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Die Formel-1-Exoten: Der Ungar Zsolt Baumgartner und andere Einzelgänger

Wir stehen vor dem Grossen Preis von Ungarn. Nur ein Einheimischer hat es bislang an den Start seines Heim-GP in Budapest geschafft: Zsolt Baumgartner. Eine Story von Einzelgängern in der Formel-1-WM.

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Neun Nationen sind in der Formel 1 mit bislang nur einem Fahrer vertreten, darunter auch Ungarn. Eine Geschichte von GP-Exoten.

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  • Ungarn: Zsolt Baumgartner

  • 2003/2004

  • 20 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 8. in Indianapolis 2004

Im Rahmen der Formel-1-WM haben wir nur einen GP-Piloten aus Ungarn erlebt: Zsolt Baumgartner aus Debrecen. Baumgartner, heute 38 Jahre alt, fuhr von Ungarn 2003 bis Brasilien 2004 insgesamt 20 WM-Läufe für Jordan und Minardi. Beim Heimrennen auf dem Hungaroring wurde er 2004 15., das Highlight seiner Karriere war Rang 8 in Indianapolis in der gleichen Saison. Damit wurde er WM-20. Noch Jahre später war er im Formel-1-Fahrerlager anzutreffen, als Fahrer des beliebten Formel-1-Zweisitzers.

  • Chile: Eliseo Salazar

  • 1981–1983

  • 24 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 5. in Imola 1982

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In der Formel 1 hat er zwar keine Bäume ausgerissen, aber in seiner Heimat Chile ist Eliseo Salazar ein Volksheld. Der heute 64-Jährige aus Santiago, der von 1981 bis 1983 insgesamt 24 Grand Prix bestritt und dabei immerhin drei WM-Punkte erzielte, wurde im GP-Sport durch eine skurrile Szene weltberühmt. In Hockenheim 1982 schoss er den Brabham-Star Nelson Piquet ab, als der Brasilianer den ATS-Fahrer überrunden wollte. Piquet sprang fuchsteufelswild aus seinem Renner und deckte Salazar mit Boxhieben und Fusstritten ein, die Bilder gingen um die Welt (googeln Sie das mal auf YouTube). Salazar reagierte wie eine Memme und wehrte sich kaum.

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  • Tschechien: Tomás Enge

  • 2001

  • 3 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 12. in Monza 2001

Tomás Enge ist einer der wenigen Formel-1-Fahrer, die im Netz der Dopingkontrollen hängenblieb. Wegen unerlaubten Marihuana-Konsums wurde ihm der Formel-3000-Titel 2002 aberkannt, da hatte er seine drei Einsätze im Rennstall von Prost (vormals Ligier) hinter sich. Im Juni 2012 wurde Enge erneut positiv getestet, im August verhängte der Autoverband FIA eine Sperre von 18 Monaten. Danach kehrte der Tscheche in den Rennsport zurück und fuhr Sportwagen.

  • Indonesien: Rio Haryanto

  • 2016

  • 12 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 15. in Monaco 2016

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Weil Rio Haryanto eher selten in die Rückspiegel zu schauen pflegte, was GP-Stars wie Sebastian Vettel nervte, wurde dem Asiaten ein wenig schmeichelhafter Titel verliehen – der Blindonesier. Haryanto trug immer das Etikett des klassischen Pay-Drivers. Monatelang hatte Haryantos Manager Piers Hunnisett versucht, die notwendigen Mittel aufzutreiben, um den Schritt in die Formel 1 zu schaffen. Dann war es endlich geschafft, wie anlässlich einer Pressekonferenz in Jakarta verkündet wurde, am Stammsitz von Rio Haryantos langjährigem Sponsor Pertamina (Öl). Haryanto hatte 2015 in der GP2 (heute Formel 2) immerhin drei Rennen gewonnen, und er schlug sich in der Formel 1 tapfer. Doch im Sommer 2016 hatte Pertamina keine Lust mehr auf Formel 1, damit wurde Rio bei Manor Racing durch Esteban Ocon ersetzt.

