WRC

Fazit Rallye Korsika: Grand mit Vieren

Von Christian Schön - 13.04.2017 15:53

Über Mangel an Abwechslung oder Spannung kann man sich in der Saison 2017 nicht beklagen. Und Weltmeister Sébastien Ogier ist sauer auf sein Team.

Vier Rallyes liegen hinter uns. Vier verschiedene Sieger haben gejubelt, von vier unterschiedlichen Herstellern. Dass die WM-Saison 2017 eine der spannendsten seit Jahren wird, ist längst mehr als nur ein Trend. Dafür ist der Ausstieg von Volkswagen sicherlich ein erheblicher, aber nicht der einzige Grund.

Auch der Wechsel der Rallye Korsika vom Herbst ins Frühjahr trug seinen Teil dazu bei. Statt wie in den vergangenen Jahren ein halbes Dutzend Schotter-Rallyes am Stück gab's 2017 als Zwischengang einen Asphalt-Lauf. Dadurch entzerrt sich auch die Problematik der Startreihenfolge etwas. Sébastien Ogier jedenfalls schien auf Korsika mit Startposition eins ziemlich glücklich.

Citroën hat mit dem Sieg in Mexiko und der starken Vorstellung von Kris Meeke auf Korsika gezeigt, dass der C3 WRC zusammen mit dem Hyundai i20 WRC momentan das Topauto ist. Meekes Ausfall ist nach Angaben des Teams einem Ölleck zu verdanken. Wo genau die Undichtigkeit auftrat, will man noch nicht verraten. Wenn man gesehen hat, wie die World Rally Cars funkenstiebend beim Kurvenschneiden aufsetzen, kann man sich gut vorstellen, dass dabei auch mal eine Anschluss einer Ölleitung bricht.

Meeke war außerdem so ziemlich der einzige Fahrer, der nicht schon im Ziel der ersten Wertungsprüfung über eine «nicht optimale» Abstimmung von Fahrwerk oder Mitteldifferenzial klagte. Das Team, dass noch bei der Rallye Monte Carlo auf Asphalt im Nirgendwo war, hatte vor der Rallye Korsika das Vorgängermodell DS3 WRC für Vergleichsmessungen noch einmal aus der Garage geholt. Auf einer bereits tausendfach genutzten und mit entsprechend vielen Daten versehenen Teststrecke begann man bei der Abstimmung des C3 WRC praktisch noch einmal bei Null. Mit Erfolg.

Die Herren Konkurrenten müssen sich dagegen die Frage gefallen lassen: Was habt Ihr eigentlich bei den tagelangen Testfahrten vor der Rallye gemacht?

Ganz vorne in der Reihe der Beschwerdeführer: Schweden-Sieger Jari-Matti Latvala. Der Finne hatte zwar eine Idee, wie er seinen Toyota umbauen könnte. Wohlweislich traute er sich allerdings nicht, eine so entscheidende Änderung mitten in einer laufenden Rallye vorzunehmen.

Zu Latvalas Glück hatte Teamkollege Juho Hänninen – peinlich, peinlich – seinen Toyota schon in WP 1 gegen eine Mauer gesetzt und war früh ohne Chance auf einen Spitzenplatz. Hänninen musste Latvalas Idee ausprobieren – und fuhr damit prompt Topzeiten.

Latvala zog bei nächster Gelegenheit nach. Lohn des Risikos: Mit einer Bestzeit auf der Powerstage verdrängte er Craig Breen (Citroën) noch von Rang vier, mit der Winzigkeit von einer Zehntelsekunde.

Für den späteren Sieger Thierry Neuville löste sich das Abstimmungsproblem mit dem Beginn der zweiten Etappe quasi von selbst. Die unterschiedlichen Streckencharaktere beziehungsweise Straßenbeläge von Freitag (breite Straßen, relativ griffiger Asphalt) und Samstag (schmale Straße, viele Kurven, dadurch viel Dreck vom Cutten auf der Fahrbahn) gaben den Ausschlag. «Als hätte ich ein anderes Auto», freute sich Neuville am Samstagvormittag.

Nachdem er teamintern Kritik wegen der beiden weggeworfenen Siege von Monte Carlo und Schweden einstecken musste, zeigte sich der Belgier endlich wieder als echter Mannschaftskapitän. Er hatte Dani Sordo, einen ausgewiesenen Asphalt-Spezialisten, jederzeit im Griff.

Der dritte, nur mit wenig Asphalt-Erfahrung gesegnete Hyundai-Pilot, Hayden Paddon, war trotz eines Testeinsatzes bei der Rallye San Remo – im i20 R5 – nie bei der Musik. Im Herbst tauscht der Neuseeländer seinen Beifahrer aus. John Kennard wechselt nach der Rallye Finnland in die Teamführung, Seb Marschall übernimmt seinen Posten. Dazu kommen die möglichen psychischen Nachwirkungen des Unfalls bei der Rallye Monte Carlo, bei dem ein Zuschauer getötet wurde – 2017 ist kein einfaches Jahr für Paddon.

Neuville dagegen behielt dieses Mal die Nerven. «Ich habe zwei Mal in einer solchen Situation Mist gebaut. Ein drittes Mal wird es schon rein statistisch nicht geben», machte er sich Mut. «Der Sieg passt besonders, weil wir bei der Rallye Korsika 2011 unseren ersten gemeinsamen Sieg gefeiert haben», blickte Beifahrer Nicolas Gilsoul auf die Jahre der beiden in der Intercontinental Rally Challenge (IRC) zurück.

Weniger ruhig blieb Sébastien Ogier. Dem Weltmeister ist klar, dass der Ford dieses Jahr nicht das beste Auto ist. Aber dank seines brillanten Fahrvermögens hat er zumindest dann eine Chance, wenn die anderen Fehler machen. Es sei denn, sein eigenes Team M-Sport macht ebenfalls Fehler.

Nach Meekes Ausfall (WP 6) hatte Ogier plötzlich Siegchancen – bis sein Fiesta gleich zweimal Technikausfälle zeigte. Ein Hydraulikdefekt und eine aus dem Takt geratene Motorelektronik kosteten über eine Minute.

Es spricht für die Abgebrühtheit von Ogier und Beifahrer Julien Ingrassia, dass sie den waidwunden Fiesta nicht bei erstbester Gelegenheit in die korsische Botanik warfen, sondern mit selbst durchgeführter Reparatur Rang zwei retteten. Aber Ogiers Ansage an M-Sport war eindeutig: «So etwas darf nicht noch einmal passieren.»

Die Tabellenführung vor Verfolger Latvala hat der viermalige Champion trotz der Probleme sogar ausbauen können. Das hätte auch kaum jemand gedacht, als im Dezember 2016 Ogiers Wechsel zum Underdog M-Sport bekannt wurde.

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