Gigi Dall'Igna: Neue Flügel, Streit ums Reglement

Von Matteo Aglio
MotoGP
Ducati-Renndirektor Gigi Dall'Igna stattet die neue GP15 mit seitlichen Flügeln aus und wehrt sich gegen Vorwürfe, Ducati profitiere vom Reglement. Für 2016 gibt es noch Diskussionen.

«Dall'Igna verleiht Flügel», könnte man sagen. Oder: «Ducati verleiht Flügel.»

Ein Werbeslogan, den wir aus der Energy-Drink-Branche kennen.

Tatsächlich testete Ducati an der GP15 von Andrea Dovizioso gestern in Katar seitliche kleine Flügel, sie werden als «Winglets» bezeichnet.

Andrea Iannone soll sie heute am letzten Testtag ausprobieren.
«Wir haben etwas Neues probiert, ja», räumte Gigi Dall'Igna ein, Technical Director und General Manager bei Ducati Corse. «Das Motorrad ist brandneu, deshalb brauchen wir noch Informationen über sein Verhalten, wenn wir das Set-up ändern. Das ist unser wichtigstes Ziel. Gleichzeitig haben wir etwas entwickelt, was ein bisschen aussergewöhnlich ist, hauptsächlich für die Verkleidung. Wir wollten das mal ausprobieren und bewerten, auch um weitere Daten zu sammeln. Ich glaube, wir können diese Flügel in den Rennen nicht verwenden. Wir müssen abwarten.»

Aerodynamische Hilfsmittel sind im GP-Sport normal verboten. Deshalb muss MotoGP-Techniker Danny Aldridge noch seinen Sanktus dazu geben.

«Der Punkt ist», fügt Gigi an, «dass sich dieses neue Motorrad vom letztjährigen sehr stark unterscheidet. Um es besser zu verstehen, müssen wir Experimente machen, auch wenn sie eventuell schiefgehen. Es kann nicht alles produktiv sein, was wir ausprobieren, vor allem ändern sich die Bedürfnisse von Strecke zu Strecke. Und man darf nicht vergessen: An einem Rennwochenende haben wir nicht viel Zeit, um nach Lösungen zu suchen. Wir müssen also bei den Tests so viel Wissen wie möglich zur GP15 sammeln. Das ist extrem wichtig.»

«Die Flügel sehen ein bisschen anders aus als jene, die Ducati in der Vergangenheit probiert hat», erklärte Dall'Igna. «Wir wollen besser verstehen, welchen Nutzen sie auf einer Rennmaschine haben können. Wir sind da noch weit vom Optimum weg und können nicht abschätzen, ob sie produktiv sind. Die Absicht ist, das Motorrad auf den Boden zu pressen, sie können auch als Anti-Wheelie-Konzept dienen. Das wird vielleicht ihre wichtigste Funktion sein... Wir müssen aber rausfinden, ob es auch andere Effekte gibt. Flügel haben bei Autos mehr Wirkung, beim Motorrad musst du dreidimensional denken, also ist alles anderes. Vielleicht müssen wir sie anders gestalten. Wir sind noch nicht überzeugt, dass die Flügel von Vorteil sein werden. Wir sammeln jetzt Informationen, die studieren wir dann.»

Die Open-Class-Privilegien von Ducati werden immer heftiger kritisiert. Auch von den anderen Fahrern.

«Das ist sinnlos. Wir haben in der Vergangenheit immer zugestimmt, wenn anderen Herstellern Zugeständnisse gemacht wurden», hält der Dicai-Rennchef fest. Die Vorschriften liegen auf dem Tisch. Wir haben sie gelesen und korrekt interpretiert, glaube ich. Wir haben Vorteile, von denen wir bei gewissen Resultaten einige verlieren. Heute profitieren wir von diesem Reglement. Und ich werde gewiss nicht auf andere Hersteller hinhacken, wenn sie dann einmal aus solchen Privilegien ihren Nutzen ziehen. Wir haben die jetzigen Resultate innerhalb eines Jahres erreicht, und zwar auf Basis der gültigen Vorschriften. Ohne diese Zugeständnisse hätten wir unsere Ziele auch erreicht, aber wir hätten länger gebraucht. Dann hätten wir vielleicht drei Jahre gebraucht statt ein Jahr. In dieser zeit wäre die Meisterschaft weniger spannend gewesen. Und vielleicht wären einige Werke dann gar nicht in die MotoGP-Klasse eingestiegen, wenn es diese Privilegien nicht gäbe. Wir schreiten also mit Hilfe dieses Reglements nach vorne. Aber die ganze Rennserie profitiert davon.»

Ducati benützt vorläufig bei den vier Factory-Piloten (Ducati Corse und Pramac) die hauseigene Elektronik-Software. Und es geht jetzt im Hersteller-Bündnis MSMA auch um die Frage, wie viele Motoren Ducati 2016 benützen darf.

«Es gab Diskussionen in der MSMA», erzählt Gigi Dall 'Igna. «Aber bisher habe wir keine Einstimmigkeit erzielt. Es wird also eine andere Partei entscheiden. Bei der Software ist alles klar, die Einheits-ECU wird 2016 für alle Teams Pflicht sein.»

Bei den Motoren geht es um die erlaubte Stückzahl pro Fahrer und Saison. Wenn 20 Grand Prix in den Kalender kommen, werden für die Teams sechs statt fünf Triebwerke gestattet. Die Neueinsteiger Suzuki und Aprilia wollen neun Motoren, Ducati wohl auch. Dagegen sträuben sich Honda und Yamaha.

2016 soll es mit den Ducati-Privilegien endlich vorbei sein.

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