Teamchef Stefan Laux: «Lucy Michel muss aus ihrer Komfortzone raus»
2024 und 2025 fuhr Lucy Michel bei zwei Dritteln der Rennen zur Frauen-WM in die Punkte und belegte die Ränge 16 und 17. In diesem Jahr hakt es, wozu sich auch ihr Teamchef Stefan Laux Gedanken macht.
Im ersten Jahr 2024 der Frauen-Motorrad-WM WorldWCR fuhr Lucy Michel in 6 von 10 Rennen in die Punkte, sammelte in Summe deren 30 und wurde WM-16., nur einen Zähler hinter den Gesamt-14. Chun Mei Liu und Emily Bondi.
2025 standen fürs zarte Geschlecht mit den Einheits-Yamaha YZF-R7 12 Rennen an, von denen die kleine Erzgebirgerin 8, also wieder zwei Drittel, in den Punkterängen beendete und mit 23 Zählern Gesamt-17. wurde.
In diesem Jahr holte sie in bisher 8 Rennen erst einmal Zählbares – Platz 13 im ersten Lauf in Assen, begünstigt von vielen Ausfällen und Strafen. Ihr aktueller 24. Gesamtrang ist nicht nur für sie selbst wenig erbaulich, sondern auch für ihren Teamchef bei TSL-Racing, Stefan Laux.
Die Konkurrenz ist stärker geworden
Der erfahrene Franke hat dazu seine Ansichten, die er SPEEDWEEK.com gerne verriet: «Ich gebe Lucy absolut Recht, dass die anderen stärker geworden sind, aber meiner Meinung nach müsste Lucy mehr Zeit investieren. Das ist das Hauptproblem, wobei ich weiß, dass sie die nicht hat. Viele andere machen das inzwischen hauptberuflich – die ersten zehn sowieso. Lucy ist zwar auch schneller geworden, aber nicht so viel wie die anderen. Dennoch müsste sie mehr tun und mehr in das investieren, was sie tut.»
Ich will Lucy nichts Böses, das ist ein schwieriges Thema.teamchef stefan laux
«Es ist halt immer die Frage, was man erreichen will», überlegte Laux. «Die Südländer haben ein ganz anderes Temperament. Die geben alles. Urlaub oder was, ist denen ganz egal. Die tun alles für den Sport. Es ist halt die Krux an der Sache und die Frage, bin ich bereit, 30 Tage Urlaub für den Rennsport zu opfern oder sage ich nein, nur zehn. Ich will Lucy ja nichts Böses, das ist ein schwieriges Thema. Klar hat Lucy mit der Arbeit ein Zeitproblem gegenüber anderen Mädchen, die das als Profi-Rennsportlerinnen betreiben. Dennoch sehe ich bei ihr das Zeitproblem zum Trainieren nur bedingt.»
Laux: Ausprobieren, wann es kracht
Das ist laut Stefan Laux die eine Seite der Medaille, doch blickt er auch auf die andere: «Lucy muss auch aus ihrer Komfortzone rauskommen und die nächste Sekunde rausquetschen. Ich kenne Fälle, da fahren Mädels auf Kartbahnen im Regen mit der R7 mit Slicks, bis sie das Ding in die Ecke feuern – einfach um zu wissen, wann es kracht. Das kann man auch mit einem Mini-Bike auf einem Parkplatz machen, damit man mal in brenzlige Situationen kommt und dann instinktiv richtig damit umgeht. Das kannst du auch mit einem Pocket-Bike machen, da bist du so weit unten, da passiert doch nichts, wenn man das Ding mal wegfeuert.»
Gleichwohl weiß Stefan Laux, dass Lucy mit ihrer kleinen Statur körperliche Defizite hat, die tatsächlich nicht auszugleichen sind. «Die Herrera fährt mit 64 Grad Schräglage, da kommt Lucy mit den kürzeren Armen nie hin. Und wenn sie es versucht, kann sie bei einem Schlenker gar nicht die Hebelbewegungen machen, um das abzufangen. Dennoch glaube ich, dass sie mehr und öfter das Limit suchen muss. Das meine ich mit Komfortzone.»
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