Romano Albesiano/Aprilia: «Wir waren besser als KTM»

Von Ivo Schützbach
MotoGP
«Auf meinen Schultern lastet der richtige Druck und die korrekte Erwartungshaltung», betont Aprilia-Rennchef Romano Albesiano. «Unser Ziel ist, jeden zu besiegen.»

Nach drei Fahrer-Titeln in der Superbike-WM 2010, 2012 und 2014 mit Max Biaggi und Sylvain Guintoli kehrte Aprilia 2015 werksseitig in die Königsklasse MotoGP zurück. Seitdem konnten einige achtbare Ergebnisse erzielt werden, zum Beispooiel zwei sechste Ränge durch Aleix Espargaró in Katar und Aragón 2017.

Die Herstellerwertung 2017 beendete Aprilia aber hinter Honda, Yamaha, Ducati, Suzuki und KTM an letzter Stelle.

2018 tritt Aprilia in der MotoGP-WM mit Aleix Espargaró und Scott Redding an, der Bruchpilot Sam Lowes ersetzt.

SPEEDWEEK.com wurde von Aprilia-Rennchef Romano Albesiano zum Exklusiv-Interview empfangen.

Romano, Anfang der Saison 2017 war euer Motor unzuverlässig: Musstet ihr ein Risiko eingehen, um gegenüber den Gegnern bei der Leistung aufzuholen?

Ja, das ist normal. Wir mussten die Grenzen ausloten. Es fehlte uns auch an Erfahrung. Und einige Warnungen haben wir unterschätzt.

Das gehört alles zum Wachstumsprozess, wir mussten stark pushen. Das hat uns dabei geholfen, am Limit zu arbeiten und das Limit auszudehnen.

KTM hat euch gleich im ersten Jahr in der MotoGP-Marken-WM geschlagen. Ist das nicht sehr ärgerlich?

Ich sehe das nicht so, dass sie uns geschlagen haben – wir waren in jedem Rennen schneller. Aber wir hatten so viele Nullrunden, die meisten durch Pech.

Ich schätze sehr, was KTM geleistet hat. Aber unser Motorrad war letztes Jahr auf einem höheren Level. Unser Bike war schneller, das haben wir oft gezeigt.

Und doch hat KTM mehr Punkte geholt.

Was die Punkte betrifft, haben sie uns geschlagen, richtig. Wenn du so denken willst, kannst du das tun.

Genau darum geht es in einer Meisterschaft: Wer holt mehr Punkte?

Natürlich war ich darüber nicht glücklich.

Zum Beispiel das letzte Rennen letztes Jahr hätten wir nur beenden müssen, dann hätten wir mehr Punkte gehabt. Aber Aleix wollte ein sehr gutes Resultat heimbringen und stürzte.

Die letzte Saison fuhren wir im Prinzip mit einem Fahrer.

KTM hat uns in der Marken-WM geschlagen. Okay – Gratulation.

Piaggio-Chef Roberto Colaninno will in der MotoGP-WM viel erreichen, unter anderem Ducati besiegen. Aber auch im vierten Jahr liegt Ducati für euch außer Reichweite.

Hat er das so gesagt? Ich kann mich an diese Aussage nicht erinnern. Unser Ziel ist, dass wir jeden schlagen. Aber das schaffst du nicht in einem oder zwei Jahren. Wir haben Ducati letztes Jahr in einigen Rennen geschlagen, vergiss das nicht.

Die MotoGP-Teilnahme ist sehr teuer: Ist Colaninno geduldig genug euch die Zeit zu geben, die ihr braucht, um erfolgreich zu werden?

Wir haben starken Rückhalt von unserem Topmanagement, sie schätzen sehr, was wir geleistet haben. Sie wissen zu schätzen, dass wir Aprilia in der MotoGP-Klasse auf ein gutes Level gebracht haben. Sie wissen, wie schwer das war und ist.

