Dominique Aegerter (KTM): «Habe den Kopf nicht frei»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Dominique Aegerter spricht offen über die Ursachen seiner schwachen Leistungen und zählt auf, wo er die Moto2-WM 2019 fahren könnte: MV Agusta, Pons, Martinez, Kiefer oder NTS.

Dominique Aegerter erlebt als aktueler WM-Siebzehnter die schwierigste GP-Saison seines Lebens. Nach elf Rennen hat der KTM-Pilot aus dem Kiefer Racing-Team erst 24 Punkte erobert. Dabei wollte er nach dem Umstieg auf KTM in diesem Jahr konstant in die Top-3 fahren und dann in die MotoGP-WM aufsteigen.

Über die Ursache der Leistungsschwäche rätselt der Schweizer, der 2017 den Misano-GP auf der Suter MMX2 im Regen gewann, den Sieg aber dann wegen illegaler Ölzusätze an Tom Lüthi verlor.

Fakt ist: Domi Aegerter hat ein kompliziertes Jahr hinter sich. Zuerst gab es beim Japan-GP 2017 den Rückschlag mit der Bekanntgabe des annullierten Misano-Siegs. Dann starb Teambesitzer Stefan Kiefer in der Nacht zum ersten Training Malaysia, vier Stunden nachdem der Verkauf des Teams an russische Investoren und den umstrittenen Briten David Pickworth vereinbart worden war.

Danach zog sich der Verkauf des Teams bis kurz vor Weihnachten hin. Schliesslich platzte der Deal, weil bei KTM die versprochene Anzahlung für das Material nie eintraf. Erst am 7. Januar vereinbarten Aegerter, sein Manager Dr. Robert Siegrist und Jochen Kiefer die Fortführung des Moto2-Teams. Aber mit nur einem Fahrer; Sandro Cortese musste in die Supersport-WM ausweichen.

Domi Aegerter verlor viel Energie mit der Sponsorensuche und mit dem Crowdfunding, das mehr als 320.000 Franken einbrachte.

Nach den ernüchternden Testergebnissen im Februar und März 2018 ging die Rennsaison mit weiteren Rückschlägen los. Immerhin reichte es in Las Termas und Austin zu einem achten und einem siebten Platz.

Danach folgte der Beckenbruch beim Offroad-Training, Aegerter musste auf Jerez und Le Mans verzichten, er wurde von Lukas Tulovic ersetzt.

In diesem Zeitraum kam es zur Trennung von Manager Siegrist, es gingen wieder Zukunftssorgen los, das Selbstvertrauen ließ zu wünschen übrig, auch nach einzelnen starken Trainingsleistungen lässt der Durchbruch bei den Rennen auf sich warten.

Dabei hatte Aegerter nach den drei Siegen von KTM im Oktober 2017 so große Hoffnungen auf das österreichische Fabrikat gesetzt.

Jetzt grübelt der 27-jährige Schweizer, ob er 2019 wieder einen Markenwechsel riskieren soll – zu MV Agusta oder NTS.
Zur Erinnerung: Aegerter gewann 2014 auf der Suter auf dem Sachsenring seinen bisher einzigen Grand Prix. 2015 und 2016 fuhr er auf Kalex und schaffte nur einen Podestplatz. 2017 wollte er unbedingt auf die Suter zurückkehren – an den Resultaten änderte sich aber nichts.

Für 2019 muss Aegerter fast überall Sponsorgeld mitbringen – bis zu 500.000 Euro. Nur beim Forward MV Agusta-Team könnte er kostenlos fahren.

«Ich habe mit Kalex und KTM gut Resultate erreicht», grübelt Aegerter. «Aber bei Forward MV Agusta ist die einzige Option, wo ich kein Geld mitbringen müsste.»

Domi, bei der Teamvereinigung IRTA ist zu hören, dass du ungefähr bei sieben Teams auf der Liste stehst. Wie schauen die Möglichkeiten für 2019 aus?

Mit Kiefer möchte ich natürlich weitermachen. Aber dort ist einfach kein Hauptsponsor da. Die anderen Optionen sind NTS, MV Agusta, Aspar Martinez, Pons oder bei Fred Corminboeuf. Und irgendwo hinten durch hofft Petronas-Sprinta-Team noch auf einen zweiten Teamplatz. Bisher haben sie nur einen, der ist mit Pawi besetzt.

Was spricht für Forward und MV Agusta? Du müsstest sich wieder an ein neues Motorrad gewöhnen? Der Gitterrohrstahlrahmen wird bei Suter gefertigt.

Das ist ein neues Projekt. Sie haben viel Erfahrung, sie sind von früher im Motorradsport sehr bekannt. 
Wir haben nächstes Jahr die neuen Triumph-Motoren und die neue Einheits-Elektronik von Magneti Marelli. Das würde vielleicht helfen, in eine gute Richtung zu arbeiten. Es kann sein, dass es sehr gut geht, es kann aber auch sein, dass es nicht gut geht.


