Mercedes-Crash: Der nicht mehr so nette Herr Rosberg

Von Andreas Reiners
Formel 1
Nico Rosberg

Nico Rosberg

Der Crash zwischen den beiden Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton wird immer noch kontrovers diskutiert. Unter dem Strich ist die Kollision ein deutliches Zeichen des Deutschen.

Nico Rosberg konnte die Diskussionen wahrscheinlich am Ende selbst nicht mehr hören. Zu weich sei er für den Titel. Zu lieb für den ganz großen Wurf. In der Tat gab es in der Vergangenheit einige Anzeichen dafür, dass sein Stallrivale Hamilton diesen einen, wichtigen Tick kompromissloser war als der Deutsche.

Bestes Beispiel war der US-GP im vergangenen Jahr, als Hamilton nach dem Start seinem Teamkollegen mit einem harten Manöver die Führung abjagte. Hamilton war besser weggekommen, die Vorderräder der Silberpfeile berührten sich, Rosberg wurde rausgedrängt. «Dass mich mein Teamkollege extra verhungern lässt und sogar so weit geht, dass er in mich reinfährt, ist ein Schritt zu weit», hatte Rosberg damals gemeckert.

Auch in Japan gab es nach dem Start eine heikle Situation, in der erneut Rosberg den Kürzeren zog. Weil er zurückzog. Es war also kein Wunder, dass Rosberg der Killer-Instinkt abgesprochen wurde. Diese kompromisslose Art, bis an die Grenze und darüber hinaus zu gehen. Auch gegen den eigenen Teamkollegen. Oder sogar erst recht gegen den Mann aus den eigenen Reihen.

Mit seinem Manöver in Barcelona, als er gegen Hamilton die Tür zumachte, zeigte Rosberg nun: Ich bin nicht mehr der nette Herr Rosberg, der artig zuschaut, wenn sich der Teamkollege rabiat Platz verschafft.

«Lewis kam näher und ich schloss die Tür auf der Innenseite, mit einem klaren, starken Manöver, um klarzustellen, dass da nichts geht. Ich war etwas überrascht, dass er trotzdem reingestochen ist», beschrieb Rosberg den Moment, als er wegen der falschen Motor-Einstellung zu wenig Power hatte und Hamilton überraschend schnell aufschloss.

Rosberg weiter: «Da kommt einer von hinten näher und ich mache innen die Tür zu, wie das jeder Rennfahrer macht, der seine Position verteidigen will. Ich mach's aber so, dass ich es früh genug und auch deutlich genug mache, dass auch klar ist, dass ich da hinfahre.» Beide gingen durch die anschließende Kollision leer aus. Eine Nullnummer, mit der der WM-Spitzenreiter zumindest etwas besser leben kann.

Einen Vergleich zum Crashgate in Spa vor zwei Jahren wollte Rosberg nicht ziehen. Damals waren beide kollidiert, die Schuld wurde Rosberg in die Schuhe geschoben. Motorsportchef Toto Wolff relativierte diesmal: «Ich bin der Meinung, dass es ein sehr unglücklicher Rennunfall war.»

Der Deutsche geriet im WM-Kampf damals komplett aus der Spur. Klar ist: Die Psychospielchen werden nun wieder intensiver werden. Rosberg wirkte nach dem Rennen angeschlagen, sprach davon, wie leer er sei, schließlich sei es sein Sieg gewesen: «Es ist das schlimmste Gefühl, das man als Fahrer durchmachen kann.»

Ein Zeichen setzte er trotzdem, denn Hamilton wusste bislang stets: Wenn ich vorbei will, zieht Rosberg zurück. Ein gewagtes Manöver wird sich der Brite beim nächsten Mal also möglicherweise nun zweimal überlegen.

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Mathias Brunner
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