Moriwaki plante die Honda-Revolution seit drei Jahren

Von Gordon Ritchie
Superbike-WM
Teamchefin Midori Moriwaki (li.)

Teamchefin Midori Moriwaki (li.)

In der Superbike-WM 2019 sehen wir zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder Werksmaschinen der Honda Racing Corporation. Teamchefin Midori Moriwaki erklärte gegenüber SPEEDWEEK.com die Hintergründe.

Ende Oktober sickerte im SBK-Fahrerlager durch, dass Honda und die Teams Moriwaki und Althea nächste Saison zusammenarbeiten werden. Dann kam die Motorradmesse EICMA in Mailand und Honda stellte das neue Team offiziell vor. Nach der Trennung vom langjährigen Partner Ten Kate Racing würde man Großes für 2019 erwarten, war zu hören.

Seit 2002 war Honda in der Superbike-WM nicht mehr werksseitig vertreten, Honda Motor Europe war seither mit der Abwicklung, Betreuung und Finanzierung beauftragt.

Jetzt gibt es eine neue Partnerschaft zwischen Honda, Moriwaki und Althea. Die führende Kraft hinter dem neuen Team ist Midori Moriwaki, die schon länger Ambitionen hegte, in die Superbike-WM zu kommen. Ihr Vater Mamoru Moriwaki ist der legendäre Chassis-Hersteller aus Japan, der schon in den 1980er-Jahren mit Stars wie Wayne Gardner erfolgreich war und immer über die engsten Kontakte zu Honda verfügte. Moriwaki gewann 2010 die Moto2-Fahrer-WM mit Toni Elias.

Einiges musste passieren, damit das Althea-Moriwaki-Honda-Projekt für 2019 Realität wurde. Der Engländer Leon Camier und der dreifache WM-Laufsieger Ryuichi Kiyonari aus Japan wurden als Fahrer verpflichtet.

SPEEDWEEK.com sprach mit Midori Moriwaki und ließ sich die Hintergründe erklären.

Midori, wie ist dieses Projekt entstanden?

In der Japanischen Meisterschaft fahren wir seit 2017 mit Pirelli-Reifen, was eigentlich bereits für 2016 geplant war. Damals fuhren wir in der Superbike-Klasse mit Yuki Takahashi. Im ersten Jahr wollte ich herausfinden, welches Potenzial die CBR1000RR hatte. Moriwakis Philosophie ist, dass wir immer versuchen Weltmeisterschaft zu fahren. Wie in der Vergangenheit in der Moto2- oder MotoGP-WM.

Wir wollten immer in die Weltmeisterschaft zurückkehren. Wir haben Rahmen und Chassis’ designt und gebaut, ganze Motorräder. Als wir in Japan zu den Superbikes zurückkehrten, wollte ich mit Pirelli-Reifen fahren, weil sie die Einheitsreifen der Superbike-WM sind. Es war auch eine neue Herausforderung, die Pirelli-Reifen bei den japanischen Superbikes und im Acht-Stunden-Rennen zu benutzen, weil die Bridgestone-Reifen so stark sind. Alle haben zu mir gesagt, dass ich verrückt sei. Früher haben alle die Bridgestone-Reifen für die Rennen benutzt, aber ich habe aufs Weltniveau geschaut – das ist der Grund.

Es gab einen Zwei-Jahres-Plan, um die Pirelli-Reifen und ihre Kombination mit der CBR1000RR zu verstehen. Als ich letztes Jahr auf die Pirelli-Reifen umgestiegen bin, brauchte ich einen Teamkollegen für Yuki Takahashi und habe mich für Ryuichi Kiyonari entschieden. Am Anfang habe ich zu ihm gesagt: «Kiyo, wir wollen wieder auf Weltniveau kommen und dafür brauche ich deine Hilfe. Wir müssen beim Acht-Stunden-Rennen von Suzuka mitfahren. Willst du diese Herausforderung mit mir annehmen?» Und er antwortete: «Ja, verdammt!» Er wollte unbedingt ein Teil des Projekts werden.

Alle waren überrascht, als wir das Ganze verkündet haben, aber es wurde schon seit zwei oder drei Jahren geplant. Damals wussten weder HRC noch Honda von meinen Plänen, aber ich habe ihnen erklärt, warum ich mit Pirelli-Reifen antreten will. Ich glaube, vor zwei Jahren war den Leuten nicht klar, dass ich das ernst meine.

Dann habe ich Schritt für Schritt angefangen, das ganze Projekt vorzubereiten und Honda erklärt, was ich vorhabe. Zwischen Moriwaki und Honda besteht eine langjährige Beziehung. Deshalb glaube ich, dass ich mich glücklich schätzen kann, dass sie mir diese Chance geben.

Warum wolltest du unbedingt in die Superbike-WM?

Alle, denen ich von meinen Plänen erzählt habe, haben mich ausgelacht. Aber ich setze meine Pläne immer in die Tat um.

Trotzdem wird es nicht leicht, das alles noch einmal zu machen. Die Leute fragen mich oft, warum ich mir das alles noch einmal antue. Ich antworte ihnen: «Weil wir noch immer keinen Weltmeistertitel haben.» In der Moto2 holte Toni Elias den Weltmeistertitel, aber den Konstrukteurs-Titel haben wir nicht gewonnen. Wegen eines Punkts oder so.

Mir ist bewusst, dass der Motorradrennsport keinesfalls einfach ist, aber man kann damit auch die Herzen der Menschen bewegen.

Wenn man nicht aufgibt, wird man sein Ziel irgendwann erreichen. Die Superbike-WM nächstes Jahr wird eine ganz andere Saison als damals in Moto2, weil alle dabei sind. Ducati und BMW, Kawasaki ist immer sehr stark und Yamaha ist ebenfalls dabei. Es wird eine ganz andere Situation sein, was gut für das Umfeld des Motorradmarkts ist. Ich hoffe, dass das mehr Motorradfans anzieht als zuvor.

Die finale Entscheidung hat nicht viel Zeit gebraucht. Aber wann hast du das Okay bekommen und wann ist es zum Einverständnis mit Althea gekommen?

HRC, oder Honda selbst, war lange nicht in der Superbike-WM involviert. Also haben sie gesagt, dass sie Moriwaki vertrauen, wenn ich meinem Team vertraue. Ich hoffe, dass ich sie nicht enttäuschen werde. Ich habe ihnen von Althea erzählt. Ich kenne Genesio Bevilacqua seit 2007 oder 2008, das hat mir sehr geholfen, weil auch die menschliche Beziehung sehr wichtig ist, wenn man ein schwieriges Projekt verwirklichen will.

Nur um das klarzustellen: Werdet ihr das offizielle Honda-Team in der Superbike-WM sein?

Es ist mein Projekt, aber auch eine Schnittstelle zu Honda. Ich weiß nicht, wie man das nennt, aber ich glaube, dass wir das offizielle Team sind. Wir arbeiten mit beiden Seiten von Honda, mit Honda Motor, aber auch mit HRC. Ich wende mich an die unterschiedlichen Leute, je nachdem welches Anliegen ich habe. HRC ist verantwortlich für die Motorräder und auch für die technischen Daten. Um alles andere kümmert sich Honda Motor.

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