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Formel 1Kolumne

Der Unscheinbare hat Geburtstag: Eric van de Poele ist 65

An diesem 30. September feiert ein Belgier Geburtstag, der die DTM 1987 ohne einen Sieg und letztlich wegen eines Missverständnisses seines Teamkollegen gewonnen hat.

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Eric van de Poele in Phoenix 1991 mit dem Team Modena-Lamborghini
Eric van de Poele in Phoenix 1991 mit dem Team Modena-Lamborghini
Foto: Grand Prix Photo
Eric van de Poele in Phoenix 1991 mit dem Team Modena-Lamborghini
© Grand Prix Photo

1987, als Pressesprecher bei BMW für Motorsport, bekam ich im Februar erstmals Kontakt mit unseren Werksfahrern. Und schon damals fiel mir ein junger Mann deswegen auf, weil er so gar nicht auffiel: Eric van de Poele.

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Sein Name war mir bis dahin unbekannt, der in Verviers geborene Belgier, der noch die vier weiteren Vornamen Francis, Edouard, Ghislain und Thérèse trägt, war tatsächlich in Deutschland ein No-Name. Zwar fuhr er schon 1984 in Frankreich in der Formel 3, hatte in der Formel Ford seines Heimatlandes gewonnen und war in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft unterwegs gewesen.

Doch das sollte sich ändern, als er 1987 auf einem BMW M3 des Zakspeed-Teams im damaligen Junior-Team zusammen mit dem Deutschen Marc Hessel zu gewisser Berühmtheit gelangte. Dabei wollte und sollte es anscheinend zu keinem einzigen Sieg kommen. Schon beim zweiten Lauf der DTM im belgischen Zolder, seinem Heimrennen, hatte van de Poele zwar Pole-Position und schnellste Rennrunde geholt, doch das Rennen selbst gewann Teamkollege Hessel.

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Auch beim Flugplatzrennen Wunstorf stand der Belgier wieder auf dem ersten Startplatz, hier aber schnappte ihm Markenkollege Harald Grohs den Sieg weg. Dass er am Ende der Saison dennoch Meister werden konnte, mit nur drei Punkten Vorsprung vor Manuel Reuter auf einem Ford Sierra XR4Ti, hatte er wiederum einem Missverständnis seines Teamkollegen Hessel zu verdanken, der am Ende Gesamtdritter wurde.

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In diesem letzten Rennen am 23. August auf dem Salzburgring, an einem brütend heißen Tag, war Hessel der Meinung, dass er van de Poele, der im Rennen hinter ihm lag, noch vorbei lassen müsse und wartete wenige hundert Meter vor der Ziellinie auf ihn. Erst als der Belgier dann an ihm vorbei war und er in die Boxe fuhr, wurde ihm klar, dass er damit die Chance, selbst das Championat zu gewinnen, versemmelt hatte. Was folgte, waren ein verdutzter Eric van de Poele, der mit seinem unverhofften Erfolg zunächst etwas überfordert war und ein völlig perplexer Marc Hessel, der sich sofort ins Zakspeed-Motorhome zurückzog, um dort seinen Verzweiflungs-Tränen nachzugeben.

Fünf Jahre später sollte aber auch Eric van de Poele einen solch bösen Moment erleben. Denn als Schlussfahrer im 24-Stunden-Rennen von Spa 1992, damals im Schnitzer-Team unterwegs, hatte er sich an die Order gehalten, wegen des angeblich knappen Benzinvorrats in seinem BMW M3 nicht mehr voll zu fahren. Diese Situation war aber Steve Soper, der auch einen M3 im Bigazzi-Team steuerte, mitgeteilt worden. Und so gab der Brite alles, schlug den Belgier schließlich mit nur 48 Hunderstelsekunden, wurde somit der wohl knappste Langstrecken-Sieger aller Zeiten.

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Van de Poele, der zudem auch körperlich am Ende war nach diesem ebenfalls sehr heißen Renntag, fiel völlig erschöpft aus dem Auto und musste mit einer riesigen Enttäuschung kämpfen. Immerhin konnte er den Klassiker in den Ardennen noch vier Mal siegreich beenden: 1998 auf einem BMW 318i, sowie 2005, 2006 und 2008, jeweils auf einem Maserati MC 12-Sportwagen.

Natürlich war es der Traum auch von Eric, einmal in einem Formel-1-Auto zu sitzen. Und so hatte er 1991, nach immerhin drei Rennsiegen und als Vizemeister 1990 in der Formel 3000, beim italienischen Modena-Team einen Vertrag unterschrieben. Sein Auto, ein Lambo 291, war allerdings kein Hit, und so wechselte er 1992 zum Brabham-Team. Doch auch der damalige BT 60B war kein Sieg-Auto, also zog es ihn zu Fondmetal, zu einer italienischen Scuderia. Aber der Fluch, in Autos finanzschwacher Rennteams zu sitzen, sollte ihn auch hier nicht verlassen, und so beendete er etwas frustriert seine Karriere in der höchsten Rennklasse.

Immerhin aber gewann er 1995 auf einem Ferrari 333 SP und ein Jahr später auf einem Riley & Scott mit amerikanischen Teams das 12-Stunden-Rennen von Sebring. Und er startete elf Mal bei den 24 Stunden von Le Mans – sein bestes Ergebnis war hier 2001 der dritte Platz auf einem Bentley EXP mit Andy Wallace (Großbritannien) und Butch Leitzinger (USA).

In Summe hatte er in seiner aktiven Zeit immerhin 37 Siege eingefahren und stand 98 Mal auf dem Podium, kein schlechtes Ergebnis für einen Rennfahrer, der – zumindest nach außen hin – doch eher unscheinbar wirkte.

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