  • Liechtenstein: Rikky von Opel

  • 1973/1974

  • 10 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 9. in Anderstorp und Zandvoort 1974

Geboren in New York, aber an sich Liechtensteiner mit Ahnen aus Deutschland, wir stellen vor: Frederick "Rikky" von Opel – Urenkel von Firmengründer Adam Opel. Von Opel begann seine Rennkarriere unter dem Pseudonym Antonio Bronco, doch als er mit dem Gewinn einer britischen Formel-3-Meisterschaft (Lombard North Central Championship) 1972 bewiesen hatte, dass er durchaus Autofahren konnte, war Bronco schon längst in Pension geschickt und durch den richtigen Namen ersetzt. 1972 schlug von Opel auf dem Weg zum Titel immerhin jenen Tony Brise, der Jahre später als kommender GP-Sieger galt und der zusammen mit Graham Hill 1975 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Von Opel und sein Vermögen standen hinter dem Formel-1-Projekt des früheren Rennfahrers Morris (Mo) Nunn, der mit ihm 1973 in den GP-Sport aufstieg. Von Opel und Nunn schlugen sich mit dem Modell MN01 (N173) beachtlich, für 1974 wurde der N174 (oder MN02) gebaut, doch nach einem katastrophal schlechten Training in Argentinien verliess von Opel das Team Knall auf Fall. Er ersetzte im Brabham-Werksteam Richard Robarts (der kein Geld mehr hatte). Von Opel wurde in Schweden und den Niederlanden jeweils Neunter (seine besten Formel-1-Ergebnisse), nach einer Nichtqualifikation in Frankreich hängte er mit 26 Jahren den Helm an den Nagel. Sein Cockpit ging an den talentierteren Carlos Pace aus Brasilien. Über das spätere Leben von von Opel ist so gut wie nichts bekannt. Angeblich lebt er in Thailand, als Buddhisten-Mönch.

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  • Malaysia: Alex Yoong

  • 2001/2002

  • 14 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 7. in Australien 2002

In einem überaus empfehlenswerten Buch hat Alex Yoong (43) davon geschrieben, wie er bei Minardi komplett über den Tisch gezogen worden ist. Richtiges Feuer konnte der Malaysier chinesischer Abstammung bei seinen Landsleuten nie entfachen. Das war mit zweitklassigem Material auch schwierig. Yoong hatte überdies das Pech, beim kleinen Rennstall gegen hervorragende Stallgefährten antreten zu müssen: 2001 gegen den kommenden Superstar Fernando Alonso, 2002 gegen den späteren GP-Sieger Mark Webber. Nach der Formel 1 fuhr Yoong in allen möglichen Rennserien: ChampCar, Porsche-Cup Asien, V8-Supercars in Australien, A1 Grand Prix, wo er vier Mal gewann, Le Mans Series, GP2, bevor er zu seiner alten Liebe zurückkehrte, dem Wasserskisport.

  • Marokko: Robert La Caze

  • 1958

  • 1 Grand Prix

  • Beste Platzierung: 14. in Ain-Diab

Der in Paris geborene Marokkaner bestritt nur einen WM-Lauf – das Heimrennen 1958 auf dem sündhaft schnellen Wüstenkurs von Ain-Diab bei Casablanca. La Caze sass in einem Formel-2-Cooper, den er in Eigenregie einsetzte. Damit wurde er Dritter seiner Klasse und im Gesamtklassement 14., fünf Mal überrundet von Sieger Stirling Moss. La Caze verbrachte seine komplette Rennkarriere in Nordafrika, und da er längst eine marokkanische Rennlizenz besass, war das für die Organisatoren des WM-Lauf die willkommene Gelegenheit, einen Einheimischen am Start zu haben. La Caze machte sich auch bei Strassen- und Tourenwagenrennen einen Namen und ging ebenfalls bei Rallyes an den Start. 1954 gewann er die internationale Marokko-Rallye auf einem Simca und pilotierte 1957 bei den 24 Stunden von Le Mans einen Werks-Gordini. La Caze starb im Juli 2015 in Frankreich.

