Supersport-WM

Randy Krummenacher über die Fehler in den GP-Jahren

Von - 22.10.2019 11:17

Supersport-Pilot Randy Krummenacher hat am kommenden Samstag in Katar die Chance, als erster Schweizer seit Tom Lüthi 2005 einen WM-Titel auf der Straße zu gewinnen. Teil 1 des großen Karriere-Rückblicks.

Randy Krummenacher debütierte 2006 als Red Bull KTM-Junior beim Donington-GP in der 125er-WM. Er bestritt damals hauptberuflich die IDM 125 und sprang in England als Ersatz für den verletzten Werksfahrer Julián Simón ein.

Krummenacher war bis Ende 2008 bei Red Bull KTM unter Vertrag, fuhr dann 2009 und 2010 beim niederländischen Molenaar-Team eine Aprilia. 2011 und 2012 steuerte er im Grand Prix Team Switzerland eine Moto2-Kalex, 2013 bei Technomag eine Suter, 2014 bei IodaRacing und 2015 bei JiR wieder eine Kalex. In der Moto2-WM kam Randy von 2011 bis 2015 über folgende Gesamtränge nicht hinaus: 18, 18, 17, 24 und 21.

In Valencia 2015 bestritt Krummenacher seinen 145. Grand Prix. Nach dieser Saison beendete er seine GP-Karriere und fährt seit 2016 in der Supersport-WM. Mit einem Jahr Unterbrechung: 2017 war er in der Superbike-WM unterwegs. 2016 und 2017 fuhr der heute 29-Jährige Kawasaki, seit 2018 für das Team Bardahl Evan Bros eine Yamaha R6.

Krummi kommt als WM-Leader mit acht Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Federico Caricasulo zum Finale nach Katar am kommenden Wochenende, wo alles einen Tag früher als sonst stattfindet und das Rennen Samstagabend (Start 17.15 Uhr MESZ) ist. Gewinnt Krummenacher das Rennen oder wird Zweiter, ist er erster Schweizer Straßen-Weltmeister seit Tom Lüthi 2005 in der 125er-Klasse. Kommt er vor Caricasulo ins Ziel und wird mindestens 13., ist er selbst bei einem Sieg von Jules Cluzel Champion. Wird Krummi Dritter oder schlechter und landet hinter Caricasulo, hängt alles vom Ergebnis des Italieners ab.

Randy, lass uns über die GP-Karriere sprechen. Bei dir ist nach dem Rückzug des KTM-Werksteams einiges schiefgelaufen. Du hast dir nicht immer die richtigen Teams ausgesucht?

Ja, ganz klar, KTM war eigentlich der Höhepunkt in meiner GP-Karriere. Ich war 2007 Dritter beim Barcelona-GP, in meiner ersten GP-Saison. Auch die ersten Moto2-WM-Rennen 2011 waren super.

Bei KTM war ich sehr jung und habe danach viele Jahre gebraucht, um zu merken, wie viel dort gut gewesen ist. Klar, es war halt ein Werksteam, mit sehr vielen Vorteilen. Ich war aber damals noch nicht bereit, diese Möglichkeiten komplett auszuschöpfen. Der Koyama ist ja 2007 WM-Dritter geworden. Ich habe schon zu schätzen gewusst, welche Gelegenheit mir KTM bietet. Aber es war meine erste Saison...

Nachher ist einiges schiefgelaufen. Ich habe extrem viel gelernt.

Man hätte viele Fehler vermeiden können, wenn ich einen Ex-GP-Fahrer als Berater gehabt hätte. Die meisten Ex-Rennfahrer kennen diese Fallen. Sie hätten mich beraten können. Marc Márquez ist zum Beispiel durch Alzamora vor diesen Fehlern bewahrt worden. Randy Mamola hat auch schon einige Talente gefördert, zum Beispiel Bradley Smith. Aber ich habe damals keinen solchen Berater gehabt. Aber «hätte» und «wäre»...

KTM hat das Werksteam Ende 2008 zugesperrt. Du hast damals genügend Schweizer Sponsoren gehabt und hast ein Team mit Aprilia-Werksmaschinen gesucht. Der ehemalige Aprilia-Renndirektor Jan Witteveen hat damals Teams wie Ajo, Fontana und Campetella empfohlen. Aber du wolltest lieber ins niederländische Molenaar-Team, das aber wenig Erfahrung mit Aprilia und nicht genug Geld hatte.

Wir hatten Kontakt mit vier oder fünf Teams. Das Toth-Team wollte mich zum Beispiel für die 250er-WM. Das wäre auch nicht schlecht gewesen, denn ich bin damals schon groß gewesen...

Die Konstellation mit Molenaar war nicht ideal. Aber das war halt mein Weg, den ich gegangen bin. Es gibt noch viel, was nicht optimal gewesen ist. Es ist heute sinnlos, darüber zu studieren. Es ist einige Zeit her. Ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann mich nur bemühen, es in Zukunft besser zu machen.

2010 warst du ja bei Molenaar immerhin WM-Neunter.

Ja, im zweiten Jahr. Da lief es besser.

Danach war der richtige Zeitpunkt für den Umstieg in die Moto2-Klasse für 2011?

