Stefan Bradl (19.): «Sturz hat viel Zeit gekostet»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Stefan Bradl stürzte beim Katar-MotoGP-Test in Turn 6 mit 140 km/h, blieb unverletzt, büsste aber durch die Reparatur an der Box viel kostbare Zeit ein.

Mit Platz 19 und 2,614 sec Rückstand auf Jorge Lorenzo sieht die Bilanz von Stefan Bradl auf der neuen Aprilia nach dem ersten MotoGP-Testabend auf dem Losail International Circuit in Doha/Katar zwar nicht allzu vielversprechend aus.

Aber der 26-jährige Bayer ist zuversichtlich, er schätzt das Potenzial der RS-GP16 sehr hoch ein und traut sich an den nächsten zwei Abenden noch einiges zu.

Teamkollege Alvaró Bautista kam am ersten Tag in Doha über Rang 22 nicht hinaus – er klagte über Motorprobleme.

Bradl blieb bei seinem Sturz unverletzt, aber er büsste wegen der Reparatur viel kostbare Zeit ein.

Der Lichtblick: Bradl lag nach drei Stunden an elfter Stelle!

«Wir haben am Anfang vielleicht ein paar kleine Vorteile gehabt, weil wir vor zwei Wochen schon hier getestet haben. Aber das hat sich im Laufe des Abends dann relativiert», schilderte Bradl. «Es ist schade, dass ich gestürzt bin. Ich war zu diesem Zeitpunkt in einem guten Rhythmus. Wir haben den härteren Vorderreifen probiert, der für das Motorrad notwendig war, das war die richtige Entscheidung. Denn ich bin damit schneller geworden und habe ein besseres Gefühl gehabt. Wir haben dann einen langen Stopp gehabt. Aber die Bedingungen sind nachher nicht mehr besser geworden. Ich bin zwar wieder raus und habe den Reifen auf Temperatur gebracht, bin aber leider dann runter gefallen – bei ca. 140 km/h in Turn 6. Der Sturz war ärgerlich, weil er halt viel Zeit gekostet hat... Gott sei Dank ist mir nix passiert. Aber es hätte nicht sein müssen. Es sind aber trotzdem heute auch einige Kollegen runter gefallen. Am Belag lag es nicht, der Grip war im Vergleich zum Test vor zwei Wochen deutlich besser, weil halt jetzt mehr Fahrer auf der Piste waren. Wir wussten, dass nach 21.30 und 22 Uhr die Luftfeuchtigkeit stark zunimmt. Deshalb waren dann keine Zeitverbesserungen mehr möglich.»

«Wichtig ist, dass ich beim Rausfahren nach dem Crash gleich wieder ein gutes Gefühl für das Motorrad gehabt habe. So weit hat das alles gepasst. Ich bin zufrieden mit dem ersten Tag, weil das Gefühl weiterhin positiv ist. Ohne den Sturz hätten wir auf alle Fälle schneller fahren können», ist Stefan überzeugt. «Aber es ist passiert, da kann man nichts machen. Ich bin zuversichtlich, weil das Motorrad das macht, was ich will. Wir haben schon erste Veränderungen am Chassis vorgenommen, die sich recht positiv ausgewirkt haben. Aber da gibt es noch die meiste Arbeit zu erledigen. Denn wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo die Elektronik das macht, was sie machen soll. Die Kraftentfaltung des Motors ist in Ordnung. Wir haben vor zwei Wochen in den langen Beschleunigungsstücken noch ein paar Probleme gehabt mit der Kraftentfaltung; das haben wir heute auch in den Griff gekriegt. Jetzt schauen wir, dass wir am Fahrwerk und an der Fahrwerksgeometrie arbeiten können. Damit wir sehen, wie es mit dem Potenzial aussieht. Im Moment ist das Handling fast zu gut, das Motorrad ist zu agil, das müssen wir ausbalancieren.»

Die Position in der oberen Hälfte der Zeitenliste nach drei von sieben Stunden wirkte ermutigend. «So ein Zwischenstand ist fürs Erste in Ordnung, da brauchen wir nicht zu diskutieren», erklärte Bradl. «Leider ist der Alvaró durch ein Motorproblem wenig zum Fahren gekommen, mich hat der Sturz gehindert, weiter nach vorne zu fahren. Wir haben beide nicht die gewünschte Anzahl von Runden abgespult, die uns sicher weiter nach vorne gebracht hätten. Es ist klar, dass wir noch mehr Vertrauen zum Motorrad aufbauen müssen. Wir brauchen Kilometer, ganz klar.»

Den heutigen Rückstand von 2,6 sec hält Bradl nicht für bedenklich. «Es liegt ja der Lorenzo schon 0,4 sec vor dem Zweiten», hält er fest. «Der Abstand ist nicht schlimm. Es gibt deutlich Schlimmeres als 2,6 sec Rückstand auf einer langen Piste wie in Katar – noch dazu mit einem völlig neuen Motorrad. Wir werden mit Sicherheit noch schneller. Die Spitze zwar auch, aber ich denke, dass wir die grösseren Schritte machen können. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen. Das wird auch nicht alles bei diesem Drei-Tage-Test passieren. Aber ich bin nach wie vor optimistisch und überzeugt, dass in diesem Motorrad ein Haufen Potenzial drin steckt.»

Die Testzeiten Katar, 23 Uhr Ortszeit (2. März)

1. Jorge Lorenzo, Yamaha, 1:55,452
2. Maverick Vinales, Suzuki, 1:55,880
3. Valentino Rossi, Yamaha, 1:55,894
4. Andrea Iannone, Ducati, 1:56,119
5. Scott Redding, Ducati, 1:56,213
6. Héctor Barbera, Ducati, 1:56,320
7. Andrea Dovizioso, Ducati, 1:56,388
8. Cal Crutchlow, Honda, 1:56,510
9. Bradley Smith, Yamaha, 1:56,517
10. Marc Márquez, Honda, 1:56,523
11. Aleix Espargaró, Suzuki, 1:56,522
12. Pol Espargaró, Yamaha, 1:56,747
13. Dani Pedrosa, Honda, 1:56,910
14. Yonny Hernandez, Ducati, 1:57,021
15. Loris Baz, Ducati, 1:57,121
16. Jack Miller, Honda, 1:57,850
17. Michele Pirro, Ducati, 1:57,891
18. Tito Rabat, Honda, 1:58,016
19. Stefan Bradl, Aprilia, 1:58,066
20. Eugene Laverty, Ducati, 1:58,269
21. Hiroshi Aoyama, Honda, 1:58,744
22. Alvaró Bautista, Aprilia, 1:58,753
23. Takuya Tsuda, Suzuki, 2:00,578

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