daran, wie viele Rennställe von 1985 bis 2005 zusperren mussten, verdient die Truppe aus Faenza für ihre Hartnäckigkeit viel Applaus.

Toro Rosso erzielte seit 2006 415 WM-Punkte in 247 Rennen, Höhepunkt war der Start-Ziel-Sieg von der Pole-Position von Sebastian Vettel, 2008 in Monza.

Toro Rosso errang im gleichen Jahr das beste Ergebnis in der Markenwertung, mit dem sechsten Schlussrang. Den verlor die Scuderia 2017 erst im Finale von Abu Dhabi, am Ende wurde Toro Rosso zum vierten Mal in Folge WM-Siebter. 2008 konnte sich Vettel auch den besten WM-Schlussrang eines Toro-Rosso-Fahrers sichern, der Heppenheimer wurde WM-Achter.

Mit Neuling Alexander Albon kommt Toro Rosso auf vierzehn Fahrer, die ihm Grand-Prix-Einsatz stehen – nach Scott Speed (2006 und 2007), Tonio Liuzzi (2006 und 2007), Sebastian Vettel (2007 und 2008), Sébastien Bourdais (2008 und 2009), Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari (beide 2009 bis 2011), Daniel Ricciardo (2012 und 2013), Jean-Eric Vergne (2012 bis 2014), Daniil Kvyat (2014, 2016/2017), Max Verstappen (2015/2016) und Carlos Sainz (2015–2017), Pierre Gasly (2017/2018) sowie Brendon Hartley (2017/2018).

Toro Rosso trat mit vier Motorpartnern an: mit einem Cosworth-V10-Dreiliter 2006, mit einem 2,4-Liter-V8 von Ferrari von 2007 bis 2013, mit dem V6-Turbo von Renault 2014 bis 2017 sowie mit dem 1,6-Liter-Turbomotor von Honda seit 2018.

In dieser Zeit wurde mit drei Reifenfirmen zusammengearbeitet: mit Michelin 2006, mit Bridgestone von 2007 bis Ende 2010 und mit Pirelli (seit 2011).

Viel Erfahrung im Kindergarten

Toro Rosso hat vorwiegend mit jungen Piloten gearbeitet, die moderne Formel 1 wird von Teamchef Franz Tost zärtlich «ein wenig Kindergarten» genannt.

Der Tiroler vertieft: «Diese Fahrer sind nicht so reif wie die Fahrer vor zehn oder zwanzig Jahren. Sie kommen sehr jung in den GP-Sport, mit 18 und 19 Jahren. Sie haben in ihrer Jugend nichts Anderes gemacht als Rennen gefahren, im Kartsport oder in Nachwuchsklassen. Aber die Formel 1 ist ein anderes Niveau. Und das geht übers reine Fahren weit hinaus. Das Fahren ist für diese jungen Piloten an ihrem Job noch das Einfachste. Das können sie packen. Aber das ganze Drumherum, angefangen bei der Arbeit mit den Technikern, das ist etwas ganz Anderes.»

«Vor der Formel 1 haben sie vielleicht mit einem Ingenieur gearbeitet. Jetzt haben sie auf einmal einen Spezialisten für das Chassis, einen für die Datenerfassung des Autos, einen für den Motor, einen für die Datenerfassung der Antriebseinheit, einen für die Aerodynamik und so weiter. Das ist ein enormes Arbeitsvolumen.»

«Und dann ist da die Medienarbeit. Sie müssen unheimlich viele Interviews geben, und sie sollten sich dabei gut überlegen, was sie sagen. Das vergessen sie bisweilen, das ist gut für die Medien und nicht so gut für den Zitierten. Dazu kommen die ganzen sozialen Netzwerke, und einige Piloten sind – und das sage ich absichtlich so hart – blöd, weil sie alles von sich preisgeben.»

«Die ganze Arbeit für Medien und Marketing, das kostet viel Kraft. Das ist für einen routinierten Piloten ganz anders. Der spult seine Interviews herunter, er weiss exakt, was er sagen kann, er ist locker. Ein junger Pilot ist nervös, er muss gut nachdenken, das verbraucht Energie, eine Energie, die er auf der Rennstrecke haben müsste. Es ist unsere Aufgabe, die jungen Piloten entsprechend zu führen.»

«Wenn die jungen Fahrer nicht richtig geleitet werden, dann wird es schwierig. Dies ist auch der Grund, warum ich mit diesen Jungs besonders zu Beginn einer Saison oft an einem Tisch sitze. Man muss sich das vorstellen: Sie fliegen um die halbe Welt nach Australien, sie haben das Land noch nie gesehen, sie kennen die Piste nur aus dem Fernseher, es ist ihr erstes Rennen, der Jetlag nagt an ihnen. Wir müssen sie so gut es geht auf all dies vorbereiten.»

«Ich sage den Piloten oft: „Es ist eines, in die Formel 1 zu kommen. Aber dort aus sportlicher Sicht zu überleben, das ist etwas ganz Anderes.“ Also sind wir gefordert. Auch die Fahrer müssen hart an sich arbeiten. Wenn diese tiefe Leidenschaft für die Formel 1 nicht in einem Piloten schlummert, dann wird er keinen Erfolg haben. So einfach ist das.»

Formel 1 2019

Team-Präsentationen, Roll-out, Filmtage
11. Februar: Toro Rosso (online)
11. Februar: Williams (online), Look
12. Februar: Renault (Enstone)
13. Februar: Force India (Toronto), Look
13. Februar: Mercedes-Benz (Silverstone)
13. Februar: Red Bull Racing
14. Februar: Sauber (Fiorano), Roll-out
14. Februar: McLaren (Woking)
15. Februar: Ferrari (Maranello, online)
15. Februar: Haas (Barcelona), Roll-out
17. Februar: Ferrari (Barcelona), Filmtag
18. Februar: Sauber (Barcelona)

Wintertestfahrten
18. bis 21. Februar: Wintertest 1, Barcelona
26. Februar bis 1. März: Wintertest 2, Barcelona

Saison 2019
17. März: Australien, Melbourne
31. März: Bahrain, Sakhir
14. April: China, Shanghai
28. April: Aserbaidschan, Baku
12. Mai: Spanien, Barcelona
26. Mai: Monaco, Monte Carlo
9. Juni: Kanada, Montreal
23. Juni: Frankreich, Le Castellet
30. Juni: Österreich, Spielberg
14. Juli: Grossbritannien, Silverstone
28. Juli: Deutschland, Hockenheim
4. August: Ungarn, Budapest
1. September: Belgien, Francorchamps
8. September: Italien, Monza
22. September: Singapur, Singapur
29. September: Russland, Sotschi
13. Oktober: Japan, Suzuka
27. Oktober: Mexiko, Mexiko-Stadt
3. November: USA, Austin
17. November: Brasilien, São Paulo
1. Dezember: Abu Dhabi, Yas Marina

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Teamchef Franz Tost © Red Bull Teamchef Franz Tost Sebastian Vettel 2008 in Monza © LAT Sebastian Vettel 2008 in Monza
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