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Hamilton und Rosberg 2016: Mehr Taktik-Spielraum?

​Lewis Hamilton hatte sich in Brasilien bitter darüber beklagt, ihm seien die Hände gebunden – weil Mercedes die Strategie vorgibt. In Abu Dhabi hatte er mehr Freiheiten. Und verlor dennoch.

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Als guter Verlierer ist dieser Lewis Hamilton wahrlich nicht zu bezeichnen, aber der Fairness halber sei angemerkt: Welcher Racer dieses Niveaus verliert schon gerne? Nach dem zweiten Platz im Brasilien-GP moserte der Weltmeister, er habe zu wenig Abtrieb gehabt, ausserdem liege sein Auto sowieso anders seit dem Singapur-GP, vor allem jedoch habe er keine Freiheit bei der Strategie erhalten.

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Hamilton schimpfte: "Ich bin hier, um ein Rennen zu fahren und zu gewinnen. Und wenn dann die Reihenfolge eigentlich schon vor dem Rennen vorgegeben ist, was soll ich da machen? Klar wollte ich gerne ein wenig riskieren und eine andere Strategie versuchen. Ich als Fahrer will einfach so schnell als möglich fahren, und wenn das auch wegen der Reifen nicht geht, dann ist das schade, auch für die Fans. Hinterherfahren ist langweilig."

Deshalb wurde Hamilton, als er über Funk eine Alternative forderte, eingebremst. "Logisch, dass Lewis nach allen Möglichkeiten sucht, Nico zu schlagen", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Anschluss an den zweitletzten WM-Lauf. "Aber selbst der beste Instinkt im Auto kann nie den Überblick ersetzen, den die Box hat. Würden wir die Fahrer über die Taktik entscheiden lassen, würden sie beim Grossteil aller Rennen schlechter dastehen. Wir geben ihnen immer die zwei bestmöglichen Strategien."

Natürlich erzeugte das vor allem in den britischen Medien Stimmen, wonach Mercedes den Sieger steuerte, und derzeit sei es dem Weltmeister-Team einfach wichtiger, den WM-Zweiten bei Laune zu halten.

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Doch grundsätzlich gilt: Mercedes will seine beiden Piloten so fair als möglich behandeln. Daher die gleiche Taktikvorgabe. Neutrale Beobachter würden auch einwenden: Als Hamilton von Sieg zu Sieg eilte, hat er sich auch nicht über die strategische Marschrichtung beklagt.

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Im Anschluss ans WM-Finale von Abu Dhabi hat nun aber Toto Wolff zugegeben, dass man versucht hat, Hamilton als Verfolger mehr strategischen Spielraum zu geben.

Man gab Lewis die Möglichkeit, den mittleren Rennteil länger zu gestalten, um sich dabei eventuell einen Vorsprung herauszufahren. Oder, nach einem späteren Stopp, die frischeren Reifen als Rosberg zu haben, um dann zum Schluss hin tüchtig anzugreifen.

Der frühere Formel-1-Fahrer Martin Brundle sagt: "Zu verlieren hatte Hamilton nichts, ich hätte sogar einen Einsatz auf den superweichen Reifen gewagt."

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Hamilton wollte zunächst überhaupt keinen Stopp mehr machen, der Mercedes-Kommandostand lehnte das ab – die Reifen hätten zu stark abgebaut.

Toto Wolff: "Im Anschluss an die Kritik in Brasilien wollten wir Hamilton und seinen Ingenieuren ein wenig mehr taktischen Raum geben. Ihm 14 Runden vor Schluss die superweichen Reifen zu geben, das fanden wir zu riskant. Die Techniker waren nicht davon überzeugt, dass die Walzen über einen so langen Zeitraum gute Rundenzeiten erlauben. Im ersten Teil hatten die superweichen nur acht oder neun Runden lang gehalten."

Also holte sich Hamilton neue weiche Reifen ab, doch er kam nicht nahe genug an Rosberg heran. Rosberg hatte auf die Schwierigkeiten im mittleren Rennteil reagiert: "Ich habe mein Auto beim Stopp leicht ändern lassen, und ich fuhr so, dass das Körner der Reifen weniger dramatisch auftrat."

In den kommenden Wochen wird bei Mercedes nun diskutiert, wie punkto Renntaktik in den Grands Prix 2016 vorgegangen werden soll.

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