Ganz klar, ja, ich habe es ja gleich bestätigt. Ich war nach dem Sachsenring in meiner ersten Moto2-Saison WM-Achter. Dann hat es geknallt.

Dein persönlicher Manager Robert Siegrist hat sich dann mit Teambesitzer Marco Rodrigo zerstritten, der für dich das Grand Prix Team Switzerland gegründet hat? Was ist damals genau vorgefallen?

Das Problem war, dass sich Marco und Sigi nicht mehr verstanden haben. Es war unmöglich, diese Konstellation bis zum Saisonende zu behalten, weil auch die Sponsoren Druck gemacht haben. Es war eine total unmögliche Situation.

Ich war damals 20 Jahre alt, also noch um einiges jünger. Ich konnte das nicht in kurzer Zeit verdauen und verstehen. Das hat mich total gestresst. Ich war ja vorher bei Sigis Firma angestellt. Er hat meine Autoversicherung bezahlt... Ich wollte damals in der Sommerpause in die Ferien und mich erholen. Aber dann bin ich drei Wochen lang jeden Tag im Büro gesessen und habe probiert, die Probleme zu lösen, es gab ein Meeting nach dem andern. Dazu hatte ich auf dem Sachsenring eine Lebensmittelvergiftung erlitten. Das war ein Riesenstress. Deshalb ist nachher bei den Rennen nichts mehr vorwärts gegangen ich bin auf den 18. WM-Rang zurückgefallen.

Du warst dann auch finanziell knapp bei Kasse?

Ja, zuerst entstand ein riesiges finanzielles Loch. Ich habe nach der Trennung von Manager Siegrist kein Geld mehr erhalten. Ich musste aber meine Wohnung bezahlen und plötzlich auch die Autoversicherung und so weiter. Das war eine harte Nuss. Denn die Sponsoren haben wir durch meine Erfolge gefunden, aber am Schluss habe ich nichts davon gehabt. Zum Glück haben mir die Sponsoren damals geholfen, dass ich die Saison zu Ende fahren konnte.

Wann hast du diese Misere überwunden?

Ich habe mich auch 2012 nicht von diesem Rückschlag erholt. Ganz klar.

Dazu kam noch das Problem mit meinem Chefmechaniker beim Grand Prix Team Switzerland.

Das war der umstrittene Belgier Gary Reinders. Wie ist der damals zu euch gekommen?

Er ist von Teammanager Jarno Janssen mit Teamchef Marco Rodrigo in Kontakt gebracht worden. Ich habe ihn nicht gekannt. Mir wurde gesagt, er sei bei Tech3-Yamaha in der MotoGP mit Colin Edwards gewesen.

Ich bin in diesem Fall lange, lange Zeit blind gewesen. Ich habe ihm alles geglaubt und gedacht, er sei super. Er hatte ja bei Tech3 im Jahr 2010 auch Erfolge – mit dem GP-Sieg von Yuki Takahashi.

Aber das erste Moto2-Jahr kann man mit den folgenden Jahren nicht vergleichen. Das Feld ist dann viel dichter zusammengerückt.

Reinders hatte die Schnapsidee, dich als einzigen Fahrer mit Kayaba fahren zu lassen. Alle anderen Moto2-Fahrer waren mit Öhlins unterwegs.

Der Punkt ist: Ich habe einen großen Fehler gemacht: Ich habe mir das alles gefallen lassen. Ich dachte mir: Ohne dieses Team kann ich nicht Motorradrennen fahren. Ich habe deshalb zu allem Ja und Amen gesagt. Das war mein größter Fehler.

2011 hast du in deiner ersten Moto2-Saison in Estoril gleich Platz 7 erreicht, dann Platz 5 in Barcelona, Platz 11 in Silverstone, Platz 9 in Assen, dann warst du vor Tom Lüthi Vierter auf dem Sachsenring, nur 3,4 Sekunden hinter Sieger Marc Márquez. Du bist als WM-Achter in die Sommerpause gegangen. Aber danach ist viel schief gelaufen?

Es ist einfach alles Scheiße gewesen. Ich musste mich von Manager Robert Siegrist trennen, und die Zusammenarbeit mit Crew-Chief Gary Reinders hat auch nicht geklappt. Es sind einige Fehler passiert. Dadurch war mein Vertrauen nicht da.

Ist Reinders damals frühzeitig entlassen worden? Das stand zumindest mehrmals zur Diskussion?

Nein, er ist leider nicht hinausgeschmissen worden.

Nach zwei Jahren wurde das Grand Prix Team Switzerland, das nur für dich gegründet wurde, dann aufgelöst. Waren die ausbleibenden Erfolge schuld?

Nein, der offizielle Grund ist gewesen, dass Teambesitzer Marco Rodrigo Luis Salom in der Moto3-WM fahren lassen wollte. Er hat ihn unter Vertrag genommen, aber dann keinen Startplatz bekommen. Er hätte einen «commercial entry» akzeptieren und rund 200.000 Euro extra zahlen müssen. Das wollte er nicht akzeptieren. Deshalb hat er gleich ganz aufgehört.

Lesen Sie am Mittwoch Teil 2.

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