Pit Beirer (KTM): «Ärgern uns manchmal über Smith»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM, kritisiert den britischen MotoGP-Werksfahrer Bradley Smith. «Seine Worte haben kein Gewicht, wenn er zu langsam fährt.»

Nach dem grandiosen zehnten Platz von Testfahrer Mika Kallio beim GP von Österreich in Spielberg wurde im Red Bull KTM-Werksteam wochenlang darüber diskutiert, ob der inzwischen 36-jährige Finne für 2018 statt Bradley Smith in die Rolle des Stammfahrers neben Pol Espargaró befördert werden sollte.

Dem 27-jährigen Briten, der 2017 auf der KTM RC16 bei den ersten zwölf Rennen nur acht Punkte sammelte, sollte die Aufgabe des Testfahrers mit bis zu fünf Wildcard-Einsätzen angeboten werden – bei voller Fahrergage.

Doch die Management-Firma Wassermann Group, die Smith betreut, hätte dies als Vertragsbruch empfunden und womöglich mit einer Schadenersatzklage reagiert. Deshalb wurde der Platz von Bradley Smith für 2018 vor dem Aragón-GP im September bestätigt.
«Wir haben Bradley auch nicht vergessen, dass er an unser MotoGP-Projekt geklaubt hat, als es noch eine ‘Black Box’ war» sagte KTM-Firmenchef Stefan Pierer.

Doch auch in der Saison 2018 braucht Bradley Smith (er hat in der MotoGP-WM zwei Podestplätze errungen) zu lange, bis er bei den Tests in Schwung kam, beim Katar-GP war es ähnlich.

Der schmerzgeplagte und angeschlagenen Pol Espargaró schaffte in den ersten drei freien Katar-Trainings die Plätze 17, 17 und 12, Smith kam über die Ränge 22, 20 und 22 nicht hinaus.

Der Brite, MotoGP-WM-Sechster im Jahr 2015 auf der Tech3-Yamaha, steht also weiter im Schatten des spanischen Teamkollegen. Smith steht unter Druck, denn für das Werksteam wird er mit solchen Leistungen nicht mehr in Frage kommen. Pol Espargaró ist laut Stefan Pierer für 2019 gesetzt, daneben soll ein Topfahrer wie Zarco kommen, auch aufstrebende Fahrer wie Jack Miller und Danilo Petrucci könnten für KTM interessant werden.

Für das Tech3-Junior-Team sind bereits die Moto2-Asse Miguel Oliveira und Brad Binder als Kandidaten genannt worden.

In Katar war deutlich zu sehen: Die aktuelle Performance von Bradley Smith (im Rennen auf Platz 18) reisst das KTM-Management nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Bereut Motorsport-Direktor Pit Beirer die Entscheidung vom Herbst 2017? Denn KTM verfügt in der MotoGP manchmal quasi nur über ein Ein-Mann-Team, auch wenn Smith im Katar.-Qualifying als 20. einen Platz vor Pol Espargaró landete.

Pit Beirer: «Bradley hat unsere bisher schnellste Katar-Runde gefahren – mit 1:55,1 min beim Test vor drei Wochen. Bei aller Kritik an ihm, er trägt immer wieder einen Schritt dazu bei, dass unser Projekt nach vorne geht. Er war beim Valencia-GP 2017 der Fahrer, der mit Platz 11 den fünften Platz in der Konstrukteurs-WM für KTM gesichert hat. Ich lasse den Bradley nicht hinten. Er ärgert mich halt manchmal, weil er diese Wahnsinns-Umleitungen geht und bei den Tests nichts rausfeuert. Seinen Worten fehlt es an Gewicht, wenn er zu langsam fährt. Dann am Schluss staunen die Techniker, wenn er am Ende noch eine gute Rundenzeit fährt. Wir wissen genau, dass er mehr kann. Wir würden uns oft leichter tun, wenn er bei den Tests und Trainings mehr rauslassen würde. Das ärgert uns ab und zu. Aber am Ende des Tages muss jeder seinen eigenen Weg gehen.»

Bradley Smith erklärte bei der Red Bull KTM-Teamvorstellung vor zwei Wochen in Salzburg, er sei zu KTM gekommen, um länger als zwei Jahre zu bleiben.

Pit Beirer will sich dazu nach 1 von 19 Grand Prix noch nicht äussern. «Wir haben momentan zwei gute Fahrer im MotoGP-Werksteam. Wir freuen uns auf die nächsten Rennen», betont er. «Ich habe mit Stefan Pierer ein sehr enges Verhältnis, wir sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Wir werden uns auch gemeinsam darüber abstimmen, wer die zukünftigen Fahrer sind.»

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