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Kolumne
Frank Williams vor 40 Jahren: Der Unfall, der alles veränderte
Wie eine zu schnelle Fahrt – nicht im Rennauto, sondern im Mietwagen – das Leben des erfolgreichen Formel-1-Teamchefs Frank Williams uf einen Schlag dramatisch verändert hat.
Testfahrten, zumal für ein Top-Team in der Formel 1, sind eine wichtige Sache. Und so weilte Frank Williams mit seiner Truppe – nach drei Siegen in der Saison 1985 – am Circuit Paul Ricard von Le Castellet in Südfrankreich, um mit dem damals Honda-getriebenen FW11 zu trainieren. Dabei sollte nicht nur Stammpilot Nigel Mansell aus Großbritannien fahren, sondern erstmals auch der von Brabham gewechselte, zweimalige brasilianische Weltmeister Nelson Piquet.
Doch Frank Williams wollte nicht nur gute Ergebnisse auf der Strecke sehen, es drängte ihn an jenem Samstag, dem 8. März 1986, auch nach Hause. Er wollte, wie er später in einem Interview zugab, „unbedingt noch den letzten Flug von Marseille nach England erwischen“. Er bat Peter Windsor, verantwortlich für Sponsoring und Pressearbeit, mitzukommen und flitzte Richtung Flughafen.
Wer die Serpentinen-Straße von Paul Ricard hinunter in die Ebene Richtung Airport kennt, der weiß, dass sie mit ihren teils lang gezogenen Kurven zum Rasen einlädt. Diesem Drang konnte auch Williams nicht widerstehen, der am Steuer eines Ford Sierra-Mietwagens saß.
„Ich war damals sehr nervös und ungeduldig, fuhr daher viel zu schnell, hielt mich keinesfalls an die dort vorgeschriebene Geschwindigkeit“, konstatierte er Jahre später reumütig.
Frank Williams: «Ich war verantwortungslos»
Und so geschah das offensichtlich Unvermeidliche an diesem verhängnisvollen Tag: Der Sierra flog aus einer Kurve, traf dabei einen Felsen und überschlug sich mehrfach, blieb schließlich auf einem Feld liegen.
Während Beifahrer Windsor fast unverletzt blieb, brachen bei Williams durch das auf seiner Seite eingedrückte Dach ein paar Wirbel, die Wirbelsäule wurde stark gestaucht, er war von nun an unterhalb der Schultern gelähmt.
„Es war komplett verantwortungslos, dass ich so gerast bin, auch gegenüber meinem Mitfahrer“, outete sich der Teamchef später, war von nun an auf den Rollstuhl und auf die permanente Hilfe anderer angewiesen.
Geringer Trost für Williams: 15 Tage nach diesem schweren Verkehrsunfall gewann Nelson Piquet für Williams das Auftaktrennen der Saison, den Grand Prix von Brasilien. Sein Teamkollege Mansell sollte sogar noch bis zum Saisonfinale im australischen Adelaide eine Chance auf den Titel haben. Doch als sich an dessen Auto das linke Hinterrad plötzlich gelöst hatte, gehörte das Championat endgültig seinem härtesten Konkurrenten: McLaren-Pilot Alain Prost.
35 Jahre lang lebte Williams nun als Tetraplegiker, nach Meinung vieler Mediziner einmalig auf dieser Welt. Dabei handelt es sich um eine besonders schwere Form der Lähmung, denn hier sind teilweise oder vollständig sowohl Arme als auch Beine und der Rumpf betroffen, was meist mit einem Verlust an motorischen und sensorischen Funktionen einhergeht. Auch die Atmung kann betroffen sein, tatsächlich erlitt Williams 2016 zusätzlich eine schwere Lungenentzündung.
Doch stärker als seine eigene Verletzung traf ihn der Tod von Ayrton Senna am 1. Mai 1994. Zwar hatte Frank Williams Tochter Claire schon lange das Amt der Teamchefin übernommen, aber letztlich war 2020 der Verkauf des Teams, nach immerhin sieben WM-Titeln und 114 Grand-Prix-Siegen, unumgänglich. Selbst Finanzspritzen seines Freundes Bernie Ecclestone und seiner treuen Sponsoren konnten dies nicht verhindern.
Am 28. November 2021 verstarb Frank Williams mit 79 Jahren im Kreis seiner Familie – bis zuletzt ein Held.
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