GP-Sieger René Arnoux: «Antonelli erinnert mich an Hamilton und Senna»
René Arnoux ist von 1983 bis 1985 für Ferrari gefahren, in seinem ersten Jahr in Rot wurde der Franzose WM-Dritter. Noch heute verfolgt der inzwischen 77-Jährige den Grand-Prix-Sport aufmerksam.
Der Franzose René Arnoux, 149-facher GP-Teilnehmer und siebenfacher Rennsieger ist tief beeindruckt: vom 19-jährigen WM-Leader Kimi Antonelli.
Arnoux schwärmt vom italienischen Teenager in den höchsten Tönen, wenn er der Gazzetta dello Sport sagt: «Diese Burschen fangen so jung an! Ich selbst hatte mein Debüt in der Formel 1 mit 30 Jahren, das muss man sich mal vorstellen!»
«Heute ist der Werdegang der Fahrer ganz anders, sie steigen sehr früh in die Karts und kommen viel schneller in die höchste Rennklasse. Antonelli erinnert mich an Lewis Hamilton, der wie er alle Stufen rasch durchlief. Beide sind in der Nachwuchsabteilung eines Top-Teams aufgewachsen, der Italiener bei Mercedes und der Brite bei McLaren, und erzielten in allen Kategorien hervorragende Ergebnisse.»
«Dann bekamen sie sofort die Gelegenheit, mit einem konkurrenzfähigen Auto zu fahren, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Einerseits muss ein junger Fahrer mit höherem Druck umgehen und riskiert, sich die Finger zu verbrennen, andererseits hat er die Chance, um die grössten Ziele zu kämpfen.»
«Ich selbst debütierte 1978 bei Martini und holte in dieser Saison keinen einzigen Punkt. Mein erstes Podest erreichte ich mit fast 31 Jahren. In diesem Alter war Hamilton bereits dreifacher Weltmeister. Wir wissen noch nicht, wie weit Antonelli kommen wird, aber er sollte sich keine Grenzen setzen.»
Arnoux: «Das braucht Kimi Antonelli jetzt»
Der Schlüssel zum Formel-1-Titelgewinn ist Konstanz. Das betont auch René Arnoux. «Darin waren Niki Lauda und Alain Prost wahre Meister – kein Wunder, dass sie insgesamt sieben Weltmeistertitel holten. Kimi kann viel lernen, indem er sich ihre Rennen anschaut, aber er startet bereits von einer sehr guten Basis aus.»
«Sein Saisonstart war positiv, weil er schwierige Hürden mit Leichtigkeit genommen hat, an welchen Andere gescheitert wären. In Australien holte er einen guten zweiten Platz, obwohl er nach einem Unfall im dritten freien Training fast nicht an den Qualifyings teilnehmen konnte. In China hat er sich nach einem schwierigen Sprint rehabilitiert, während er in Japan nach einem schlechten Start aufholte. Gewiss, das Timing des Safety-Car hat ihm geholfen, aber sein Renntempo war das beste. Er muss genau so weitermachen, auch weil in einer so langen Saison ungünstige Vorkommnisse unvermeidlich sind.»
Arnoux spürt, dass Antonelli bei tückischen Verhältnissen besonders gut ist, so wie bei seinem Formel-1-Debüt 2025 in Melbourne, als er bei Mischverhältnissen toller Vierter wurde.
René weiter: «In dieser Hinsicht sind Kimi und ich ähnlich. Auch mir hat das Fahren im Regen immer Spass gemacht, weil ich den Unterschied ausmachen konnte.»
Arnoux: «Antonelli auf nasser Bahn herausragend»
«Ich erinnere mich, dass ich in Kanada 1989 mit dem Ligier, einem nicht sonderlich konkurrenzfähigen Auto, einen unglaublichen fünften Platz erreicht und das Team damit wirtschaftlich gerettet habe. Tatsächlich haben mich alle umarmt, als ich zurück in die Box kam. Wenn ich zurückdenke, frage ich mich, wie ich das Auto überhaupt auf der Strecke halten konnte – es hat wie aus Eimern geschüttet.»
«Die Fähigkeit, auf nasser Strecke besonders gut zu fahren, ist typisch für Champions. Antonelli hat mich beeindruckt, als er den Sprint der Formel 2 in Silverstone gewonnen hat. Die Bedingungen waren schwierig, aber er hat kristallklare Begabung gezeigt. Es ist kein Zufall, dass Toto Wolff ihn sofort zu Mercedes geholt hat.»
Für René Arnoux ist es keine Selbstverständlichkeit, gut gut Kimi Antonelli mit den 2026er Autos zurechtkommt, «weil er so viel weniger F1-Erfahrun hat als etwa George Russell im gleichen Team.»
«Unter den früheren Fahrern gab es vor allem Ayrton Senna, dem es gelang, unter allen Bedingungen fast immer das Maximum herauszuholen. Der Brasilianer hatte ein wirklich aussergewöhnliches Talent, was er bewies, indem er selbst mit nicht herausragenden Autos um den Titel kämpfte.»
«Kimi hatte einen anderen Werdegang, er ist nie in einem Team wie Toleman gefahren, hat aber seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Dieses Jahr musste er seinen Fahrstil im Vergleich zu 2025 aufgrund der Reglementrevolution ändern und hat in kurzer Zeit ein beeindruckendes Niveau erreicht. Ich bin sehr gespannt zu sehen, wie er sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird.»
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