Ross Brawn beteuert: Kein Benetton-Betrug 1994

Von Rob La Salle
Formel 1
Ross Brawn 1994 mit Michael Schumacher

Ross Brawn 1994 mit Michael Schumacher

Die Saison 1994 wurde vom Tod der Formel-1-Legende Ayrton Senna und des Österreichers Roland Ratzenberger in Imola überschattet. Und dann war da noch der erste Titel von Michael Schumacher.

«Er hatte schon immer diesen Wunsch, das Team aufzubauen und anzutreiben. Einige unserer Leute, die vor 20 Jahren in kleineren Positionen gearbeitet haben, sind heute in leitender Funktion bei anderen Teams tätigt. Das zeigt, wie stark unsere Truppe damals war», erzählte Ross Brawn im Interview «auto motor und sport».

Doch der Titelgewinn wurde auch begleitet von Anfeindungen und Verdächtigungen gegen sein Benetton-Team. Benetton wurde zum Beispiel unterstellt, man habe eine illegale Traktionskontrolle, eine Startautomatik und einen flexiblen Unterboden an Bord gehabt. Für Brawn war es vor allem der «typische Verfolgungswahn, der dieses Geschäft befällt, sobald ein Auto schneller ist als die anderen».

Elektronikchef Tad Czapski hatte im Menü einige Unterprogramme gelassen, die Traktionskontrolle und Startautomatik unterstützt hätten. Allerdings seien es nur die Verweise auf derartige Programme gewesen. «Die eigentliche Software, die unter den Menüpunkten aufgerufen hätte werden sollen, existierte gar nicht mehr. Man hätte also überhaupt nicht auf diese Programme zugreifen können, selbst wenn man es gewollt hätte», so Brawn. Die FIA glaubte das, die Konkurrenz jedoch nicht.

Für Brawn vor allem deshalb, weil man sich den schnellen Benetton nicht erklären konnte. «Wir waren einfach das Opfer der großen Formel 1-Politik. Da war der kleine T-Shirt-Hersteller Benetton, der Ferrari, McLaren und Williams herausforderte. Diese Leute mussten sich rechtfertigen, warum wir sie schlagen konnten. Die einfachste Erklärung war, dass wir betrogen haben», so Brawn.

Dass 1994 vor allem ein politisches Jahr war, verdeutlichte die Strafe gegen Schumacher, als der die Schwarzen Flaggen ignorierte. «Das war ein komplettes Durcheinander», so Brawn. Schumacher hatte Damon Hill in der Formationsrunde überholt. «Zu der Zeit kam noch ein Funktionär persönlich an die Boxenmauer und überreichte uns die Entscheidung der Sportkommissare. Auf dem Blatt Papier stand, und ich erinnere mich noch heute daran: Zehn Strafsekunden.»

Die am Ende draufgerechnet werden, so die Annahme an der Benetton-Boxenmauer. Deshalb bekam Schumacher auch das Signal, Gas zu geben. Doch der bekam die Schwarze Flagge gezeigt. «Tom Walkinshaw lief zur Rennleitung und wollte wissen warum. Sie sagten ihm: Weil Michael nicht seine Stop-and-Go-Strafe abgesessen hat. Tom zeigte den Sportkommissaren den Zettel, wo etwas anderes draufstand. Sie haben ihren Fehler eingesehen und ihn gebeten, Michael für eine Stop-and-Go-Strafe reinzuholen. Das haben wir dann gemacht», so Brawn.

Doch FIA-Beobachter Herbie Blash schrieb einen Bericht, dass Benetton die schwarze Flagge ignoriert habe. Brawn räumte das Nichtbeachten als signifikanten Fehler ein, verteidigte das Verhalten des Teams aber auch. «Wir hätten den Sportkommissaren den Zettel gezeigt, die hätten ihren Fehler eingesehen, aber unser Rennen wäre kaputt gewesen. Was wir gemacht haben, war sicher falsch. Aber wir hatten unsere Gründe dafür», so Brawn.

Doch das Thema war noch nicht beendet. Die FIA verhängte eine Sperre von einem Rennen gegen Schumacher. Es wäre das Rennen in Hockenheim gewesen, einer Strecke, auf der Benetton sowieso nicht viel ausrichten konnte.

«Der Veranstalter und höhere Mächte aber bettelten uns an, in Berufung zu gehen. Sie hatten Angst, dass die Fans ihnen die Bude niederbrennen, wenn Michael bei seinem Heim-Grand Prix nicht fährt. Man versicherte uns, dass Michael unter Berufung fahren könne, und dass wir nichts Schlimmeres zu befürchten hätten. Wir haben uns darauf eingelassen. Mit dem Ergebnis, dass wir bei der Berufungsverhandlung für zwei Rennen gesperrt wurden. Das zeigt, wie politisch dieses Jahr war. Man wollte die WM mit Macht spannend halten», so Brawn.

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