Mercedes 2016: Erste Tests schon in Brasilien

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton in Brasilien mit veränderter Vorderachse

Lewis Hamilton in Brasilien mit veränderter Vorderachse

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Was genau probierte Mercedes am Wagen von Lewis Hamilton im Training zum Brasilien-GP aus?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Luca Fehr aus Basel wissen: «Mercedes hat doch im Training zum Brasilien-GP am Wagen von Lewis Hamilton einen so genannten S-duct ausprobiert. Oder doch nicht? Ich lese sehr Unterschiedliches über den in Interlagos gezeigten Wulst auf dem Cockpit. Wisst ihr da mehr?»

Ob es sich wirklich um einen S-duct gehalten hat oder nicht, war zu Beginn unklar – denn es gibt kein Bild von einem Lufteinlass unter dem Chassis. Nur eines von einem scheinbaren Luftauslass des aufs Monocoque gesetzten Wulstes. Aber das kann auch eine Finte sein.

Zudem: Wer einen S-duct einbauen will, muss die Fahrzeugnase unter Aufsicht von FIA-Technikern einem neuen Crash-Test unterziehen. Es gab aber gemäss Informationen aus FIA-Kreisen keinen neuen Crash-Test von Mercedes.

Wieso würde ein S-duct dennoch Sinn machen? Die Aerodynamiker streben damit einen Luftstrom an, der sich dichter an die Aussenhaut anschmiegt, und das wiederum verbessert die aerodynamische Effizienz. Pionier der Idee war Sauber, danach nutzte sie der geniale Adrian Newey beim Renner von Red Bull Racing.

Experten im Fahrerlager glauben jedoch, mit dem Argument des fehlenden Crash-Tests: Die Beule auf dem Cockpit wurde vielmehr angebracht, um den Luftstrom eines höher angesetzten Monococques zu messen und dem Piloten die Möglichkeit zu geben, die Sicht zu prüfen und Erkenntnisse über die neue Sitzposition zu gewinnen, samt geänderter Pedale. Und überdies um von einer geänderten Vorderradaufhängung abzulenken.

Eine neue Hydraulik soll im Silberpfeil die Funktion der seit Hockenheim 2014 verbotenen vernetzten Aufhängung simulieren (des so genannten FRIC, front and rear interconnected). Die geänderte Anordnung der Vorderradaufhängung zeigt sich auf unserem Foto in den kleinen Buckeln links und rechts vom angeblichen S-duct-Luftauslass.

Das Ziel der Aerodynamiker bei einem höher angeordneten Monocoque: Mehr Luft unters Auto bringen, das betont die Wirkungsweise des Unterbodens.

Fazit: Mercedes übt schon fleissig für 2016, es ist davon auszugehen, dass wir ein höher gesetztes Monocoque erleben werden. Aber nicht gezwungenermassen einen S-duct.

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