Teamkollegen kennen sich nicht

Kolumne von Robert Barth
Speedway
Robert Barth zweifelt am neuen Liga-System

Robert Barth zweifelt am neuen Liga-System

Ich habe nichts gegen Veränderungen, ob das neue Bundesliga-System aber wirklich besser ist, da habe ich so meine Zweifel.

Die Speedway-Bundesliga hat im alten Vierer-System funktioniert und war spannend. Jetzt geht man her, und wandelt ein gutes Produkt um. Team gegen Team hört sich interessant an, Paarfahren ist in Deutschland aber nicht unbedingt ein geliebtes Kind.

Die Leistungsunterschiede zwischen den A- und den C-Fahrern werden nicht so gross sein, wie manche befürchten. Einer wie Frank Facher, der auf Junior-Position fährt, ist schon letztes Jahr auf hohem Niveau gefahren und teilweise ganz schön um die Bahn geblasen. Da sehe ich also nicht so das Problem. Man lobt ja auch ständig unseren guten Nachwuchs, jetzt können sie sich gegen die A-Fahrer beweisen.

Dass sich an der Fankultur viel ändern wird, glaube ich nicht, ich lasse mich aber auch gerne eines besseren belehren. Warum soll ein Fan aus Memmingen oder Olching nach Diedenbergen zum Bundesligarennen fahren, wenn nach 14 Läufen das Rennen erledigt ist? Früher ging es nach 14 Läufen erst richtig los! Wenn ich 15 Euro Eintritt bezahle, will ich nicht nur Rahmenprogramm, sondern vor allem Hauptrennen sehen. Dieses ist aber nicht mehr besonders lange. Wenn ich gutes Geld bezahle, möchte ich auch guten Sport sehen.

Ich muss heute gleich viel Eintritt wie in der letzten Saison bezahlen, bekomme aber weniger hochkarätige Läufe zu sehen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Ligarennen erst nach 12 oder 14 Läufen richtig losgingen. Da wurde es erst richtig interessant und zwei oder drei Mannschaften lagen innerhalb eines Punktes.

Wenn im neuen System eine Mannschaft nicht ideal besetzt ist oder keinen guten Tag hat, kann es sein, dass nach 8 oder 10 Läufen alles gelaufen ist. Das sieht man auch in England oder Polen. Dazu kommt das Paarsystem. Ich selbst fuhr noch Speedway-Paar-WM und ab und zu ein offenes Rennen in diesem System. Wenn wir die vier deutschen Topfahrer ausklammern, stehen alle anderen gegenüber den guten internationalen Piloten hinten an. Wie soll ein Speiser oder Deddens mit einem Protasiewicz oder Lindbäck Paarfahren? Sollte einer aus der deutschen B-Garnitur mal den Start gewinnen, wird er nicht im Traum daran denken, Paar zu fahren. Er muss dann schauen, dass er weiter kommt. Wenn man ein oder zwei Klassen schlechter ist als der Gegner, und trotzdem vor ihm liegt, dann hat man keine Zeit sich umzuschauen, sondern muss zufahren.

Die Fahrer innerhalb eines Teams kennen sich ja auch nicht so, wie das in England oder Polen der Fall ist. Woher soll ein Walasek seinen Teampartner kennen? Er sieht den C-Fahrer aus seinem Team vielleicht nur einmal im Jahr. Er weiss weder wie der Teamkollege aussieht, noch wie er fährt. Es wird also wieder zu keinem Paarfahren kommen.

Ich will das neue System aber nicht im Vornherein tot reden. Man hätte aber nicht blind dem folgen sollen, was in anderen Ländern gemacht wird, sondern die Sache etwas mehr überdenken müssen. Man hätte sich ja auch etwas Eigenes überlegen können. Ich werde mir einige Ligarennen live anschauen, nach einer Saison wird man dann sehen, ob die Entscheidung zur Umstellung richtig war.

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