Fahrfehler, lächerliche Strafe – wieso kein Kiesbett?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Das Fahren neben der Bahn ist seit Jahren ein Thema, wie hier in Hockenheim 2012

Das Fahren neben der Bahn ist seit Jahren ein Thema, wie hier in Hockenheim 2012

SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Fahrer neben der Ideallinie, die Rennleitung zum Streichen von Quali-Zeiten gezwungen, lässt sich da keine bessere Lösung finden?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Hans-Peter Josef aus Berlin wissen: «Mir ist eine Frage zum Training in England eingefallen. Da hat die Rennleitung doch vielen Fahrern Rundenzeiten gestrichen, weil die in der Copse-Kurve neben der Bahn gefahren sind. Meine Frage – wieso verwendet man dort Asphalt und Kunstrasen und nicht wie früher ein Kiesbett? Mit Kies würden die Fahrer es tunlichst vermeiden, hinter dem Radstein fahren zu wollen!»

Vielen Traditionalisten unter den Formel-1-Fans ist das ein Dorn im Auge: Sie beobachten, wie immer mehr Auslaufzonen entlang von GP-Strecken mit einer Asphaltschicht belegt werden. Kleine Ausrutscher, so argumentieren Gegner dieser Lösung, werden nicht mehr bestraft. Früher, so finden sie, war mehr Präzision gefragt.

Der Belag neben der Bahn ist seit Jahren ein heisses Thema zwischen Charlie Whiting – dem Sicherheitsdelegierten, Starter und Rennchef der Formel 1 – und den Piloten. Die Fahrer reizen die Piste bis an die Grenzen aus, manchmal liegen sie auch darüber. In Copse wurde die Grenze so gezogen: wer kein Rad mehr auf dem Asphaltband der Strecke hat, der wird bestraft. Elf Mal wurde eine solche Strafe im Abschlusstraining ausgesprochen.

Daniel Ricciardo findet: «So lange man den Fahrer kein Hindernis in den Weg legt, werden auch weiterhin die Grenzen ausgereizt.»

Was die FIA an vielen Stellen probiert hat, dann aber wieder davon abgekommen ist: so genannte schlafenden Polizisten, also Schweller, die einen Wagen nachhaltig bremsen. Nur: kommt ein Wagen von der Bahn ab, können solche Schweller auch zur Sprungschanze werden oder zum Aufhängungsknacker, und das ist aus Sicherheitsgründen unerwünscht.

«Aber Sicherheit muss vorgehen», sagt Sky-TV-Experte Marc Surer. «Ich erinnere daran, wie Felipe Massa in Hockenheim 2014 kopfüber in die erste Kurve schlitterte. Früher, mit einem Kiesbett, hätte es da einen hässlichen mehrfachen Überschlag geben können. Im schlechtesten Falle gräbt sich der Wagen dann kopfüber in den Kies ein, das kann zu schlimmen Kopf- und Nackenverletzungen für den Piloten führen.»

Genau das ist der Grund, wieso auf vielen Strecken die Kiesbetten ersetzt worden sind – Charlie Whiting hält Auslaufzonen mit rutschfestem Belag in den meisten Fällen einfach für sicherer.

Nochmals Marc Surer: «Wenn ein Fahrer eine Kurve verhaut, deren Auslaufzone asphaltiert oder mit Kunstrasen versehen ist, dann kann er zwar in aller Wahrscheinlichkeit weiterfahren, aber die Rundenzeit ist ruiniert oder ein, oder zwei Plätze sind weg. Mir missfällt nur, wenn Auslaufzonen dazu genutzt werden, sich einen Vorteil zu verschaffen, doch zum Glück schauen hier die Rennkommissare ziemlich genau hin.»

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