Auf meinen Schultern lastet der richtige Druck und die korrekte Erwartungshaltung. Wir sind uns in der Firma einig, welche Ziele wir haben und wie wir diese erreichen wollen.

Hast du als Rennchef genügend finanzielle Ressourcen zur Verfügung, um das zu machen, was du für den Erfolg brauchst?

Ich gebe dir die Standard-Antwort: Ich weiß nicht, wie viel Geld die anderen ausgeben, ich kenne nur unser Budget.

Du kannst jeden fragen: Wenn man mehr Geld zur Verfügung kriegt, nimmt man das.

Das gilt natürlich auch für mich. Wir können mit unserem Budget sehr konkurrenzfähig sein. Unser Budget ist keine Ausrede wert.

Macht die Superbike-WM angesichts eures MotoGP-Engagements noch Sinn?

Uns bot sich die Gelegenheit, einen sehr speziellen Kunden zu unterstützen und ihm bei der Entwicklung zu helfen, das Milwaukee-Team. Wir unterstützen sie werksseitig. Wenn wir solche Möglichkeiten haben, sind wir auch in Zukunft in der Superbike-WM vertreten. Wenn nicht, müssen wir damit aufhören.

Unser Hauptaugenmerk gilt der MotoGP.

Milwaukee helfen wir nicht nur, wir entwickeln gemeinsam.

Sind sechste oder zehnte Plätze in MotoGP mehr wert als Siege und Titel in der Superbike-WM?

Ich bin keiner aus dem Marketing, ich kann das nicht beantworten.

Die Firma hat diese Entscheidung getroffen und plant langfristig in MotoGP zu bleiben. Ich kann aber nicht sagen wie lange. Vielleicht gibt es eines Tages eine Neubewertung, vielleicht gewinnen wir dann in der MotoGP-Klasse.

Euer Vertrag mit Gresini endet nach dieser Saison, Aprilia hat als einziger Hersteller keine eigenen Plätze in der MotoGP-WM. Was machst du, wenn Gresini nächstes Jahr mit einem anderen Hersteller arbeiten möchte?

Dann entscheiden wir vielleicht, dass wir mit einem anderen Team arbeiten.

Wir arbeiten bereits daran, den Vertrag zu erneuern.

Für uns ist die Situation komfortabel, sie hilft uns dabei, uns ganz auf die Technik zu konzentrieren. Gresini hat viel MotoGP-Erfahrung, wir haben diese Erfahrung um unsere ergänzt. Die Vereinbarung ist sehr positiv für uns, sie schränkt uns nicht ein.

Auf Strecken mit langen Geraden wie auf dem Red Bull Ring oder in Katar hatte Aprilia Schwierigkeiten. An was mangelt es euch, um zur Spitze aufzuschließen?

Sicher nicht an Motorleistung – nicht mehr.

Aber Scott Redding nennt als seinen größten Wunsch mehr Motorleistung, er nennt das «geschenkte Zeit auf den Geraden».

Ich glaube, es fehlt uns mehr an Beschleunigung aus langsamen Kurven heraus. Es fehlt uns nicht an Power. Die mangelnde Beschleunigung liegt aber nicht an zu wenig Leistung, sondern hängt mit der Balance des Motorrads zusammen.

Yamaha hat den Vertrag mit Vinales noch vor Saisonbeginn für 2019 verlängert, Rossi will vor dem ersten Rennen unterschreiben. Pramac Ducati hat Bagnaia für 2019 verpflichtet und Repsol Honda erneut Marc Márquez – denkst du auch schon über die Fahrer für nächstes Jahr nach?

Sicher haben wir Pläne, wir wollen aber abwarten, wie sich die Saison entwickelt. Jetzt werden wir noch keine Verträge machen, wir entscheiden im April/Mai, wenn die Rennen in Europa beginnen. Dann möchten wir mindestens einen Fahrer verpflichten.

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