Warum hat es bisher mit der KTM für dich nicht geklappt? Du warst auf dem Sachsenring im FP1 Bester, aber im Rennen hat nichts funktioniert. Du hast in den letzten sechs Rennen nur acht Punkte gesammelt.


Ja, auch im Brünn-Qualifying war ich als Neunter in den Top-Ten. Da hatte ich nur 0,276 sec Rückstand. 

Ja, was soll ich sagen? Ich weiß sicher noch immer, wie man Motorrad fährt. Aber ich habs’s in diesem Jahr nie richtig auf die Reihe gekriegt, mit meinem Motorrad, mit meinem mentalen Bereich und mit dem Team, dass es dann auch im Rennen geklappt hat.


Du bist sicher an deine Belastungsgrenze gestoßen nach den Vorkommnissen der letzten elf Monate: Misano-Annullierung, Tod von Stefan Kiefer, geplatzter Teamverkauf, Sponsorsuche, Crowd Funding, Trennung vom Manager, für den du noch keinen Nachfolger gefunden hast. Du tanzt auf vielen Hochzeiten, du bist bei einem Bergrennen, in der kurzen Sommerpause bist in Suzuka gefahren, du machst Racing for Fun, usw. Fühlst du nicht manchmal erschöpft, wenn du zu einem Grand Prix kommst?


Hm. Es ist ganz klar zu viel gewesen. Das ist so. 
Ich bin gern mit den Fans, ich bin viel unterwegs, ich mache viel. Das ist für mich auch zum Abschalten.

Rennen wie Suzuka werde ich immer beibehalten. Auch andere Sachen wie Motocross und Offroad-Training.

Die Arbeiten für das Crowd-Funding waren stressig, viel Organisation. Und natürlich wird alles schwerer, wenn die Leistungen bei den Rennen nicht stimmen.

Aber ich denke, daran liegt es nicht, dass ich den Kopf nicht frei habe. Das liegt eher daran, dass ich mich mit meinem Bruder Kevin für nächstes Jahr nach Angeboten umschauen muss. Ich muss danach trachten, dass meine Sponsoren happy sind und mit dem Team alles klappt. 


Die Sponsoren lassen sicht am Schnellsten mit besseren Ergebnissen zufriedenstellen.


Ja, ja, klar. Aber das haben wir nicht gehabt. Der Unfall kam noch dazu. darum ist es nicht einfach. Ich bin allein im Team, ich habe keine Daten zum Vergleichen. 


Bei der Teamvorstellung im Februar sagte Jochen Kiefer nach dem ersten KTM-Test: «Domi hat seine Komfortzone noch nicht verlassen.» Jetzt sind noch sieben Grand Prix zu fahren. Aber du landest immer noch manchmal im Training auf Platz 27.


Ja. Wir haben noch nie richtig das gefunden, was wir brauchen. 


Dazu kommt, dass ich den Kopf nicht frei habe. Manchmal fehlen zwei Zehntel, die mich zehn Plätze weiter nach vorne bringen würden. Das ist das Problem. Wir haben ab und zu gute Resultate zeigen können. Aber diese ein oder zwei Zehntel, die uns fehlen, die werfen dich schnell mal an die 20. oder 25. Stelle zurück.


Wenn du jetzt zurückschaust: Suter, Kalex, KTM – es bleiben nicht mehr viele Fabrikaten übrig. Nur noch Speed-up, MV und NTS. Wäre es nicht besser, ein zweites KTM-Jahr zu absolvieren. Das Bike ist ja siegfähig. Daten habt ihr jetzt auch.


Ja, das möchte ich schon. Aber wenn ich zu «Aspar» Martinez gehen will, muss ich eine halbe Million mitbringen. Mit so einem Betrag kann ich auch bei Kiefer bleiben. 
Die KTM ist sicher ein konkurrenzfähiges Motorrad. Diese Marke ist voll im Sport drin. Sie strengen sich an. Es wäre cool, bei KTM zu bleiben. 


Du hast dich vor knapp zwei Jahren von Fred Corminboeuf und dessen CGBM-Team getrennt. Du wurdest fristlos entlassen. Dort fehlen jetzt die großen Sponsoren. Kannst du dir nach dem Zerwürfnis von 2016 trotzdem eine Rückkehr vorstellen?


Ja, dort könnte ich auch mit einer halben Million hinkommen...

Keine Ahnung. Man hört, dass es offene Rechnungen gibt und das Geld knapp ist. Andererseits habe ich dort meine besten Moto2-Jahre erlebt.

Klar, jetzt fehlt das Geld von Olivier Métraux. Fred sagt, dass alles in Ordnung ist. Anderseits höre ich von hohen Schulden.

Ist bei Forward MV Agusta dir Türe nicht zugefallen? Fenati ist dort fix, Manzi soll bleiben.


Bisher ist nur Fenati unter Vertrag. Sonst bin ich noch mit Pons, Aspar, Kiefer und NTS im Gespräch.

Forward wäre wenigstens ein Team, bei dem ich kein Geld bringen müsste. Vielleicht. Zumindest bis die Saison anfängt oder so. Keine Ahnung. (Er lacht hellauf).

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