Exklusiv: KTM plant eigenes MotoGP-Werksteam

Von Günther Wiesinger
Pit Beirer (links) mit Moto3-Partner Aki Ajo

Pit Beirer (links) mit Moto3-Partner Aki Ajo

Ursprünglich wollte sich das KTM-Werk für den MotoGP-Enstieg 2017 mit einem existierenden Team verbünden. Aber Rennchef Pit Beirer kennt und bevorzugt eine hauseigene Lösung in Orange.

Pit Beirer, Head of Motorsport bei KTM, leitet seit Juli 2014 auch das MotoGP-Projekt der Orangen aus Mattighofen, die bereits mehr als 250 Weltmeistertitel gewonnen haben.

Die neue RC16 mit dem 1000-ccm-V4-Motor soll im September oder Oktober ihr Roll-out mit Alex Hofmann erleben, der für Eurosport auch auf einer KTM die Streckenbesichtigungen durchführt und von der Marketing-Abteilung engagiert wurde.

Für 2016 wird ein schneller Testfahrer mit möglichst aktueller MotoGP-Erfahrung gesucht, wie ihn Ducati mit Michele Pirro und Honda mit Hiroshi Aoyama hat.

Die Suche gestaltet sich nicht einfach. Auch Aprilia musste sich mit Michael Laverty zufrieden geben, der immerhin 2014 für Paul Bird noch die gesamte MotoGP-WM bestritt.

Von den aktuellen MotoGP-Piloten könnten Fahrer wie Alex De Angelis oder Nicky Hayden in Frage kommen, die für 2016 womöglich keinen neuen Vertrag bekommen.

«Wir müssen bis zum Sommer eine Entscheidung treffen», erklärte Pit Beirer gegenüber SPEEDWEEK.com. «Das ist eine Frage, die noch nicht geklärt ist. Eine weitere Frage, die wir klären müssen: Fahren wir 2017 als echtes Werksteam wie Suzuki oder arbeiten wir eng mit einem existierenden Team zusammen, wie wir es in der Moto3 mit Aki Ajo machen. Genau liegt die Grundlagenentscheidung. Wenn wir uns relativ früh für 2017 mit einem Team auf eine Zusammenarbeit einigen, werden wir natürlich versuchen, in diesen Paket einzuknüpfen, dass uns die Fahrer dieses Teams 2016 für Testfahrten zur Verfügung stehen. Wenn wir den Weg als Werksteam jetzt selber beschreiten, müssen wir uns demnächst mit einem geeigneten Testfahrer einigen. Aber diese Entscheidung wird in drei, vier Monaten fallen.»

KTM und Beirer haben Kontakt zu Avintia, Forward, Marc VDS und Power Electronics Aspar Martinez, die Dorna würde ein Joint Venture mit dem Spanier bevorzugen.

Martinez hat mit KTM bereits zusammengearbeitet, er hat in der Moto3-WM drei Jahre lang Kalex-KTM eingesetzt. Jetzt bildet er in der kleinen Klasse für zwei Jahre das Mahindra-Werksteam.
Offenbar gewinnt inzwischen auch KTM-Firmenchef Stefan Pierer der Lösung mit einem Werksteam in Orange einiges ab.

«Aus Sicht ?des radikalen Wegs und von den ganzen Wünschen unserer Techniker her ist der eigene Weg der viel bessere, denn du hast dann alle Fäden in der Hand», hält Beirer fest. «Das ist nicht, weil du viel gescheiter bist als alle andern, aber du kannst einfach schnelle reagieren. Wir haben bei KTM schon einige grosse Projekte angegangen. Und es war immer so: Wenn wir die Fäden selber in der Hand gehabt haben, haben wir auch die Schritte am schnellsten gesetzt. Wenn du am Ende des Tages mit deinem Material zu Gast bist in einer Box, bist du immer auf Kompromisse angewiesen. Und das ist im radikalen Rennsport nicht immer die beste Lösung.»

Ausserdem herrscht bei so einer Lösung mit einem Semi-Werksteam die Tendenz, dass ein Partner dem andern die Schuld in die Schuhe schiebt, wenn der Erfolg ausbleibt.

«Und natürlich auf dem Weg nach oben in die MotoGP geht es nicht darum,. die Schuldfrage zu klären. Sondern es geht knallhart darum, den Ist-Stand zu analysieren. Im Rennsport ist es oft so: Wenn mehrere Partner zusammenarbeiten, schiebt einer die Fehler auf den andern. Es geht aber darum, die Fehler ehrlich einzugestehen und zu überlegen, wo muss ich mich verbessern und wie kann ich mich verbessern. Deshalb ist der Wunsch der meisten Beteiligten momentan das eigene MotoGP-Team.»

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