Alex Baumgärtel (Kalex): «Schade um die MotoGP-WM»

Von Günther Wiesinger
Moto2
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Kalex-Geschäftsführer Alex Baumgärtel bereut den Ausstieg aus der Moto3-WM nicht. Und dem MotoGP-Thema weint er auch keine Träne nach. «Wir wären chancenlos gewesen.»

Die Firma Kalex engineering aus Bobingen hat sich nach der überragenden Moto2-WM-Saison 2014 noch einmal gesteigert und in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in der mittleren Hubraumklasse noch deutlicher dominiert.

Kalex hat mit Zarco, Rins und Rabat die ersten drei WM-Ränge belegt und 17 von 18 WM-Rennen gewonnen. Nur Speed-up-Fahrer Sam Lowes pfuschte dem Unternehmen von Alex Baumgärtel und Klaus Hirsekorn ins Handwerk.

Kalex gab nach drei Jahren das Moto3-Projekt Kalex-KTM auf, weil die Österreicher nur noch ihre eigenen Gitterrohrstahlrahmen in der WM sehen wollten.

Auch die MotoGP-Pläne haben sich bis auf weiteres zerschlagen. Kunden wie Marc VDS und Sito Pons hatten in den letzten zwei, drei Jahren mehrmals überlegt, bei Kalex MotoGP-Chassis für die Claiming-Rule-Kategorie oder Open-Class bauen und dann zum Beispiel mit M1-Motoren von Yamaha bestücken zu lassen. Aber diese Ideen traten nie in ein wirklich ernsthaftes Stadium.

Kalex-Geschäftsführer Alex Baumgärtel weint diesen Möglichkeiten aber momentan keine Träne nach. «Dass wir uns jetzt auf eine WM-Klasse konzentrieren können hat auch Vorteile, zumindest was die Logistik angeht», sagt Baumgärtel. «Weil wir uns jetzt nur um ein Teilepaket kümmern müssen. Ausserdem haben wir nach der Saison 2014 neue Kunden in der Moto2 hinzu gewonnen, was das Thema Auslastung wieder kompensiert. Wir haben in der vergangenen Saison acht zusätzliche Moto2-Fahrer ausgerüstet, also hat sich der Verlust der Moto3-WM-Fahrer genau egalisiert.»

Kalex hatte 2014 in der Moto2-WM 14 Fahrer, 2015 waren es 22, für nächstes Jahr stehen bereits 26 Kalex-Fahrer fest.

In der MotoGP-Klasse wäre ein Kalex-Einstieg für 2015 auch nicht sehr sinnvoll gewesen, weil die Open-Class jetzt wegfällt und sich die Investitionen und Entwicklungskosten in einem Jahr nicht amortisiert hätten. «Schade war, dass sich beim MotoGP-Thema nichts ergeben hat», resümierte Alex Baumgärtel. «Aber wie sich im Laufe der Saison 2015 gezeigt hat, hat uns nichts Besseres passieren können, als gar nicht eigestiegen zu sein. Erstens wegen Chancenlosigkeit und zweitens weil jetzt lauter neue Factory-Teams in diesen Markt reindrängen. Das wäre unter diesem Gesichtspunkt vergebliche Liebesmüh gewesen. Wir hätten viel Arbeit für wenig Erfolg gehabt... Und in der Moto3-WM hat man 2015 gesehen, dass man als Nicht-Werksteam komplett chancenlos gewesen wäre. Die Werke haben ihre Factory-Teams in der CEV Repsol-Junioren-WM zur Erprobung, weil man durch das Reglement in den WM-Trainings nichts ausprobieren darf. So ein Aufwand würde unsere finanziellen Mittel überschreiten. Da kann man also kleiner Hersteller gegen Honda und KTM einfach nicht mehr mitspielen.»

Immerhin hatte Kalex in der Moto3-Klasse noch in den nationalen Meisterschaften in Frankreich und Grossbritannien Motorräder im Einsatz, dazu in der CEV Repsol-Junioren-WM.

Kalex konzentrierte sich aber auf die Moto2-WM, der durchschlagende Erfolg gibt den Schwaben Recht. Im Oktober wurde in Australien der 50. Moto2-GP-Sieg gefeiert, inzwischen wurden in diese Kategorie von Kalex bereits 52 GP-Siege errungen.

Auch ein kleiner Schönheitsfehler wurde im Laufe der Saison beseitigt: Kalex hatte bis zur Saison 2015 nie einen GP-Sieg auf dem Sachsenring zustande gebracht. Stefan Bradl war auf der Kalex 2011 in Sachsen Zweiter, mit einem Sieg hat es jedoch bis zu dieser Saison nie geklappt. «Immerhin haben wir 2013 eine Pole-Position mit Xavier Siméon gehabt», hält Baumgärtel fest. «Ich glaube, das lag nicht unbedingt am Motorrad. Aber manche Fahrer fühlen sich auf der deutschen GP-Piste wohler als andere, wenn sie die ganze Zeit Linkskurven fahren müssen, und zwar mit viel Schräglage und wenig Gas, mit hohem Kurvenspeed, aber mit wenig Bremszonen. Du hast eigentlich nur eine Bremszone... Ich kann mir nicht vorstellen, dass der fehlende Sieg in Sachsen am Motorrad lag. Aus welchem Grund hätte das sein sollen?»

Baumgärtel hoffte beim Heim-GP, der spätere Weltmeister Johann Zarco würde die Kalex-Truppe von dem Sachsenring-Fluch erlösen. Doch den Sieg packte Xaxier Siméon auf der Kalex des Gresini-Teams, genau zwei Jahre nach der Pole-Position.

Trotzdem ist Baumgärtel voll des Lobes über neuen Moto2-Weltmeister aus Frankreich. «Zarco war 2015 auf allen Strecken schnell», lobt er. «Johann fährt auch sehr geschmeidig. Er hat immer wenig Unruhe im Motorrad, das kriegt er wunderbar hin. Er hat in diesem Jahr bewiesen, dass ein präziser Körper auf jeder Piste schnell sein kann. Er war 2015 in der Form seines Lebens und hat im Finish der Rennen jene Stärken ausgespielt, die Tito Rabat ausgezeichnet haben.»

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