WRC

Fazit Argentinien: Die Wandlung des Ott Tänak

Von Christian Schön - 02.05.2018 02:07

Sein bisheriger Weg war von Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Seit dem Sieg in Argentinien gehört der Este plötzlich zu den Anwärtern auf den WM-Titel

Seine Karriere war eigentlich schon beendet. Nach zwei Meistertiteln in der Heimat Estland (2008 und 2009) und viel versprechenden Anfängen in der Rallye-WM (ab 2009) stieg Ott Tänak 2011 zur Nummer 1 im Ford-Team von Malcolm Wilson auf. Offensichtlich zu früh. Überfordert mit einem World Rally Car, wurde er am Jahresende wieder aus dem Cockpit geholt.

Doch Wilson, der einen der besten Riecher der Branche für Nachwuchstalente hat, muss geahnt haben, dass Tänak ein Rohdiamant ist, dessen Bearbeitung halt ein wenig länger dauert als bei Naturtalenten wie dem fünfmaligen Weltmeister Sébastien Ogier. Mit Hilfe von Reifenhersteller DMack ermöglichte er dem Mann von der Ostsee-Insel Saarema nach einem Jahr Pause eine Kombination aus WRC2- und WRC-Einsätzen.

Tänak, der meistens wirkt, als würde er zum Lachen in den Keller gehen, blieb sich zunächst selbst treu. Er lieferte abwechselnd Glanzleistungen und Bruchlandungen ab. Die spektakulärste darunter bei der Rallye Mexiko 2015, als er seinen Fiesta in einen See rollte und sich zusammen mit Beifahrer Martin Järveoja schwimmend retten musste. Es folgte eine weitere Degradierung ins Ford-B-Team DMack.

2017 dann wieder erste Mannschaft. Im Kielwasser des neuen Teamkollegen Sébastien Ogier gelang Tänak endlich der Durchbruch. Er feierte auf Sardinien – auf Schotter – und Deutschland – auf Asphalt seine ersten WM-Siege. Acht Jahre nach der WM-Premiere war das nicht gerade eine Blitzkarriere. «Ich habe viel von Sébastien gelernt», erklärt Tänak seine neuerliche Konstanz. Er war häufig sogar eine Gefahr für den Champion.

Derart starke teaminterne Konkurrenz konnte auf Dauer natürlich nicht gutgehen. Ende 2017 galt Tänak deshalb als heißestes Eisen auf dem Transfermarkt. Eine Chance, die sich Toyota-Teamchef Tommi Mäkinen nicht entgehen ließ.

Wer nun erwartet hatte, dass Tänak eine Weile im Schatten seines im Toyota schon ein Jahr beheimateten Teamkollegen Jari-Matti Latvala stehen würde, sah sich gründlich getäuscht. Trotz relativ kurzer Eingewöhnungszeit beendete er schon den Saisonauftakt in Monte Carlo als Zweiter. Hinter Sébastien Ogier, aber vor Latvala, der nominellen Nummer 1 bei Toyota..

Und während sich Tänak von Rallye zu Rallye steigerte, zeigte Latvala plötzlich Nerven, wie in seiner Zeit bei Volkswagen neben dem übermächtigen Ogier. In Argentinien leistete er sich erneut einen Fahrfehler. Damit muss der Finne nicht nur endgültig die Rolle des Toyota-Mannschaftskapitäns an Tänak abgeben. Auch sein Platz im Team wankt gefährlich.

Tänak war in Argentinien derart überlegen, dass Freund und Feind nur anerkennend den Hut zogen. «Inzwischen ist der Toyota fast so, wie ich gerne hätte», verriet er. Will sagen: Das war noch nicht alles, ähnliche Leistungen könnten in Zukunft zur Selbstverständlichkeit werden.

Aus dem erwarteten Zweikampf um den Weltmeistertitel 2018 zwischen Ogier und Hyundai-Pilot Thierry Neuville dürfte also ein Dreikampf werden. Zumal Tänak mit seinem Sieg bei der Rallye Deutschland 2017 gezeigt hat, dass mit ihm auch auf Asphalt zu rechnen ist.

Mir soll’s recht sein. Auch wenn mir der offenbar schon wieder an einem Teamkollegen zerbrechende Jari-Matti Latvala leid tut. Aber einen Dreikampf um die WM hatten wir schon lange nicht mehr. Vielleicht wird 2018 ja noch spannender als 2017.

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