LCR: 13 Verhaftungen bei Sponsor CWM – Geldwäsche?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Teambesitzer Lucio Cecchinello 2014 mit Sponsor Anthony Constantinou von CWM

Teambesitzer Lucio Cecchinello 2014 mit Sponsor Anthony Constantinou von CWM

Der neue LCR-Sponsor CWM wurde vom ersten Tag argwöhnisch betrachtet. Aber jetzt kommt es schlimmer als befürchtet: 13 Mitarbeiter wurden wegen Verdachts auf Geldwäsche und Betrug verhaftet.

Der Motorsport hat schon viele schillernde Persönlichkeiten erlebt und hervor gebracht, ob in der Formel 1 oder im Motorradsport.

Der MotoGP-Paddock wurde im letzten Jahr um eine bizarre Figur bereichert, die ebenfalls bald von sich reden machte.

Es handelt sich um den Griechen Anthony Constantinou. Er ist Chief Executive Officer (also Geschäftsführer) der Firma CWM.

Constantinou trat letztes Jahr erstmals in Brünn im Fahrerlager so richtig in Erscheinung. Der Unternehmer ​schmuss bereits um 18.30 Uhr bei der LCR-Hospitality ​eine feuchtfröhliche Party, er versprühte Champagner.

Beim Eintreffen im Holiday Inn Hotel in Brünn schämte sich die Ducati-Mannschaft für das Benehmen des farbenfrohen Sponsors und von dessen Entourage. Zwei Wochen später in Silverstone war es nicht anders. Der Alkohol floss wieder in Strömen. Constantinou verwechselte das MotoGP-Fahrerlager mit einer Party-Meile.

Der Grieche ​machte den Eundruck, als würde er in Saus und braus leben. Helikopterflüge, Bodyguards, pompöse Heirat am Aragón-GP-Wochenende, Teambesitzer Lucio Cecchinello wurde deshalb für einen Abend nach Griechenland eingeflogen.

Der italienische Teambesitzer machte gute Miene zu diesem ominösen Deal, auch wenn ihm vieleicht nicht immer wohl war in seiner Haut.

Es sickerte durch, dass LCR das erste Drittel der Sponsorsumme für 2015 bereits bis Ende Juli 2014 überwiesen haben wollte. Auch nicht gerade ein Vertrauensbeweis.

Denn ganz geheuer war die Firma CMW niemandem, obwohl sie im Sommer 2014 auch von der Dorna und deren Eigentümer Bridgepoint ​untersucht worden war, so gut es ging. CWM warb in Assen bei Stefan Bradl noch für www.cwmworld.com. Dann hiess das Unternehmen in Brünn plötzlich CWM FX.

Ein aufstrebender Finanzdienstleister sei das​, wurde uns erzählt. Die Finanzgruppe CWM aus Zypern ​bezeichnet sich als Trading Platform, die benutzerfreundliche und qualitativ hochwertige Geschäfte an der Online-Börse Forex tätigt. Wer sich die Website genau anschaute, wurde rasch hellhörig: Es gab keine Bank als Geschäftspartner.

Als Anthony Constantinou beim Valencia-GP einen rosaroten Sturzhelm mit den Unterschriften aller MotoGP-Fahrer um 255.000 Euro ersteigerte, der bei E-Bay um 6500 Euro zu haben war, rieb sich auch so manches Teammitglied verwundert die Augen.

​Und am Freitagabend sagte Anthony Constantinou beim Valencia-GP zu Neuerwerbung Cal Crutchlow, er werde ihm 100.000 Euro als Begrüssungsgeld zukommen lassen. Zwei Tage später soll der Betrag auf dem Konto eingetroffen sein.

«Ich habe den grössten Sponsorship-Deal meiner Laufbahn unterschrieben», erzählte Lucio Cecchinello im Sommer 2014, als​ sich abzeichnete, dass sich LCR-Honda 2015 erstmals zwei MotoGP-Fahrer leisten könnte.

Später sickerte durch, CWM habe für die Saison 2015 nicht weniger als 6,3 Millionen Euro an Sponsorgeld zugesagt und deshalb sogar die Namensrechte am Team mit den Fahrern Cal Crutchlow und Jack Miller erhalten.

Jetzt steht fest: 13 CWM-FX-Mitarbeiter wurden im Rahmen einer Polizeiaktion in den Londoner Büros verhaftet.

Die «City of London Police» hat die Verhaftungen Anfang März durchgeführt, und zwar gemeinsam mit der «Financial Conduct Authority», also der Finanz-Aufsichtsbehörde. Die Untersuchungen beschäftigen sich mit Vorwürfen der Geldwäsche und des gewerbsmässigen Betrugs. Unter den Verhafteten waren zehn Männer und drei Frauen, die aus ihren Büros im prestigeträchtigen «Heron Tower» in der Bishopsgate in London abgeführt wurden.

In einem Polizei-Statement erklärte Detective Superintendent Maria Woodall: «Das primäre Ziel der Verhaftungen war es, diese fortwährenden kriminellen Aktivitäten zu stoppen. Und wir wollten verhindern, dass weitere Menschen Geld in die von CWM gemanagten Fonds investieren, die fünf Prozent Ertrag pro Monat (!) versprachen. Jetzt brauchen wir jede Person, die bei diesem speziellen Unternehmen Geld investiert hat. Diese Personen sollen mit uns in Kontakt treten, damit wir genau abklären können, wie diese Firma das Geld investiert hat, das von Kunden aus Grossbritannien und aus anderen Ländern in gutem Glauben überwiesen ​wurde.»

Welche Auswirkungen die Verhaftungen bei der mysteriösen Finanzdienstleistungsfirma für die Sponsorship und den Fortbestand des LCR-Teams haben werden, lässt sich noch nicht abschätzen.

Eines ist klar: Jack Millers Platz wird teilweise von HRC finanziert und von Lucio Cechinellos treuen Sponsoren wie GIVI, Castrol, Rizoma und so weiter.

Wenn LCR-Honda beim Rennbetrieb Einschränkungen vornehmen müsste, wäre wohl in erster Linie das CWM-Factory-Team von Cal Crutchlow betroffen.

Für diesen Platz war bei LCR für 2015 ursprünglich Stefan Bradl vorgesehen. Aber die Firma CWM erschien dem Bayern vom ersten Tag an etwas zu undurchsichtig, das erleichterte seinen Wechsel zu Forward-Yamaha.

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