Yamaha: Suche nach Antworten in Italien

Von Manuel Pecino
MotoGP
Valentino Rossi schaffte in Katar immerhin den Sprung auf das Podest

Valentino Rossi schaffte in Katar immerhin den Sprung auf das Podest

«Elektroingenieur gesucht.» Dieses Plakat hängt, bildlich gesprochen, an der Box des Movistar-Yamaha-Werksteams. Und das ist die anspruchsvolle Geschichte dazu.

«Genug ist genug», war die grundlegende Aussage von Valentino Rossi gegenüber den Yamaha-Ingenieuren, als er in der Vorsaison wegen Elektronikproblemen erneut wie gegen eine Wand lief. «Problem» ist wohl nicht das beste Wort dafür. Das korrekte Wort wäre wohl eher der «Unterschied», denn wir sprechen hier über das im Vergleich zu den Gegnern schlechtere Elektronik-Management. Genau so wurde es von den Verantwortlichen in der Yamaha-Box während der Vorsaison beschrieben.

«Ich denke, Ducati und Honda sind uns im Hinblick auf die Elektronik einen Schritt voraus», wiederholte Rossi in Bezug auf den zu hohen Reifenverschleiß, der durch die mangelhafte Anpassung der Einheitselektronik bei Yamaha entstand.

Ein Beispiel: Am letzten Tag – oder in der letzten Nacht – des Vorsaisontests in Katar absolvierten die Ducati-Piloten eine gesamte Renndistanz mit einem Verschleiß zwischen 0,8 und 1,1 kg – abhängig vom Fahrstil der einzelnen Piloten. Valentinos Hinterreifen hatte schon nach der halben Renndistanz 0,8 kg verloren. In dieser Nacht versuchte er auch nicht, seine Bedenken zu verheimlichen. Hinter geschlossenen Türen «haute er auf den Tisch».

Er verlangte Lösungen. Wenn sie intern nicht gefunden werden können, müssen sie außerhalb der Yamaha-Box gesucht werden. Basierend auf ihrer Erfahrung, ihrem Wissen, ihrer Technologie und Ressourcen lautete die Theorie bei Yamaha: «Wir werden das mit unseren Ingenieuren in Japan lösen.» Doch die passenden Antworten folgten nicht.

Die Situation ist grundsätzlich dieselbe wie bei HRC vor etwas mehr als einem Jahr, als jemand bei Honda entschied, eine Abkürzung beim Management der Elektronik nehmen. Zu dieser Zeit war das zu langsame Voranschreiten des Lernprozesses bei den Honda-Ingenieuren nicht mehr mit den Rennterminen zu vereinbaren. Die Antwort lebte in Italien und trug den Namen Filippo Tosi. Die stolzen HRC-Ingenieure verpflichteten den jungen Techniker, der zuvor für Ducati tätig war. Habt ihr danach noch Beschwerden der HRC-Fahrer über die Elektronik gehört?

Valentino verlangte genau das: Die Elektronik als Problem vergessen. Also begannen die Yamaha-Verantwortlichen mit dem «Shopping». Sie suchen einen Elektroingenieur. Das Profil ist klar: Er muss ein Experte im Hinblick auf die Elektronik von Magneti Marelli sein. Das bedeutet, dass Yamaha bei Magneti Marelli oder Ducati den Köder auslegen muss. In den letzten Wochen ließen die Yamaha-Leute ihren Blick durch das Fahrerlager streifen und fragten sich, ob jemand diesem Profil entspricht. Doch es gibt wohl nicht viele, die den erforderlichen Lebenslauf vorlegen können.

Die überraschende Wendung in dieser Geschichte um Yamahas Elektronikproblem ist, dass ihre Bikes von Anfang sehr konkurrenzfähig waren. Zu keiner Zeit gab es Elektronikprobleme. Natürlich beziehe ich mich hier auf die Kunden-Yamaha von Johann Zarco. Bei jeder Geschichte gibt es mehrere Seiten…

Yamahas Entscheidung, in Italien nach Antworten zu suchen, ist keinesfalls neu. Masao Furusawa, der Yamaha aus dem Tief nach der Einführung der Viertakter-MotoGP-Maschinen zog, zögerte zu seiner Zeit nicht, zwei brillante junge Ingenieure von der Universität von Padua zu engagieren, die sich auf Fahrzeugdynamik spezialisiert hatten: Andrea Zugna und Cristian Battaglia.

Nach ihrer Ankunft bei Yamaha 2003 wechselte in der nächsten Saison Valentino Rossi zum Hersteller aus Iwata. 2004 und 2005 durften sie Titelgewinne mit dem Italiener feiern. Zugna war auch einer der Väter des Elektroniksystems, das die M1 für 2008 revolutionierte. Mit ihr holte Yamaha den Titel zurück, nachdem 2006 und 2007 Honda und Ducati triumphiert hatten.

Zugna, der ohne Erfahrung in diesem Bereich zu Yamaha kam, wurde zum Vorbild der gesamten Elektronikabteilung von Yamaha. Ein Italiener. «Er forschte, entdeckte und erfand. Die japanischen Ingenieure führten das Projekt dann fort», erklärte Furusawa in seiner Biographie.

Diese seltsame, aber perfekte Ehe zwischen Zugna und Yamaha endete 2009, als der brillante italienische Ingenieur die Zusammenarbeit beendete und zu Honda wechselte. Der Schlag für Yamaha war noch härter, als mit Zugna auch Battaglia und Carlo Luzzi, der zu dieser Zeit Jorge Lorenzos Dateningenieur war, den Hersteller verließen. Aber diese Geschichte bietet Stoff für einen anderen Artikel.

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