Pit Beirer (KTM): «Das ist wie Kaffeesatz lesen»

Von Günther Wiesinger
Moto3

KTM verlor 2014 erstmals die Fahrer-WM in der Moto3-Klasse. Für 2015 sollen es Asse wie Romano Fenati, Bradl Binder oder Miguel Oliveira richten. KTM-Rennchef Pit Beirer zieht Bilanz.

KTM hatte zwar inklusive der zwei baugleichen Husqvarna in der Moto3-WM-Saison 2014 insgesamt 19 Motorräder am Start, Honda nur sechs, doch ausser Jack Miller fand sich kein Titelanwärter.

Auch Romano Fenati war nicht beständig genug – trotz vier GP-Siegen wurde er nur WM-Fünfter. Der Valentino-Rossi-Schützling aus dem SKY VR46-Team brachte es nur auf 176 Punkte, Miller auf 276, Alex Márquez (Honda) auf 278.

Management und Technik-Mannschaft waren bei Sky VR46 offenbar nicht auf der Höhe der Zeit. Deshalb wurden Teamchef Guarewschi und Crew-Chief Brazzi inzwischen entlassen.

Für 2015 sind KTM und Husqvarna breiter aufgestellt. Allein bei Red Bull KTM Ajo fahren nächstes Jahr mit Brad Binder, Miguel Oliveira und Karel Hanika drei Titelanwärter oder Podestkandidaten.

Dazu kommen Fenati bei SKY VR46, auch Heimkehrer Khairuddin (beim neuen Team Sepang Circuit AirAsia) ist einiges zuzutrauen, auch seinem Teamkollegen Jakub Kornfeil.

Aber KTM/Husqvarna hat mit Danny Kent (Leopard-Kiefer Racing ) und Enea Bastianini (Gresini Junior Team) drei starke Fahrer an Honda verloren.

Rivale Honda ist jedoch ebenfalls geschwächt. Weltmeister Alex Márquez und der WM-Dritte Alex Rins steigen in die Moto2-WM auf.

Honda muss also auf Antontelli (Ongetta), Bastianini, Vazquez, Kent (beide bei Kiefer), Masbou und die beiden Estrella-Galicia-0.0-Piloten Jorge Navarro und den erst 15-jährigen Fabio Quartararo (er hat bereits zweimal die Spanische Meisterschaft gewonnen) vertrauen, wenn es um den Titelfight 2015 geht.

KTM-Rennchef Pit Beirer: «Aktiv einmischen»

Nach den Erfahrungen von 2014 wird KTM künftig auch stärker darauf achten, dass die starken Kundenteams wie Sky VR46 auch entsprechend ausgefuchste Crew-Chiefs haben.

«Wir sind bei KTM eine sehr junge Mannschaft. Deshalb konnten wir vor zwei Jahren nicht mit unserer Kernmannschaft ins Fahrerlager kommen und namhaften Teams vorschreiben, wen sie jetzt als Crew-Chief engagieren sollen», hält Pit Beirer fest, Head of Motorsport bei KTM. «Aber die drei Jahre Erfahrung, die wir jetzt in der Tasche haben, haben uns sehr wohl gelehrt, dass wir uns in diesem Bereich jetzt aktiv einmischen sollten. Das ist bei uns ein Thema, ganz klar. Wir werden den Teams helfen, die richtigen Leute an den richtigen Platz zu bringen. Denn unser Motorrad ist definitiv nur so stark wie der Crew-Chief und die Mannschaft, die es am Rennwochenende betreut und einsetzt.»

«Wenn man jetzt ein Jahr zurückblickt und sich anschaut, dass von unsere drei WM-Ersten von 2013 zwei in die Moto2 aufgestiegen sind, also Maverick Vinales und Luis Salom, dazu ist Rins als WM-Zweiter zu Honda zurückgekehrt. Es war also im letzten Winter schon klar, dass Rins und Márquez die absoluten WM-Favoriten für 2014 waren. Das spielgelt sich auch im Punktestand von 2014 wieder. Jack Miller hat sich bei uns nach dem letztjährigen siebten WM-Rang zu einem unglaublich starken Fahrer entwickelt. Man darf nicht vergessen: Er war vor der Saison 2014 nie auf dem Podium. Das WM-Ergebnis ist also okay, es ist alles normal», sagt Beirer. «Wir haben in der vergangenen Saison gegen eine sehr starke Honda gekämpft, es sind sehr starke Fahrer in der WM vorne gelandet.»

KTM hat den Titelkampf 2014 schliesslich um zwei Punkte verloren. Doch mit Miller (6) und Fenati (4) wurden zehn Rennen gewonnen. Honda gewann mit Márquez dreimal, mit Rins und Vazquez je zweimal, mit Masbou einmal – achtmal insgesamt.

Das Suchen und Finden neuer Siegfahrer sei in der Moto3-WM «wie Kaffeesatz lesen», beteuert Beirer. «Denn die richtig Guten steigen auf, und die nächsten Jungen mit Phantasie musst du halt nehmen. Aber bei zwölf Motorrädern kannst du nicht erwarten, dass du bei der Fahrerwahl zwölfmal richtig liegst.»

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