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  • Polen: Robert Kubica

  • 2006–2018

  • 97 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 1. in Kanada 2008

Der Pole Robert Kubica stand mitten in einer vielversprechenden GP-Karriere – Bestzeit bei den Wintertests 2011 in Valencia mit seinem Renault R31, 2012 sollte er neben Fernando Alonso in einem Ferrari sitzen. Doch ein schwerer Unfall bei der italienischen Rallye "Ronde di Andora" am 6. Februar 2011 veränderte alles. Erst nach langer Reha-Phase kehrte Kubica in den Motorsport zurück, allerdings nicht mehr als GP-Pilot, sondern auf die Rallye-Piste. Von Ungarn 2006 bis Abu Dhabi 2010 hatte er 76 Formel-1-WM-Läufe bestritten, 2008 eroberte er in Kanada einen Sieg (für BMW-Sauber), in jener Saison wurde er WM-Vierter. Doch eine Fortsetzung der GP-Karriere war in weiter Ferne.

2013 holte der heute 32-Jährige den WRC2-Titel. 2014 bestritt er die komplette WM, ein sechster Rang in Argentinien war das Highlight. Doch Kubica träumte immer davon, auf die Rundstrecke zurückzukehren. Im Sommer fuhr er einen Test für Renault, aber den gelben Renner für 2018 erhielt Carlos Sainz. Im November sass Kubica im Williams, aber den GP-Stammplatz für 2018 erhielt der Moskauer Sergey Sirotkin. Kubica gab nicht auf, arbeitete unablässig und schaffte tatsächlich das Motorsportwunder – er fuhr 2019 eine komplette Saison bei Williams. Leider blieben die Ergebnisse enttäuschend, und Kubica konnte sich gegen den jungen George Russell zu wenig durchsetzen, um sich als GP-Stammfahrer zu halten. Kubica wurde Reservist und ersetzte 2021 zwei Mal Kimi Räikkönen. Heute arbeitet Kubica als Ferrari-Werksfahrer in der Langstrecken-WM, 2025 gewann er in Le Mans.

  • China: Zhou Guanyu

  • 2022–2024

  • 68 Grands Prix

  • Beste Platzierung: 8. in Kanada 2002 und Katar 2024

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Zhou Guanyu wurde jahrelang gezielt gefördert, ab 2014 als Nachwuchsfahrer von Ferrari. Die Italiener waren letztlich nicht restlos überzeugt und entliessen ihn 2018 aus der Förderung, Renault sagte «merci» und unterstützte den Chinesen ab 2019. Dabei hatte Zhou in allen Nachwuchsserien als Sieger überzeugt: in der italienischen Formel 4 des Jahres 2015 (Gesamtzweiter), in den Toyota Racing Series 2016, in der europäischen Formel 3 (2016 bis 2018).

Renault setzte Zhou wiederholt in den GP-Renner und förderte den Schritt in die Formel 2. 2021 wurde Zhou Gesamtdritter, aber längst war klar – Renault, nunmehr unter der Bezeichnung Alpine in der Königsklasse, hatte ein Luxusproblem. Die Franzosen wusste nicht, wohin mit ihren Nachwuchsfahrern. Daher wurden die Weichen gestellt, damit aus einem Alpine-Reservisten Zhou ein Alfa Romeo-GP-Pilot Zhou wird. Guanyu wurde in seinem ersten Grand Prix auf Anhieb Zehnter und eroberte einen WM-Punkt, später legte er als Achter in Montreal und erneut Zehnter in Monza nach. Damit wurde der WM-18. Aber weltweite Schlagzeilen machte Zhou mit einem spektakulärem Unfall beim britischen Grand Prix in Silverstone.

2023 errang Zhou erneut WM-Schlussrang 18, dank dreier neunter Ränge in Australien, Spanien und Katar. 2024 war der Chinese der einzige Fahrer von Sauber, der punkten konnte – als Neunter erneut in Katar. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste er längst, dass seine Zeit bei Sauber ablaufen würde. Audi hatte keine Lust, ihm einen neuen Vertrag zu geben. Keinen im Fahrerlager wundert das: Zhou wirkte über weite Strecken der Saison lustlos, bisweilen überfordert, und dass er einige Male schneller war als sein Stallgefährte Valtteri Bottas, war unterm Strich auch keine Hilfe. Heute arbeitet Zhou als Reservefahrer bei Cadillac und glaubt fest an ein Comeback.

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