Von Stallregie und anderen Dummheiten

Kolumne von Tom Hunter
Formel 1
So freut sich Roscoe auf Bahrain

So freut sich Roscoe auf Bahrain

Auch im Rennsport gilt: Reden ist nur Silber. In der Formel 1 gilt in diesen Tagen sogar: Reden ist Blech.

Schon mein Grossvater hat gesagt: «Wenn du nichts Gescheites zu sagen hast, dann halt den Mund.»

Leider halten sich im modernen Grand-Prix-Sport die Wenigsten an diesen klugen Grundsatz. Wobei ich immer das Gefühl habe: Je politisch korrekter, umso mehr Unsinn wird geredet. Willkommen im Zeitalter des inhalts- und intelligenzarmen Gelabers. (Tägliche Beispiele überall, wo Mobiltelefone gezückt werden.)

Der Grosse Preis von Malaysia bot reines Dynamit, und es war eine Freude, anschliessend über die Vorkommnisse in Sepang zu debattieren. Inzwischen ist scheinbar etwas Ruhe eingekehrt.

Scheinbar, weil der Unfrieden zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber weiter schwelt, das ist so sicher wie das nächste Eis am Stiel für Kimi Räikkönen.

Über Sinn oder Unsinn von Stallorder lässt es sich herrlich fachsimpeln, ich habe auch die Wortmeldungen vieler Leser mit Spannung verfolgt (wobei mir bei Speedweek Mathias Brunner Einiges übersetzen musste, mein Deutsch ist nicht das Beste).

Eines ist klar: Bei uns in Grossbritannien geniesst Mark Webber naheliegenderweise mehr Sympathien als im deutschsprachigen Raum, immerhin gehört Australien zum Commonwealth, da kennen wir keinen Spass.

Aber egal, wie unausgewogen die Aussagen britischer oder deutscher Fans sind – mir ist die Leidenschaft, die aus ihren Zeilen strömt, tausend Mal lieber als das Gefasel, was ich derzeit auf vielen Internetseiten von angeblich Prominenten vorgesetzt bekomme.

Einige Beispiele von «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold» gefällig?

Da wird Romain Grosjean darauf angesprochen, wie sich Lotus denn im Titelrennen halten könnte. Der Genfer antwortet: «Es hängt vom Geld ab, das wir haben. Geld ist der Schlüssel in der Formel 1.»

Ja, potzblitz, wer hätte das gedacht! Geld ist in der Formel 1 also elementar. Eine bahnbrechend neue Erkenntnis! Wer wäre nur auf so etwas gekommen?

Auf diese Binsenweisheit kann ich nur antworten: Wieviel Geld hat McLaren zur Verfügung? Und wie viel Force India? Wer war noch mal in Australien in Führung? Adrian Sutil oder Jenson Button? Eben.

Geld alleine kauft nicht Erfolg. Clever zu entwickeln, schon.

Apropos Force India: Da fordert Bob Fernley, der stellvertretende Teamchef der Inder aus Silverstone, die künftigen Turbo-Motoren dürften die derzeitige Ausgeglichenheit nicht stören.

Das ist gleich aus zwei Perspektiven Wortmüll.

Erstens hat noch jede Regel-Umwälzung das Gleichgewicht auf den Kopf gestellt. Das ist unvermeidlich und auch gut so. Und zweitens hat Force India ein Abkommen mit Mercedes getroffen, und ich verwette mein signiertes, nie wieder gewaschenes Nigel-Mansell-WM-T-Shirt (jaja, lachen Sie nur), dass die Deutschen für 2014 einen ganz und gar famosen Turbo-V6 bauen werden. Fernley kann also ruhig schlafen, und bei einigen seiner Aussagen wünschte ich, er würde das tatsächlich tun.

Was haben wir noch?

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hält fest, dass sich Fernando Alonso in China keinen Nuller leisten könne.

Das Gleiche könnte Christian Horner über Sebastian Vettel sagen oder Eric Boullier über Kimi Räikkönen. Also ist das austauschbar und irrelevant. Im Übrigen hatte der bärenstarke Fernando meines Wissens 2012 zwei Nuller und wurde trotzdem um ein Haar Weltmeister.

Was noch?

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone spricht davon, den künftigen Turbo-Motoren akustisch auf die Sprünge zu helfen. (Nein, es handelt sich offenbar nicht um einen verspäteten April-Scherz.)

Justin King, CEO der Supermarktkette Sainsbury, wird als Ecclestone-Nachfolger gehandelt. (Gratulation! Der 100. Spitzenmanager, der als Bernie-Erbe ins Gespräch gebracht wird ...)

Jacques Villeneuve kritisiert Sebastian Vettel. (Gibt es eigentlich auch jemanden, den Jacques Villeneuve nicht kritisiert? Ach ja, ich Dummerchen, Jacques Villeneuve natürlich.)

Mark Webbers Vater kritisiert Sebastian Vettel. (Gut, als Dad von Mark wäre ich auch emotional, aber was wird uns als nächste Enthüllung serviert? Sebastian Vettels Putzfrau kritisiert Mark Webber, vielleicht?)

Charles Pic beteuert, er bereue den Wechsel von Marussia zu Caterham nicht. (Ja, was soll der armen Franzose denn sonst sagen? Dass es ihm stinkt, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben?)

Jean-Eric Vergne hält fest, der China-GP werde ein klareres Bild des Kräfteverhältnisses in der Formel 1 erlauben. (Ich wage die kühne Vorhersage: Bahrain wird ein noch klareres Bild erlauben, und Barcelona ein schon fast glasklares.)

Da ist mir Lewis Hamilton noch fast am Liebsten: Er enthüllt auf Twitter, dass sein Hund Roscoe in Bahrain sein Debüt im Rahmen eines GP-Wochenendes geben werde. Endlich mal was Neues!

Der Ort des Debüts freilich ist nachvollziehbar: Nach China hätte ich den knuffigen Kerl auch nicht mitgenommen ...

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​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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