Amerikanisches Formel-1-Team: Nur ein Wunschtraum?

Von Lewis Franck
Formel 1
Gene Haas übt  schon mal den Vettel-Finger

Gene Haas übt schon mal den Vettel-Finger

Gene Haas glaubt, dass ein amerikanisches Team in der Formel 1 Erfolg haben könnte. Eine Absichtserklärung hat er bereits eingereicht. Vielleicht bleibt es dabei.

Für gerade mal 5.000 Dollar – in der Formel 1 ein unglaublich niedriger Preis – hat Gene Haas eine Absichtserklärung abgegeben, ein Team zu gründen. Das ist aber natürlich erst der erste Schritt. Haas gesteht, dass er die Beurteilungskriterien nicht kennt, aber wenn der Mitbesitzer des NASCAR-Teams Stewart-Haas Racing diesen ersten Schritt schafft, wird die nächste Gebühr, die er zu bezahlen hat, 125.000 Dollar sein.

Verglichen mit Jahresbudgets von 200 Millionen Dollar und mehr sind diese Summen natürlich nur Trinkgelder. Und was ist mit den Gründungsosten? Haas schwebt vor, einen Teil des Teams in den USA zu stationieren, um Kosten zu sparen. Ich glaube nicht, dass das machbar ist. Bei den Formel-1-Teams geht es heutzutage viel weniger um Wunschgedanken, als vielmehr darum, dass sie einen sicheren finanziellen Hintergrund haben und die traditionellen Methoden der Formel 1 anwenden. Leider gab es eine ähnliche Geschichte bereits mit dem totgeborenen US F1 Team und seinem Teamchef Ken Anderson.

Davor versuchte Pankse schon in den frühen 1970er Jahren, ein US-Team in der Formel 1 zu starten. Nach dem Tod von Mark Donohue verlor das Team aber den Mut und seinen Unterstützer Fred Stecher, der Geld von der First National City Bank mitgebracht hatte. Nachdem dieses Geld wegfiel, gab Penske auf. Danach gab es das kurzlebige Parnelli Jones Team mit Mario Andretti, das von Tabakherstellern gesponsert wurde. Nach nur zwei Jahren sperrte es jedoch zu, da es nicht genügend Sponsoren fand.

In den 1980er Jahren bekamen Carl Haas und der ehemalige Penske-Mann Teddy Mayer eine Menge Geld des Lebensmittel-Giganten Beatrice. Das Budget umfasste sowohl die Formel 1 als auch die IndyCars mit Spitzenfahrern wie Mario Andretti in der CART und Alan Jones in der Formel 1. Das Team hatte den nötigen finanziellen Hintergrund und erfahrenes Personal. Nachdem Beatrice-Geschäftsführer James Dutt seinen Posten nach einer «Palastrevolution» räumen musste und das Unternehmen seine Verträge übernahm, sperrte das Team kurz darauf zu.

Und was hatten alle US-Teams gemeinsam? Viel Geld von großen Unternehmen.

Haas, der nicht mit IndyCar-Teambesitzer Carl Haas zusammenhängt, besitzt angeblich ein Vermögen von mehr als 700 Millionen Dollar. Für den Anfang würde er das Team selbst finanzieren. Dabei wäre es aber mit den 200 Millionen pro Jahr nicht getan. Er müsste die nötigen Einrichtungen bauen und Autos komplett neu entwerfen und bauen. Sogar Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ist skeptisch.

«Haas redet bereits seit drei Jahren darüber», wird Eccelstone von der Formel-1-Business-Journalistin Caroline Reid zitiert. «Jemand kann 10 Milliarden auf der Bank haben, das bedeutet aber noch lange nicht, dass er die auch ausgeben wird.»

Haas besitzt zwar auch Haas CNC, einen führenden Werkzeughersteller in den USA, internationale Erfahrung fehlt ihm bisher aber Haas sagt, dass er es so verstanden hat, dass die Formel 1 neue Teams mit einer Zukunft haben möchte.

Und genau deshalb wird der Traum nicht funktionieren. Solange er keinen internationalen Unternehmenspartner findet, ist das alles nur reine Spekulation.

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