Formel 1 wie Titanic? Stühlerücken bei Untergang

Von Mathias Brunner
Formel 1
Wieviele Autos stehen 2015 am Start?

Wieviele Autos stehen 2015 am Start?

Auch bei der jüngsten Sitzung der Strategiegruppe sind die Beteiligten punkto Kosteneinschränkung kaum weitergekommen. Das bringt Bob Fernley von Force India auf die Palme.

Marussia ist kollabiert, taucht aber wie Caterham weiter in der Formel-1-Meldeliste für die Saison 2015 auf. Keiner glaubt mehr an die Auferstehung des 2010 als Virgin Racing in den GP-Sport gestarteten Teams, das ab 2011 Marussia hiess. Die Insolvenzverwalter von Caterham verhandeln nach eigenen Angaben noch immer mit Investoren. Ein Einsatz in der WM 2015 ist noch möglich, aber die Zeit drängt.

Bei beiden Rennställen steht die Meldung «unter Vorbehalt» in der Liste. Mit einem solchen Sternchen ist jedoch auch der Lotus-Rennstall versehen. Welche Vorbehalte die FIA hat, darüber gibt der Autoverband unter dem Schutz der Vertraulichkeit keine Antwort. Lotus hat auf unsere Anfrage bislang keine Stellung genommen.

Das Sternchen der FIA nährt Gerüchte, wonach Lotus das nächste Team sein könnte, das unter dem Kostendruck in der Formel 1 zusammenbricht.

Fakt ist, dass sich bei der jüngsten Sitzung der Strategiegruppe in Sachen Kostenbremse nicht viel getan hat. FIA-Chef Jean Todt hat von den Motorenherstellern Vorschläge eingefordert, wie man die Kosten für die Antriebseinheiten auf ein erträgliches Mass senken könne. Angedacht sind standardisierte Teile (wie beispielsweise ein Batteriepaket).

Aber kommen diese Pläne zu spät, um ein weiteres Schrumpfen des Feldes zu verhindern?

Bob Fernley, der stellvertretende Teamchef von Force India, schimpft: «Die Formel 1 kommt mir vor, als würden die Matrosen auf der Titanic beim Untergang die Deckstühle etwas neu arrangieren. Es hat sich doch nichts geändert, wo wir an der Schwelle zum neuen Jahr stehen. Die Warnsignale sind noch immer die gleichen. Aber es tut sich so gut wie nichts.»

FIA-Chef Todt wehrt sich gegen den Vorwurf, der Misere tatenlos zuzuschauen. «Ich war beim vorletzten Treffen der Strategiegruppe der Einzige, der die Anzahl der produzierten Teile reduzieren wollte», sagte der Franzose gegenüber den Kollegen von «auto motor und sport». Lotus habe unter anderem auch dagegen gestimmt, beschwere sich heute aber über zu hohe Kosten.

Lotus-Teamchef Gérard Lopez verteidigt sich: «Wir waren gegen eine Budgetdeckelung, weil wir sie bei den Herstellern für nicht überprüfbar halten. Stattdessen wollten wir eine wirksame Ressourcenbeschränkung und Entwicklungsbremse. Und das wollte keiner.»

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