Sebastian Vettel (Ferrari/1.): «Der beste erste Tag!»

Von Mathias Brunner
​Ferrari zeigt einen Raketenstart in die neue Saison: Sebastian Vettel fährt Bestzeit am ersten Testttag auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya. Wie der Heppenheimer seine eigene Leistung einschätzt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff erlaubte sich einen kleinen Scherz. Auf die Frage eines Journalisten, was der Wiener zum grossen Vorsprung von Ferrari an diesem ersten Wintertesttag meine, schmunzelte Wolff: «Und wie viele Wintertests haben Sie jetzt schon gemacht?» Freie Übersetzung: Jetzt mal halb lang, das ist der erste Schritt einer langen Reise, und schon am Ende der Tests, dann in Australien oder zu Beginn der europäischen Grands Prix kann das alles ganz anders aussehen, ganz zu schweigen von der späteren Saisonentwicklung, wie wir oft genug erlebt haben.

Aber eines lässt sich auch für Wolff nicht wegreden: «Klar habe ich die Zeit von Sebastian Vettel und Ferrari gesehen, und die ist sauschnell. Ferrari ist bärenstark.» Das gründet in einer beneidenswerten Balance des Ferrari SF90, der hier auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya wie auf Schienen um die Ecken zischt. Kein Auto liegt derzeit so gut auf der Strasse. Gewiss, für die Bestzeit am ersten Barcelona-Testtag gibt es keine Punkte und keine Prämien, aber mindestens als Moral-Turbo ist das nicht zu verachten.

Zudem ist es Mercedes vielleicht gar nicht so unangehm, wenn die Rolle des Favoriten für Australien ein wenig nach Süden verschoben wird. Das gehört zu den psychologischen Spielchen vor einem Saisonbeginn. Es war ebenso absehbar, dass der vierfache Formel-1-Champion Sebastian Vettel diese Bestzeit herunterspielen würde.

Prompt sagt der 52fache Grand-Prix-Sieger am Abend des ersten Testtags: «Besser hätte es nicht laufen können. Es war unglaublich! Das Auto hat tadellos funktioniert. Wir haben sogar über das geplante Programm hinaus arbeiten können. Schon am Filmtag lief alles glatt, der Wagen hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Ich selber hingegen bin noch ein wenig eingerostet! Aber ich habe genug Runden gefahren, um heute Nacht tief zu geschlafen. Es war schön, wieder am Lenkrad zu sitzen. Auch wenn ich nach so vielen Runden heute ein wenig müde bin.»

«Ich hatte keine Erwartungen, was diesen Tag angeht. Das ist immer das Beste. Ich wollte auch mir selber Zeit lassen, wieder in die Arbeit reinzukommen. Aber lange hat das nicht gedauert. Die Bestzeit ist vor allem ein Kompliment ans ganze Team. Was hier auf die Räder gestellt worden ist, das kommt der Perfektion schon ziemlich nahe.»

«Die WM? (Seb lacht.) Wir haben ja erst einen Testtag hinter uns. Wir kommen unserem Ziel jedes Jahr etwas näher. In diesem Jahr wollen wir viele Rennen gewinnen, und dann sollten wir in der Position sein, ein Wörtchen um den Titel mitzureden. Wenn ich dabei so viel Spass habe wie heute, dann freue ich mich sehr.»

Über seinen Stallgefährten Charles Leclerc meint Seb: «Er hat diesen Platz aus einem bestimmten Grund erhalten. Sein Talent ist unbestritten, ich hoffe, er bekommt auch von euch ein wenig Zeit. Ich erwarte von ihm keine Probleme. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit. Ich bin länger da, aber ich teile seine Begeisterung, ein rotes Auto fahren zu können.»

Der Deutsche meint über sein Auto: «Der Frontflügel ist ziemlich hässlich! Er ist für mich zu breit. Das hatten wir doch schon mal. Der Rest des Autos ist hübsch. Zum Fahren ist er besser als optisch. Ich spüre jetzt keinen grossen Unterschied zu 2018. Der Vergleich zu 2018 ist aber schwierig, weil es vor einem Jahr sehr kühl war und weil das Auto einfach ein anderes ist. Ich kann den 2019er Ferrari hinschmeissen, wo ich will, alle Rückmeldungen stimmen. Am Limit fährt der Wagen an zu rutschen, vorne wie hinten, dann geht es darum, das Auto besser zu verstehen.»

«Wir haben ein eingespieltes Team. Für Mattia Binotto ist der Posten des Teamchefs eine grosse Herausforderung, aber die Truppe ist ja die gleiche. Alle kommen mit einem Lächeln zur Arbeit, die Stimmung im Werk stimmt, und diese Bestzeit heute wird das Lächeln noch ein wenig breiter gemacht haben.»

«Wenn ich zehn Jahre zurückschaue, dann ist ein erster Tag etwas ganz Anderes. Früher hat man eine Runde gefahren und dann mal geschaut, wo es qualmt. Heute sitzt du rein, und es wird gefahren ohne Ende.»

«Wir dürfen alle diesen Tag sehr zufrieden beenden, das ist ein besonderer Tag. Der Wagen läuft und läuft und läuft. Das war der beste Auftakt, den ich je in der Formel 1 hatte. Das muss nichts heissen, aber es ist dennoch schön.»

Barcelona-Test, 1. Tag (18. Februar)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF90, 1:18,161 min (169 Runden)
2. Carlos Sainz (E), McLaren MCL34-Renault, 1:18,558 (119)
3. Romain Grosjean (F), Haas VF-19-Ferrari, 1:19,159 (62)
4. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB15-Honda, 1:19,426 (126)
5. Kimi Räikkönen (FIN), Alfa Romeo-Sauber C38-Ferrari, 1:19.462 (112)
6. Daniil Kvyat (RU), Toro Rosso STR14-Honda, 1:19,464 (74)
7. Sergio Pérez (MEX), Racing Point RP19-Mercedes, 1:19,944 (30)
8. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes-Benz W10 EQ Power+, 1:20,127 (69)
9. Lewis Hamilton (GB), Mercedes-Benz W10 EQ Power+, 1:20,135 (79)
10. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.19, 1:20,980 (65)
11. Daniel Ricciardo (AUS), Renault R.S.19, 1:20,983 (44)

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